Rhein-Pfalz Kreis Kaum Zeit zum Durchschnaufen
Gerolsheim. Mit einem Herz voller Begeisterung und einem Kopf voller Ideen ist Jennifer Dahlem vor einigen Wochen von ihrem Hilfseinsatz in Nepal zurückgekehrt. Die 31-Jährige war im Spätsommer 2015 von Gerolsheim aus in das von verheerenden Erdbeben gebeutelte Land aufgebrochen. Jetzt will sie den Wiederaufbau von Deutschland aus mit der Vermittlung von Patenschaften und Spenden unterstützen.
Auf ihren Reisen hatte sich Jennifer Dahlem in das südasiatische Land verliebt. „Man verliert sein Herz in Nepal, an Kultur, Landschaft, an die Menschen und deren Nächstenliebe.“ Als im April 2015 nach dem Beben die Bilder der riesigen Verwüstung um die Welt gingen, war für die Gerolsheimerin klar: „Ich muss helfen.“ Die junge Umweltwissenschaftlerin kündigte Wohnung und Job und flog nach Kathmandu, wo sie sich in der Organisation „Hilfe für Nepal“, einer Gruppe Ehrenamtlicher aus aller Welt, gegründet von einer befreundeten Lampertheimerin, anschloss. Gut sieben Monate lang engagierte sich Dahlem in verschiedenen Hilfsprojekten. Sie half, erdbebensichere Häuser und Schulen in entlegenen Bergregionen zu bauen, betreute Behinderte und unterrichtete Kinder in Waisenhäusern. „Die Menschen dort sind enorm begeisterungsfähig und haben Träume – alle Kinder wollen in Oxford studieren“, sagt Dahlem. Imponiert habe ihr auch die Unverzagtheit, mit der viele sich in ihr Schicksal fügen, und die Offenheit, auf Fremde zuzugehen. Selbst als die Versorgungslage im Herbst wegen eines indischen Embargos kritisch wurde, der Liter Benzin bis zu sieben Euro kostete, Medikamente, Gas, Strom und Internet praktisch nicht mehr verfügbar waren, hätten ihre nepalesischen Freunde relativ gelassen reagiert. Der Optimismus vieler sei ungebrochen. Im Epizentrum des Erdbebens seien bereits viele Gebiete wieder bewohnbar, auch dank der guten Zusammenarbeit von Hilfsorganisationen und Einheimischen. In abgelegenen Regionen seien jedoch noch viele Häuser und Regionen zerstört. „Es wird noch Jahre dauern und viel Hilfe benötigen, bis Nepal in alter Blüte steht“, sagt Dahlem. Außerdem rechneten Wissenschaftler mit weiteren großen Erdbeben, vermutlich im Osten des Landes. Neben großer Warmherzigkeit habe sie auch enorme Skrupellosigkeit und eiskaltes Profitdenken erlebt. Menschenhandel via Waisenhäuser sei ein großes Problem. Mit Spendengeldern Ehrenamtlicher würden mancherorts Geschäfte betrieben. „Das nimmt einem die Naivität, den Gutwillen, mit dem man in ein solch armes Land reist“, sagt die Gerolsheimerin. Sie habe deshalb nur Projekte mit Geld oder der Vermittlung von Freiwilligen unterstützt, in denen sie selbst mitgearbeitet hatte. Bei Good Earth Nepal beispielsweise lernte sie eine Technik kennen, mit der man aus mit Erde gefüllten Reissäcken und Stacheldraht erdbebensichere Häuser baut. „So simpel und so wirkungsvoll“, sagt sie begeistert über die Arbeit der von Amerikanern gegründeten Hilfsorganisation. Zuletzt engagierte sich die junge Frau in einem Waisenhaus, in dem Kinder vom Neugeborenen bis zum Teenager zusammen mit behinderten obdachlosen Senioren leben. Zeit zum Durchschnaufen oder Abschalten gönnte sie sich kaum. Man bekomme ja von den Menschen so viel zurück. „Ein Lächeln ist mehr wert als jeder Gehaltsscheck“, sagt sie. Zurück in der Pfalz will sie sich weiter für den Himalaya-Staat und insbesondere für die Einrichtung, in der sie zuletzt arbeitete, engagieren. Eine Idee sind Patenschaften. „Mit fünf Euro in der Woche kann man Schulbildung, Unterkunft und Verpflegung für ein Kind finanzieren“, rechnet sie vor. Sie selbst orientiert sich beruflich in Richtung Umweltbildung und sozialer Arbeit. „Noch hat sich kein Job für mich finden lassen, aber ich bin zuversichtlich“, sagt die Umweltwissenschaftlerin. Die Gelassenheit, Dinge so zu nehmen, wie sie kommen, habe sie in Nepal gelernt. Kontakt Wer mehr über Hilfsprojekte in Nepal erfahren will, kann sich an Jennifer Dahlem unter der E-Mail-Adresse j.dahlem@gmx.net wenden.