Quirnbach
„Redaktion vor Ort“: Was die Leser aus dem Q-Dorf und Umgebung bewegt
Schon als Georg Holl von der Firma WK-Deko den blauen RHEINPFALZ-Pavillon hinter dem Bürgerhaus aufbaut und alles für die „Redaktion vor Ort“ am Quirnbacher Markttag vorbereitet, erscheint Helga Horbach mit einem besonderen Relikt im Gepäck. Die Frau muss sich noch ein wenig gedulden, bis gegen 13.45 Uhr auch die Redakteure eintrudeln, denen sie ein in durchsichtigem Plastik verpacktes Stück Papier zeigt, das sie schon seit 56 Jahren aufbewahrt: „Das ist eine Quittung für mein RHEINPFALZ-Abo dem Januar 1970“, sagt die Quirnbacherin voller Stolz. 6,30 D-Mark habe das Abonnement damals pro Monat gekostet. „Die Zeitung selbst habe ich noch länger – ich hatte sie schon, als ich 1960 geheiratet habe. Ohne Zeitung kann ich nicht leben.“ Die Quittung zeigt auf ihrer Vorderseite zwei Pilzsorten, den giftigen Pantherwulstling sowie den essbaren Gedrungenen Wulstling. Das historische Papierchen habe die Jahre in einem Album überdauert, in dem sie noch anderes Material zum Thema Pilze sammele.
Auch Gertrud Scheuermann bringt den Redakteuren etwas mit. Aus einem Umschlag zieht sie einen Stapel Fotos, die während der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 auf der Fanmeile in Kaiserslautern aufgenommen wurden – also vor ziemlich genau 20 Jahren. Sie zeigen Musikgruppen, Fahnen und Fans aus aller Herren Länder – viele davon mit kreativen Verkleidungen. Einen Mann mit Deutschland-Hut und einem auf den Bauch gemalten „Teamgeist“ – so hieß der WM-Ball damals – hat sie auch vor die Kamera bekommen. Scheuermann: „Ich habe euren Aufruf gelesen – und dachte mir: Wenn ihr schon da seid, bringe ich euch die Bilder vorbei.“
Im Urlaub Abstand von Daheim-Nachrichten
Zu Hause im Landkreis Kusel ist er begeisterter Leser, sagt Martin Schröck aus Gimsbach. „Doch im Urlaub will ich von den Katastrophen zu Hause nichts wissen“, fügt er hinzu. Wenn er in der Ferne unterwegs ist, verzichtet er daher aufs RHEINPFALZ-Lesen. Zwei Themenbereiche, die seine Frau und ihn ansonsten besonders interessieren, sind die Ressorts „Reise“ und „Wissen“ in der RHEINPFALZ am Sonntag.
Monika Harth aus Quirnbach liebt die Kreuzworträtsel in der RHEINPFALZ. „Ich habe allerdings mein Abo nicht mehr“, gesteht sie. „Aber ich lese immer noch fleißig; mein Sohn wohnt ja nebenan – und wir teilen uns jetzt das Abo.“ Zuvor hätten sie und ihr Mann mehr als 50 Jahre selbst die RHEINPFALZ bezogen. „Ich brauche die Zeitung immer noch – vor allem morgens beim Kaffeetrinken.“
Schutz vor dem Regen und Kritik am Preis
Für ein bisschen Wohlfühlatmosphäre sorgt Thomas Martin aus Frohnhofen, der die Marktbesucher und RHEINPFALZ-Leser mit der Drehorgel unterhält. Auch er outet sich als treuer Abonnent: „Ich habe nichts zu meckern“, sagt er im Gespräch mit einem Redakteur und Günter Böttcher aus Henschtal, der wiederum Kritik am Abonnement-Preis durchschimmern lässt.
Wer den Markttag offenbar ein wenig vermiesen möchte, ist der Regen. Während der „Redaktion vor Ort“ setzt er immer mal wieder kräftig ein, woraufhin Leserinnen und Leser Schutz unterm Pavillon suchen. „Kommt auch mal nach Bedesbach!“, fordert eine achtköpfige Frauengruppe von ebenda, die sich unterstellt und eng zusammenrückt. Eigentlich sind die Seniorinnen nur wegen des Markttags nach Quirnbach gekommen, allerdings geben sie sich schnell als langjährige Leserinnen zu erkennen – eine von ihnen hält nach eigenen Angaben schon seit 65 Jahren der RHEINPFALZ die Treue. „Wir sind mit der Zeitung so zufrieden, wie sie ist“, sagt eine andere. Nur in puncto Preis schlägt die Gruppe nachdenkliche Töne an: Aufgrund der gestiegenen Lebenshaltungskosten müssten viele Rentner bei den Ausgaben genau hinschauen.
