Rhein-Pfalz-Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Kampf gegen Corona: Von Spritzen, Schnelltests und Strategien

Die Ruhezone im Schifferstadter Impfzentrum. Der bunte Boden lag zuvor in der Mutterstadter Rundsporthalle, die 2020 zur Corona-
Die Ruhezone im Schifferstadter Impfzentrum. Der bunte Boden lag zuvor in der Mutterstadter Rundsporthalle, die 2020 zur Corona-Ambulanz umfunktioniert worden war. Ob dort nun ein Testzentrum entsteht, wird im Kreis besprochen werden müssen. Die Idee aus Mainz, ehemalige Ambulanzen zu reaktivieren, kam erst am Freitagnachmittag auf den Tisch.

Im Kampf gegen Corona werden verschiedene Mittel eingesetzt. Es gibt eine Impfstrategie. Eine Schnelltest-Strategie. Und es gibt noch ziemlich viel Verwirrung. Denn eine Strategie folgt stets einem genauen Plan. Den gibt es aber gar nicht immer. Oder er liegt auf Eis. Wie Landrat Körners Idee von einem Impfbus für den Rhein-Pfalz-Kreis. Aber auch in Sachen Schnelltests sind noch viele Fragen offen. Und im Impfzentrum gibt es eine Delle.

Raus aus der Pandemie. Das ist das Ziel. Dafür soll getestet und geimpft werden, was das Zeug hält. Eine dritte Impfstraße im Rhein-Pfalz-Kreis wäre darum keine dumme Idee, hat sich Landrat Clemens Körner (CDU) gedacht. „Zumal wenn sie mobil ist.“ Sein Plan: Einen Impfbus durch die Gemeinden schicken und den Stoff von Astrazeneca verimpfen. „Als zusätzliches Angebot zum Schifferstadter Impfzentrum mit seinen beiden Impfstraßen.“

Den Bus gibt es sogar schon. Er steht im Landkreis Bad Dürkheim und wurde von seinem Besitzer zur mobilen Impfstation umgebaut, um BASF-Mitarbeiter gegen die Grippe zu impfen. „Der hat drei Kabinen. Und er steht uns zur Verfügung. Ich habe das Angebot nach Mainz geschickt. Erhalte jedoch keine Genehmigung.“ Körner ärgert sich, dass er in dieser Sache immer wieder vom Land vertröstet wird. „Wir könnten damit schon unterwegs sein“, meint er. Allerdings gibt es da noch ein anderes Problem: Die Impfstrategie mit ihren festen Impfkategorien.

Für nächste Kategorie öffnen

Im Rhein-Pfalz-Kreis haben nämlich inzwischen alle, die der priorisierten Kategorie eins angehören, ein Impfangebot erhalten, berichtet der Landrat. Wer einen Termin wollte, habe einen vereinbart. „Wir müssten uns jetzt für die nächsten Kategorien öffnen, sonst haben wir bald eine Delle im Impfzentrum. Sprich: Keine Termine, an denen wir Astrazeneca verimpfen können.“ Der Stoff von Biontech werde derzeit für die Zweitimpfungen eingesetzt. Damit dem Kreis also nicht die Impflinge ausgehen, muss etwas passieren.

„Etwas Konkretes wurde noch nicht beschlossen, aber es sieht so aus, als stünde die Öffnung der nächsten Kategorie unmittelbar bevor“, sagt Kreisimpfkoordinator Tilo Meinke, der am Freitagnachmittag noch für den Kreis an einer landesweiten Konferenz teilgenommen hat. „Anfang März könnte es soweit sein.“ Geplant sei, Menschen zu impfen, die unter die Kategorie zwei fallen, plus möglicherweise einzelne Gruppen aus Kategorie drei, die hochgestuft würden. „Aber noch ist nichts festgelegt, ich denke, nächste Woche sind wir schlauer“, meint Meinke.

Was ist mit der Schnelltest-Strategie für Schulen?

