Rhein-Pfalz-Kreis / Ludwigshafen
Katretter-App: Start mit 300 Freiwilligen
Es ist selten, dass sich Politiker einig sind. Wenn das dann mal der Fall ist, ist das schon eine Erwähnung wert. So sprach die Ludwigshafener Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (parteilos) bei der Vorstellung der Katretter-App von einem „richtig guten Tag“. Da müsse man nicht vom Fach sein, um das zu erkennen. Denn im Zweifel zähle eben jede Sekunde. „Und wenn im Umkreis von wenigen Metern jemand da ist, der helfen kann, kann das Leben retten.“
Da widersprachen Clemens Körner (CDU), Landrat des Rhein-Pfalz-Kreises, Hans-Ulrich Ihlenfeld (CDU), Landrat des Kreises Bad Dürkheim und Bernd Knöppel (CDU), Frankenthals Bürgermeister (CDU) nicht. Und auch die Vertreter der anderen an dem Projekt beteiligten Kommunen, Peter Eymann, Leiter der Speyerer Feuerwehr, und Iris Kobel, Abteilungsleiterin Brand- und Katastrophenschutz bei der Stadt Neustadt, schlossen sich dem Lob gerne an. Alle diese Gebietskörperschaften sind an die Leitstelle in Ludwigshafen am Kaiserwörthdamm angeschlossen. Rund 620.000 Menschen leben in dem Gebiet.
Einfaches Prinzip
Das Prinzip der Katretter-App ist relativ einfach. Freiwillige können sich damit als Ersthelfer registrieren. Diese werden dann über ihr Handy bei einem Notfall, der bei der Leitstelle eingeht, alarmiert. Pro Notfall sollen die drei Ersthelfer, die am nächsten dran sind, alarmiert werden. Sie müssen ihre Bereitschaft zur Hilfe dann aktiv signalisieren. „Vorher werden die konkreten Daten für den Notfall nicht freigeschaltet“, erläutert Roman Strauß von der Ludwigshafener Feuerwehr, der das Projekt Katretter betreut und gemeinsam mit Robin Klamm von der Verwaltung des Rhein-Pfalz-Kreises für den Bereich der Leitstelle Ludwigshafen gangbar gemacht hat.
Entscheidet sich ein Freiwilliger, bei einem Notfall zu helfen, bekommt er die Informationen, wo es hingeht. Gerufen werden sie vorläufig nur bei zwei Positivmerkmalen, wie es Robin Klamm, bei der Verwaltung des Rhein-Pfalz-Kreises Leiter Brand-, Katastrophenschutz und Rettungsdienst, formuliert. Das sind Bewusstlosigkeit sowie Herz- und Kreislaufstillstand. Nicht alarmiert werde zum Beispiel bei Infektionen oder Verkehrsunfällen. „Überall da, wo eine etwaige Eigengefährdung im Spiel ist“, erklärt Klamm.
Parallele Alarmierung
Parallel zu den Ersthelfern werden Rettungsdienst oder First Responder alarmiert. Die Hoffnung der Initiatoren der Katretter-App ist, dass die Ersthelfer innerhalb von drei Minuten bei dem Notfall eintreffen, den Betroffenen zum Beispiel in die stabile Seitenlage bringen oder mit der Herz-Druck-Massage beginnen. Sobald der Rettungsdienst dann an Ort und Stelle eintrifft – das soll innerhalb von sieben Minuten passieren–, übernimmt er.
Registrieren sollen sich vor allem Leute, die ohnehin schon in einem entsprechenden Beruf tätig sind, beispielsweise Angehörige der diversen Feuerwehren im Einsatzgebiet der Leitstelle, der verschiedenen Rettungsdienste wie Deutsches Rotes Kreuz, Malteser oder Johanniter, Ärzte, Krankenschwestern oder Pflegepersonal. Allerdings betont Roman Strauß auch, dass zum Beispiel Ersthelfer in Betrieben für die Katretter-App geeignet seien. „Wichtig ist, dass einmal im Jahr eine Fortbildung oder Auffrischung stattfindet.“
Zertifikate hochladen
Damit man sich als Ersthelfer bei der App registrieren kann, muss man die entsprechenden Zertifikate, die einen qualifizieren, einscannen und hochladen. Geprüft wird laut Robin Klamm dann alles von der jeweiligen Gebietskörperschaft. In seinem Fall – er ist bei der Freiwilligen Feuerwehr in Neuhofen – wäre das die Kreisverwaltung in Ludwigshafen. Von dort werde die Freigabe erteilt. Der- oder diejenige bekommt dann einen Aktivierungslink zugeschickt.
Beim Start der Katretter-App am Dienstag waren laut Clemens Körner schon 300 Ersthelfer registriert. Eine Zahl, mit der alle sehr zufrieden sind und die hoffentlich noch steigt. „Die App ist ein wichtiger Mosaikstein. Wir haben Probleme im Rettungsbereich“, meint Körner und spielt damit vor allem auf den Personalmangel an. Robin Klamm hofft, dass Mitte kommenden Jahres dann schon 600 Ersthelfer angemeldet sind.
Auch Mithelfer sollen kommen
Das soll allerdings noch nicht das Ende der Fahnenstange sein. Peter Eymann macht sich dafür stark, dass sich bald auch Mithelfer in der App registrieren können. Dafür brauche man keine medizinische Ausbildung, betont der Leiter der Speyerer Feuerwehr. Helfen, Leben zu retten, könne man trotzdem. Sein Appell lautet schon jetzt: „Keine Hemmungen haben. Jede Hilfe ist wichtig.“
Die Mithelfer könnten dann zum Beispiel die Rettungskräfte einweisen, Zeichen geben. Doch das dauere noch, wie Stefan Bruck, Leiter der Berufsfeuerwehr Ludwigshafen, erläutert. „Wenn man zu viel auf einmal will, bekommt man gar nichts.“ Heißt: Das Ersthelfer-System der Katretter-App soll sich erst mal etablieren. Dann geht es an die Erweiterung der Optionen. Ebenfalls noch Zukunftsmusik ist das Einspeisen der Standorte von Defibrillatoren.
Die Kosten für das Projekt halten sich im Rahmen. Die Einrichtung der Software schlägt mit 10.000 Euro zu Buche. Pro Jahr kommen dann noch mal 2000 Euro dazu. Das verteilt sich allerdings auf die Kommunen im Einsatzbereich.
Im Netz
www.katretter.de