Die Luftbild-Sammlerin aus Steinbach
Ein spezielles Anliegen trägt Christa Weißbrodt aus Steinbach an die Redakteure heran. Seit 2020 sammelt sie mit großer Leidenschaft alle Artikel der Serie „Aus der Vogelperspektive“, bei der die Leserinnen und Leser anhand von Luftbildern erraten sollen, welche der 98 Kommunen im Landkreis jeweils zu sehen ist. Die einzelnen Zeitungsausschnitte bewahrt sie in einer eigenen Mappe auf, sagt Weißbrodt, fast wie ein kleines Archiv der Heimat. Noch fehlen ihr allerdings rund 20 Ortsgemeinden in der Sammlung. Ihr eindringlicher Wunsch: eine Fortsetzung der Serie in kürzeren zeitlichen Abständen, damit die Lücken in ihrer Sammlung geschlossen werden.
Eine Leserin aus Dittweiler, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, meldet sich mit einem Hinweis aus dem Straßenverkehr zu Wort. Sie wundere sich darüber, dass auf der Bundesstraße 423 bei Waldmohr bereits seit Wochen Tempo-50-Schilder mit Hinweisen auf eine Ölspur aufgestellt seien. Wurden diese etwa nach einem Unfall vergessen, fragt sie sich. Ansonsten lässt die Leserin auch Kritik mitschwingen: Bei der politischen Berichterstattung aus dem Oberen Glantal habe sie zumindest für manche Orte den Eindruck, dass nicht immer alle Seiten gleichermaßen zu Wort kommen.
Erinnerungen an die Weltmeisterschaft
Susanne Strauß und ihr Mann Hansi aus Rehweiler lesen die Zeitung hybrid, erzählen sie: „Ich lese immer schon die Vorabendausgabe, mein Mann bevorzugt das Papier“, sagt die Rehweilerin, die sich gerne an Leseraktionen, etwa am „Foto des Monats“, beteilige. Von der WM 2006, zu der die RHEINPFALZ ebenfalls Erinnerungen sucht, kann Familie Strauß auch ein bisschen was berichten: „Wir waren zum Beispiel bei dem Spiel Spanien gegen Saudi-Arabien, bei dem wir in der allerobersten Reihe saßen.“ Hansi Strauß sei jeden Tag voll im Geschehen gewesen, da er zu dieser Zeit eine Schulung in Kaiserslautern hatte: „Ich war direkt am Stiftsplatz.“
Ganz umgestiegen auf das digitale Zeitungslesen ist dagegen Ludwig Brauchler, der mit seiner Frau Sabine aus Gimsbach das Q-Dorf besucht. „Mich interessiert nicht nur, was im Kreis, sondern auch in den anderen Gegenden passiert“, sagt er. Die RHEINPFALZ-App mit allen 14 Lokalausgaben nutze er deshalb häufig. Lob gibt es dabei von Sabine Brauchler: Inzwischen laufe die digitale Anwendung sehr zuverlässig, Abstürze seien kaum zu beobachten.
Wenige Parkplätze und ein geschlossenes Büro
Ein weiterer Besucher am blauen Pavillon ist Siegbert Weyrich, Behindertenbeauftragter des Landkreises. In Sachen Barrierefreiheit gebe es im Kreis noch viel Luft nach oben, lässt er im Gespräch durchblicken: Vor allem an Behindertenparkplätzen mangelt es seiner Meinung nach. Ebenfalls beschäftige ihn die Erreichbarkeit der Burg Lichtenberg. Zwar sei es gut, dass die Anlage für viel Geld barrierefrei ausgebaut wurde, doch es müssten auch Menschen mit Mobilitätseinschränkungen einfacher dorthin kommen. Ärgerlich sei vor diesem Hintergrund, dass der „Burgenbus“ – die ehemalige Buslinie 297 von Kusel nach Burg Lichtenberg – durch die Fahrplanumstellung des Kreises gestrichen wurde.
Natürlich statten auch Ortsbürgermeisterin Steffi Körbel und ihr Mann Jochen den Redakteuren einen Besuch ab. Auch sie kommen auf die Weltmeisterschaft zu sprechen. In Helle Wertschaft führen sie auch beim aktuellen Turnier eine liebgewonnene Tradition fort und bieten zu jedem Deutschland-Spiel ein Gericht aus der heimischen Küche sowie eine landestypische Speise aus dem jeweiligen Gegnerland an. „Das machen wir schon seit Jahrzehnten“, sagt Steffi Körbel.
Abseits von dem globalen Sportereignis gibt es aber auch ein lokales Thema, das die beiden umtreibt: „Seit Wochen ist das Bürgerbüro der Verbandsgemeinde Oberes Glantal in Glan-Münchweiler zu – und es steht in den Sternen, wann es wieder öffnet“, sagt Jochen Körbel. Aktuell heißt es auf der Website der Verbandsgemeinde, dass das Büro noch bis zum 26. Juni geschlossen bleiben soll.