Rhein-Pfalz Kreis Keine Zeit für Nichtigkeiten

Bereitet den „Stärkungstag“ vor: Manuela Schurhammer.
Bereitet den »Stärkungstag« vor: Manuela Schurhammer.

«Waldsee.»Die Diagnose kam 2012: Manuela Schurhammer hatte Brustkrebs. Seit gut drei Jahren leitet die 47-jährige Waldseerin die Gruppe Speyer Abend-Aktiv der Frauenselbsthilfe nach Krebs (FSH). Jeden zweiten Dienstag im Monat treffen sich dabei rund 15 bis 20 Frauen im berufstätigen Alter. Sie haben eins gemeinsam: eine Krebsdiagnose.

Was geblieben ist, ist die Angst. „Sie begleitet mich das ganze Leben, denn Krebs ist lebensbedrohlich“, sagt Manuela Schurhammer. Die Krebserkrankung hat das Leben der Waldseerin komplett auf den Kopf gestellt. 2012 ist die Chemielaborantin an Brustkrebs erkrankt, wurde operiert, unterzog sich ein halbes Jahr einer Chemotherapie, unter deren Folgen sie heute noch leidet. Es folgten Antikörpertherapie, Bestrahlungen und Medikamente. Vieles habe sich aber auch zum Positiven geändert, auch wenn der Preis hoch gewesen sei: „Ich bin sehr viel selbstbewusster geworden. Früher hätte ich mich niemals getraut, vor einer Gruppe zu sprechen. “ Egoistischer sei sie auch geworden, denn durch die Erkrankung habe sie gemerkt, dass die Zeit zu knapp ist, sich mit Nichtigkeiten auseinanderzusetzen. Das habe zur Folge, dass sie auch anecke. Aber: „Ich achte auf mich. Wenn etwas mir nicht guttut, dann mache ich es nicht. Ich muss nicht jedem erklären, warum das so ist.“ Geholfen habe es, nach eineinhalb Jahren wieder zu arbeiten und so etwas Normalität zurückzubekommen. „Und ich habe wieder angefangen zu nähen. Auch das war für mich Therapie. Wenn ich beschäftigt war, hatte ich keine Zeit, über die Krankheit nachzudenken.“ Nach der Diagnose sei sie komplett fremdbestimmt gewesen. Heute hat der Krebs nun nicht mehr erste Priorität, sagt sie: Heute entscheidet sie, was sie macht und wann. Sie schiebt nichts mehr auf, was ihr wichtig ist. Dass sie einmal eine Selbsthilfegruppe leiten würde, hätte sie nie gedacht. Zwei Jahre nach ihrer Diagnose wurde sie vom Speyerer Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus angeschrieben. Mit dem FSH-Landesverband wurde über den Wunsch der Gründung einer Selbsthilfegruppe für jüngere Frauen informiert. Als eine Leiterin gesucht wurde, hat sie sich zur Wahl gestellt und es nicht bereut: „Früher hatte ich meine Familie, meinen Freundeskreis und die Arbeit, heute lerne ich Tausende von Frauen kennen, die stark sind, ihr Leben mit Krebs zu meistern und nicht in Kategorien einsortiert sind“, sagt sie. Die Gruppe ist durchmischt: Bei den meisten Teilnehmerinnen liegt die Diagnose länger zurück, andere sind noch in Therapie. Zu den monatlichen Treffen lädt Manuela Schurhammer immer wieder Referentinnen zu verschiedenen Themen ein. Wichtig ist ihr, dass dabei Gespräche nicht zu kurz kommen und dass die Teilnehmerinnen immer etwas mit nach Hause nehmen. Neben den Abendtreffen mit Programm haben Schurhammer und ihr Leitungsteam mit Christel Hering und Sylvia Zerech eine neue Aktion ins Leben gerufen: Jeden letzten Mittwoch im Monat ist ab 10 Uhr das Feel-Good-Café in der Bäckerei Görtz am Berliner Platz in Speyer. Es richtet sich speziell an Frauen, die sich noch in Therapie befinden. Hier geht es ausschließlich um den Austausch. Der ist, wie Schurhammer selbst erfahren hat, sehr wichtig nach einer Krebsdiagnose. Nun organisiert sie den heutigen Stärkungstag im südpfälzischen Minfeld mit. Er ist die erste überregionale Veranstaltung der FSH-Gruppen-Leiterinnen Speyer, Germersheim, Dahn, Wörth und Edesheim. „Wenn einer aus der Seele singt, heilt er zugleich seine innere Welt“, lautet das Motto des Tages, bei dem Gesangstherapeutin Vera Kimmig referiert. Manuela Schurhammer war an der Organisation des Rahmenprogramms beteiligt und hat sich um die Finanzierung gekümmert. „Man muss sich kümmern, von alleine bekommt man kein Geld. Ich bin mir nicht zu schade, Spendenanfragen zu machen, denn mit dem Geld kann man viel erreichen. Wir sind immer auf finanzielle Unterstützung angewiesen“, erzählt die verheiratete Mutter eines erwachsenen Sohnes. Kontakt —Im Netz: www.frauenselbsthilfe.de/speyer-abend-aktiv.de —E-Mail fsh-speyer-abend-aktiv@gmx.de —Telefon 06236 695507.

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