Speyerer Umland RHEINPFALZ Plus Artikel Katholische Frauengruppen in Not

Will mehr als nur ein Kaffeetreff sein: die KFD.
Will mehr als nur ein Kaffeetreff sein: die KFD.

Die Ortsgruppen der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands – kurz KFD – gehörten jahrzehntelang fest zum Gemeindeleben fast jeden Dorfs im Speyerer Umland. Nun haben sich erste Gruppen aufgelöst oder stehen kurz davor. Lassen sich Mitgliederschwund und Überalterung stoppen?

Die KFD in Waldsee hat es bereits hinter sich: Im November vergangenen Jahres beschlossen knapp 40 Frauen bei der letzten Mitgliederversammlung die Auflösung ihrer Ortsgruppe. Mitte März wurde das Kapitel KFD nach 55 Jahren mit einer Abschiedsmesse beendet. Die KFD in Hanhofen hat vor einigen Tagen ebenfalls entschieden, ihre Ortsgruppe zum Jahresende aufzulösen. „Es gibt keine Frauen mehr, die bereit sind, im Leitungsteam Verantwortung zu übernehmen“, sagt Anelore Irschlinger, die dem Team seit Jahrzehnten in verschiedenen Positionen angehörte. Seit dem vergangenem Jahr ist die Leitung vakant.

Die meisten der zuletzt dort engagierten Frauen seien schon 30 Jahre oder mehr in der Position und wollten aufhören. „Das kann man auch verstehen“, sagt die 67-Jährige. Die wenigen Jüngeren – im Fall der KFD heißt das um die 50 Jahre alt – seien schon stark eingebunden. „Die Entscheidung, die Gruppe aufzulösen, ist keinem Mitglied leicht gefallen, aber die Vernunft hat gesiegt“, berichtet Irschlinger.

Mehr zum Thema

Mit Familie und Beruf haben Frauen heute genug zu tun, da bleibt meist keine Zeit mehr für ein Ehrenamt.
Meinung

RHEINPFALZ Plus Artikel
Koloss auf tönernen Füßen

Die KFD Hanhofen wurde 1958 gegründet. Die Frauen gestalteten Gottesdienste mit, unter anderem Mai- und Kreuzwegandachten, und sie schmückten Fronleichnamsaltäre. Bis 2017 gab es einen Singkreis, der unter anderem zu Jubiläen und Beerdigungen sang. Bis 2018 war ein Krankenhausbesuchsdienst aktiv. Schon seit 2008 gibt es die Prunksitzungen nicht mehr. Die letzte große Veranstaltung war 2018 das Frauenmahl, das anlässlich des 60-jährigen Bestehens gefeiert wurde.

Fusion gescheitert

Zuletzt hat die KFD in Hanhofen noch zwei Gymnastikstunden in der Woche und einen monatlichen Seniorennachmittag für Frauen organisiert. Diese Angebote soll es weiterhin geben, wie Sabine Alschner, Pastoralreferentin in der Pfarrei Heilige Hildegard, informiert. Die Frauen, die diese Veranstaltungen organisierten, würden in die KFD-Ortsgruppe Harthausen wechseln. Einige Hanhofener KFD-lerinnen würden wohl auch bei der Ortsgruppe in Dudenhofen unterkommen. Eine echte Fusion der Gruppen Hanhofen und Harthausen sei nicht zustande gekommen. „Bedingung aus Harthausen war, dass jemand aus Hanhofen als Verbindungsperson dabei ist. Für diese Funktion hat sich aber niemand gefunden“, berichtet Alschner.

„Es ist in ganz vielen KFD-Gruppen ein Problem, dass die Leitungsteams überaltert sind“, sagt die Pastoralreferentin. Dass so wenige Jüngere dabei seien, hänge unter anderem mit Berufstätigkeit oder Familienplanung zusammen. In Hanhofen hat die KFD noch rund 140 Mitglieder. Früher sei die Gruppe sehr aktiv gewesen, zum Beispiel beim Dorffest oder dem Weihnachtsmarkt. Um die Auflösung zu verhindern, habe sich die Diözesanleitung einschaltet. Es sei versucht worden, den verbliebenen Frauen die Angst zu nehmen, dass sie im Leitungsteam nun zu viele Aufgaben übernehmen müssen. Allerdings ohne Erfolg. Viele seien aufgrund des Alters oder angeschlagener Gesundheit nicht mehr in der Lage, sich einzubringen. „Die Auflösung war die logische Konsequenz, auch wenn es keiner Frau leicht gefallen ist“, sagt Alschner.

Andere KFD-Gruppen haben ebenfalls zu kämpfen. „In Berghausen wird es über kurz oder lang ein ähnliches Problem geben“, glaubt die Geistliche. Dort hätten Mitglieder des Leitungsteams angekündigt, aufhören zu wollen. Etwas besser sieht es noch in Harthausen aus. Dort hat die KFD am 25. April ihre Mitgliederversammlung mit Neuwahlen. „Es sind für alle Positionen im Leitungsteam Kandidatinnen da“, sagt Alscher. Die Altersstruktur sehe aber auch dort ähnlich aus wie anderswo.

Kreative Ideen gefragt

Aber wie lässt sich der Trend aufhalten? „Man muss kreative Ideen entwickeln“, glaubt die Pastoralreferentin. Aber es brauche eben auch die Leute, die entsprechende Angebote machen könnten. Als Beispiel nennt sie den erfolgreichen Handarbeitstreff der KFD-Gruppe in Dudenhofen. Deren Sprecherin Elisabeth Kostov ist es gelungen, mit der Gruppe neue Mitglieder anzulocken. Die Dudenhofenerinnen stemmen außerdem noch einen Termin beim jährlichen Spargelessen in der Gemeinde und bringen sich bei anderen Anlässen ein. Das Durchschnittsalter sei aber auch bei ihnen hoch, sagt Kostov. „Jüngere Frauen wären willkommen.“ Ein Problem, dass die KFD vor Ort zusätzlich belaste, sei, dass die Mitgliedsbeiträge nach Beschluss des Bundesverbands um fast 50 Prozent erhöht werden müssen.

Überholt ist die KFD als Organisation nach Ansicht von Sabine Alschner nicht. Wichtig sei, publik zu machen, was der Verband bundesweit schon alles bewirkt habe, gerade in den Bereichen Politik und Arbeitsrecht. So habe er wesentlichen Anteil daran, dass es heute eine Mütterrente gebe. Und auch für das Thema „gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ setze er sich ein. „Das ist nicht nur ein Verband, der sich mittags zum Kaffeetrinken trifft, sondern wesentlich mehr“, findet sie.

Mitglieder der KFD Hanhofen und die geistliche Leiterin Sabine Alschner (Dritte von rechts) 2018: Damals feierte die Gruppe ihr
Mitglieder der KFD Hanhofen und die geistliche Leiterin Sabine Alschner (Dritte von rechts) 2018: Damals feierte die Gruppe ihr 60-jähriges Bestehen.
x