Wer noch nicht geimpft ist, soll mehr Sicherheit durch mehr Schnelltests gewinnen. Das verspricht die nationale Teststrategie. Um die Gefahr einer weiteren Corona-Ausbreitung zu begrenzen, will Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ab März allen Bürgern kostenlose Schnelltests anbieten. Demnächst solle man sich auch selbst testen können. „Diese Testmöglichkeiten können zu einem sicheren Alltag beitragen, gerade auch in Schulen und Kitas“, sagte Spahn dieser Tage. Und da wurden vor allem Eltern und Lehrer hellhörig, denn ab Montag beginnt in den Grundschulen in Rheinland-Pfalz der Wechselunterricht. Wo und wie sollen diese Schnelltests stattfinden? Wer wird getestet? Und werden die Schulen selbst ihre Schüler testen? Viele Fragen zu dem Thema ploppten auf. Landrat Clemens Körner hoffte, noch vor dem Wochenende einige Antworten darauf zu bekommen. „Doch viel an die Hand haben wir nicht bekommen“, sagte er am Freitag. „Eigentlich gar nichts Neues, außer dass sich das Schul- und Kitapersonal anlasslos testen lassen kann.“ Dafür stehen die ausgewiesenen Testzentren zur Verfügung und ausgewählte Arztpraxen. Ob die Schnelltest-Strategie für Schulen noch ausgeweitet wird, weiß Körner nicht. „Möglicherweise wenn Spucktests zugelassen sind, die einfacher anwendbar sind.“

Das Land lässt Fragen zur Entwicklung der Teststrategie an Schulen unbeantwortet. Das Bildungsministerium verweist auf das Landesamt für Soziales, Jugend und Versorgung. Und das wiederum schreibt auf RHEINPFALZ-Anfrage: „Bezüglich der Teststrategie wenden Sie sich bitte an das Bildungsministerium.“

Schnelltests müssen richtig angewendet werden

Das Kreisgesundheitsamt ist in die weiteren Planungen jedenfalls nicht eingebunden. „Wir werden auch nicht diejenigen sein, die raus an die Schulen gehen und Schnelltests machen“, sagt Alexander Weber, Leiter der Abteilung Gesundheit und Verbraucherschutz der Kreisverwaltung, an die das Kreisgesundheitsamt angedockt ist. Er begrüßt grundsätzlich, dass die Schnelltests ausgeweitet werden sollen. Er hat aber auch einige Bedenken.

„Wichtig ist, dass die Tests richtig angewendet werden, um auch verlässliche Ergebnisse zu bekommen“, sagt er. „Für die bisher zugelassenen Schnelltests wird meist mit einem langen Stäbchen tief in der Nase oder im Rachen ein Abstrich genommen, das macht geschultes Personal.“ Sollten solche Schnelltests direkt an Schulen und Kitas gemacht werden, müssten Lehrer und Erzieher darin unterrichtet werden. „Eltern müssten Einverständniserklärungen abgeben. Das erfordert auch eine Menge Bürokratie.“

Verantwortungsvoller Umgang mit Testergebnis wichtig

Außerdem, sagt Weber, seien Tests nur Momentaufnahmen. „Wer am Montag negativ ist, kann schon am Mittwoch positiv sein.“ Eine Schnelltest-Strategie müsste deshalb auch einem Takt folgen, in dem getestet wird. „Im Gespräch war mal ein Drei-Tage-Rhythmus. Einmal in der Woche testen reicht nicht.“

Ein Selbsttest setze außerdem die Bereitschaft voraus, mit dem Ergebnis verantwortungsvoll umzugehen. Weber denkt an Schnelltests für alle, die bald auch zu Hause möglich sein sollen. „Wessen Test positiv ausfällt, muss das durch einen PCR-Test überprüfen lassen und sich entsprechend verhalten.“ Alle Mittel im Kampf gegen Corona lebten von der Akzeptanz jedes Einzelnen. Ob das nun das gründliche Händewaschen, das Tragen der FFP2-Maske, der ordentliche Umgang mit dem Schnelltest oder der Impfstoff sei. Und alle Mittel im Kampf gegen Corona leben von der Strategie, wie sie eingesetzt werden, und guten Plänen.

Wird die Rundsporthalle wieder gebraucht?

Immerhin das rheinland-pfälzische Gesundheitsministerium scheint an einem Plan zu feilen. Am Freitagnachmittag verkündet es über eine Pressemitteilung: „Um ein flächendeckendes Angebot an kostenlosen Schnelltests zu gewährleisten, werden die Fieberambulanzen der Landkreise und kreisfreien Städte als Teststationen genutzt, teils reaktiviert und aufgerüstet. Weitere Teststationen sollen möglichst flächendeckend über die örtlichen Freiwilligen Feuerwehren und Verbandsgemeinden und verbandsfreien Gemeinden organisiert und geleitet werden.“

Das wird Landrat Körner zum Grübeln bringen: Muss die Corona-Ambulanz in der Mutterstadter Rundsporthalle wieder aufgemacht werden? Denn der Belag mit dem schrillen Muster, der den Boden schützen sollte, liegt nun in Schifferstadt in der neuen Kreissporthalle, im Impfzentrum. Eine Strategie ohne doppelten Boden. Ein neuer Plan muss her.

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