VG Römerberg-Dudenhofen RHEINPFALZ Plus Artikel Kandidaten im Netz: Virtuell auf Wählerfang

Soziale Netzwerke wie Facebook spielen im Wahlkampf eine immer größere Rolle.
Soziale Netzwerke wie Facebook spielen im Wahlkampf eine immer größere Rolle.

Wahlkampf ohne im Internet Präsenz zu zeigen – heutzutage undenkbar, und zwar nicht nur wegen der Corona-bedingten Schwierigkeiten, die Wähler von Angesicht zu Angesicht anzusprechen. Auch die Kandidaten für das Amt des Bürgermeisters der Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen präsentieren sich im Netz. Wir haben uns angeschaut, wie sie sich dabei anstellen – und festgestellt, dass einer der vier Bewerber ganz unverschuldet im Nachteil ist.

Matthias Hoffmann hat einen Nachteil im Wahlkampf um das Amt des Bürgermeisters der Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen. Und nein, wir reden hier ausnahmsweise nicht von der Mechtersheimer Wall-Affäre. Vielmehr geht es um den Namen des Grünen-Kandidaten. Für diesen kann Matthias Hoffmann selbstverständlich nichts und es ist ja auch prinzipiell nichts falsch an ihm. Aber wenn es darum geht, potenzielle Wähler im Internet auf den eigenen Web-Auftritt zu lotsen, wo dieser nachlesen könnte, warum er den Römerberger am 6. März wählen soll, dann ist der Name suboptimal. Wer bei Google nach „Matthias Hoffmann“ sucht, bekommt zunächst einmal die Schlagzeile „Matthias Hoffmann ist wieder frei“ über den Prozess gegen einen zwielichtigen Konzertveranstalter serviert. Auch einen Abrissunternehmer dieses Namens gibt es und – immerhin – einen Opernsänger.

Hat der Interessierte die Website des Grünen-Kandidaten aber gefunden – beim RHEINPFALZ-Versuch führte dies über den Umweg der Seite der Römerberger Grünen – präsentiert sich ihm ein aufgeräumter und freundlich gestalteter Web-Auftritt. Darauf, dass Matthias Hoffmann den Grünen angehört, weist nur die stilisierte Sonnenblume hinter seinem Slogan „Zuhören und Anpacken“ hin, die sich auch im Parteilogo wiederfindet. „Wer etwas nicht will, findet Gründe. Wer etwas will, findet Wege“, zitiert er in seiner Vorstellung den gerade verstorbenen DM-Gründer Götz Werner.

Bei Facebook und Instagram

Nach einigen persönlichen Infos über den Kandidaten findet der Besucher eine Rubrik mit Hoffmanns Zielen: Ganz oben auf der Liste stehen die Verkehrsprobleme, gefolgt von Klimaschutz, Digitalisierung der Verwaltung, Sicherheit und Feuerwehr sowie Jugendarbeit. Positiv fällt auf, dass Hoffmann seine Ziele, die sich so in ähnlicher Form bei fast allen Kandidaten finden, jeweils unter dem Motto „So packe ich das an“ ausformuliert und konkrete Lösungsansätze aufzeigt.

Auch in sozialen Netzwerken ist Hoffmann aktiv. Als Ortsbürgermeister hat er von Beginn an auch über Facebook mit den Bürgern kommuniziert. In den Online-Wahlkampf für das Amt des Bürgermeisters der Verbandsgemeinde ist er aber erst in der zweiten Januarhälfte so richtig gestartet. Neben Eindrücken von Wahlkampfterminen gibt es dort auch Inhaltliches wie einen Beitrag zum Thema Sirenen, der verdeutlichen soll, was eigentlich die Aufgaben der Verbandsgemeinde sind. Auch bei Instagram ist Hoffmann aktiv und kommt dort immerhin auf gut 200 Follower.

Optisch ist der Internetauftritt von CDU-Kandidat Harald Löffler wahrscheinlich näher an jenem seines Römerberger Mitbewerbers als beide politisch zusammenliegen. Auch hier dominiert weiß, gepaart mit ein paar bunten Farbtupfern. Im Gegensatz zum Auftritt Hoffmanns darf die Partei des Kandidaten hier als Logo mit aufs Bild – wenn auch kleiner geschrieben als Löfflers Name, aber Bürgermeisterwahlen sind eben klassische Personenwahlen, bei denen die Parteizugehörigkeit eine untergeordnete Rolle spielt. Insofern sollten die Farben gelb, orange, rot und grün hinter dem Slogan des Harthauseners („Zusammen. Wachsen.“) nicht überinterpretiert werden.

Bei Löfflers Zielen steht das Thema „Verwaltung 100 Prozent bürgernah und digital“ ganz oben. Sicherer Straßenverkehr, Klimafreundlichkeit und eine starke Feuerwehr hat er ebenfalls auf dem Zettel, aber auch Vereinbarkeit von Familie und Beruf, Stärkung des Ehrenamts, Tourismus oder Wirtschaft. Auffällig: Der CDU-Kandidat stellt in einer eigenen Rubrik auch seine Erfolge in 18 Jahren als Harthausener Ortsbürgermeister dar und will offenbar mit seiner Erfahrung punkten.

