Rhein-Pfalz Kreis Kein Dorf verschont

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Vor 75 Jahren tobte in Russland zwischen der Deutschen Wehrmacht und der sowjetischen Roten Armee um die Städte Wjasma und Brjansk die größte Landschlacht der Geschichte. Zwar siegten die Deutschen, doch damit trat der Zweite Weltkrieg auch in die Phase des großen Sterbens in der Bevölkerung ein. Viele Männer aus der Region Frankenthal ließen in der Doppelschlacht ihr Leben.

Am 30. September 1941 war die Deutsche Wehrmacht zum „Unternehmen Taifun“ angetreten. Unter diesem Decknamen wollte Adolf Hitler die angeschlagene Sowjetunion unter Stalin endgültig niederwerfen, Moskau dem Erdboden gleichmachen und durch einen Stausee ersetzen. Wer die Gefallenenlisten Frankenthals und der umgebenden Gemeinden, ja, aller pfälzischen Städte und Dörfer studiert, wird rasch bemerken, dass diese Operation fast in jedem Ort Soldatenleben gefordert hat. Die bisherigen deutschen Feldzüge seit der Rheinlandbesetzung 1936 hatten auf das Überraschungsmoment gebaut und vergleichsweise wenige Tote gefordert. Die Menschen zu Hause sollten Hitlers Siege bejubeln und von blutigem Geschehen möglichst wenig behelligt werden. Ab der Doppelschlacht um Wjasma und Brjansk vom 2. bis 30. Oktober 1941 starben in den Kämpfen aber immer mehr Männer. Wie viele Soldaten damals an dem Geschehen beteiligt waren, ist bis heute umstritten. Auf jeder Seite dürften es zwischen 1,3 und zwei Millionen Mann gewesen sein. Das Schlachtfeld hatte fast die Größe des heutigen Baden-Württemberg. Mit frisch instand gesetzten Panzern schlug die Heeresgruppe Mitte unter Generalfeldmarschall Fedor von Bock los. Die Rotarmisten leisteten erbitterten Widerstand: In ihrem Rücken waren sowjetische Scharfschützenketten postiert, denen man befohlen hatte, jeden Zurückweichenden niederzuschießen. In der dritten Oktoberwoche hatten die Deutschen drei gewaltige Kessel voller russischer Truppen umzingelt. Einer lag bei Wjasma, am Nordabschnitt der Front, und zwei weitere bei Brjansk, wo noch einige sowjetische Kontingente entweichen konnten. Genaue Gefallenenzahlen liegen nicht vor; es ist aber von Tausenden auf beiden Seiten auszugehen. Fest steht, dass etwa 663.000 Sowjets nach den Kämpfen in deutsche Gefangenschaft gerieten. Die meisten gingen an Erschöpfung, Hunger, Seuchen oder Misshandlungen zugrunde, viele erreichten nicht einmal lebend Deutschland. Ideologisch war das so gewollt. Die Sowjetunion hatte 1929 die Genfer Konvention zum humanen Umgang mit Kriegsgefangenen nicht ratifiziert, und Hitler setzte alle Rechte für ihre kurzerhand zu „Untermenschen“ erklärte Bevölkerung außer Kraft. Entsprechend unmenschliche Befehle ergingen. Ob sie befolgt wurden, lag immer an der Zivilcourage der an der Front zuständigen Offiziere. Im Verlauf des gesamten Kriegs fielen 5,7 Millionen Rotarmisten in deutsche Hand. Über drei Millionen von ihnen kamen um; die meisten ließ man schlicht verhungern. Umgekehrt gerieten später drei Millionen Wehrmachtsangehörige in russische Gefangenschaft, von denen 600.000 starben. Wie auch pfälzische Heimkehrer später berichteten, hatten ihre Bewacher kaum besser gelebt als sie selbst. Nach der gewonnenen Doppelschlacht brachen deutsche Truppen am 30. Oktober 1941 auf der Krim durch und setzten, dem vermeintlichen „Endsieg“ entgegen, zum Angriff auf Moskau an.

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