In die sozialen Medien hat sich Harald Löffler im Gegensatz zu seinem Römerberger Amtskollegen erst nach seiner Kandidatur mit regelmäßigen Posts begeben. Am 11.11. ist die Löfflersche Facebook-Seite an den Start gegangen, was aber trotz des närrischen Datums nichts über die Ernsthaftigkeit seiner Aktivitäten aussagt. Auch hier gibt es Bilder von Wahlkampfterminen zu sehen und Einträge zu den Wahlzielen. Wobei es durchaus auch mal humorig sein darf, wenn zum Beispiel in einem Post ein paar (Löfflers?) Katzen neugierig am viel diskutierten Feldsalat schnuppern, den der Kandidat im Wahlkampf verteilt hat. Wie Hoffmann ist Löffler auch bei Instagram und übertrifft den Römerberger mit mehr als 350 Followern sogar, was den Anhang angeht.

Silke Schmitt-Makdice ist leicht bei Google zu finden. Das dürfte sie ihrem Mann zu verdanken haben, denn ein zweites Mal gibt es die Namenskombination wohl weltweit nicht. Beim Internetauftritt der SPD-Kandidatin gibt es, passend zur Partei, ein paar Rottöne mehr zu sehen. Ansonsten reiht er sich optisch in die Reihe der Websites der Mitbewerber ein. „Weil sie es kann“, lautet der selbstbewusste Slogan der Hanhofenerin. Bei den Zielen findet sich überraschend das Thema Jugendarbeit an erster Stelle. Offene Verwaltung und Sicherheit sind weitere Schlagworte. Auch den Zusammenhalt und die Vielfalt der Verbandsgemeinde thematisiert Schmitt-Makdice.

Persönliche Ansprache

Noch stärker als die Mitbewerber setzt die Hanhofenerin darauf, die Wähler auf persönlicher Ebene anzusprechen. Die Ziele sind in der Ich-Form formuliert und immer wieder mit Informationen aus ihrer eigenen Biografie verwoben. Es gibt eine eigene Rubrik namens „Unterstützer“, bei der sich etliche Sozialdemokraten aus der Region – allen voran Schmitt-Makdices Mentorin Friederike Ebli – für die Kandidatin aussprechen. Als pdf-Download steht die Wahlkampfbroschüre bereit. Bei Facebook ist die Hanhofenerin in Sachen Wahlkampf noch zurückhaltend und erst seit ein paar Tagen dahingehend aktiv.

FDP-Kandidat Justus Rabe hat als Letzter des Quartetts eine eigene Website ins Netz gestellt. Das auffällige Magenta, das seine Wahlplakate dominiert, findet sich auch auf dem Internetauftritt des Römerbergers. Mit seinem Hashtag „#Rabe4VGRD“ hofft der Kandidat offenbar, sich im Gedächtnis der Wähler festzusetzen. Seine Selbstbeschreibung: „kompetent, jung, hört zu, hat Demut.“ Bei Rabes Slogan „Weil wir es können“ besteht hingegen Verwechslungsgefahr mit jenem der SPD-Konkurrentin. Inhaltlich wird ganz aktuell ein Rückblick auf die RHEINPFALZ-Podiumsdiskussion geboten. Rabes „10 Punkte Plan“ für die Verbandsgemeinde sieht die Optimierung der Bürgerdienste und die Einführung einer Zukunftswerkstatt in der und für die Verwaltung auf den vordersten Plätzen.

Auch in sozialen Netzwerken ist der Heiligensteiner ziemlich aktiv, vor allem seit Beginn des Jahres. Bei Facebook und Instagram behandelt er Themen wie Familie und Digitalisierung, beschreibt aber auch, was er im Falle seiner Wahl als erste Amtshandlung tun würde (die Digitalisierung vorantreiben). Als einziger Kandidat ist Rabe auch bei Tiktok aktiv, ein besonders bei jüngeren Menschen derzeit beliebtes soziales Netzwerk. Weltbewegendes gibt es dort zwar nicht zu sehen, aber immerhin: Wer Justus Rabe schon immer einmal mit einem Star-Wars-Modell aus Lego spielen sehen wollte, der wird hier ebenso fündig wie alle, die wissen wollen, warum eine Amazon-Alexa natürlich Justus Rabe wählen würde.

Dass Rabe als einziger Nicht-Ortsbürgermeister der unbekannteste unter den Kandidaten sein dürfte, zeigt sich an Facebook-Kommentaren wie „Hoppla, wer ist Justus Rabe?“. Der FDP-Mann nimmt’s locker und antwortet mit: „Hoffentlich bald der Neue in der Verbandsgemeinde.“

Im Netz

matthias-hoffmann.info

harald-loeffler.de

silke-schmitt-hanhofen.de

justusrabe.de

Mit Parteilogo: Harald Löffler.
Mit Parteilogo: Harald Löffler.
Schwer zu finden: Matthias Hoffmann.
Schwer zu finden: Matthias Hoffmann.
Erst seit Kurzem mit Website: Justus Rabe.
Erst seit Kurzem mit Website: Justus Rabe.
Mit selbstbewusstem Slogan: Silke Schmitt-Makdice.
Mit selbstbewusstem Slogan: Silke Schmitt-Makdice.
x