Rhein-Pfalz Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Junge Gemeinde mit alten Wurzeln: Limburgerhof wird 90 Jahre alt

Der Gründungsstein im Ortszentrum: Auf den vier Seiten stehen die Namen der „Muttergemeinden“.
Der Gründungsstein im Ortszentrum: Auf den vier Seiten stehen die Namen der »Muttergemeinden«. Foto: Lenz

90 Jahre – das ist nun kein klassisches Jubiläum für eine Gemeinde. Und wahrlich kein hohes Alter im Vergleich zur Nachbarschaft im Rhein-Pfalz-Kreis. Und doch ist man im jungen Ort Limburgerhof schon ein wenig stolz darauf, was hier in neun Jahrzehnten entstanden ist – aus einem Hofgut und einer Werkssiedlung.

„Es ist doch sonderbar, dass das jüngste Dorf im Rhein-Pfalz-Kreis an einer der ältesten Römerstraßen liegt.“ Wolfram Hoppe, Heimatforscher und Organisator von Ortsführungen, weist damit auf die Historie der Siedlung hin, die viel älter ist als das „neue“ Limburgerhof. Schon im Jahr 1035 wird der Limburger Hof erwähnt, als Schenkung des Salierkaisers Konrad II. für das neu gegründete Benediktinerkloster Limburg. Und die Ortsteile Rehhütte und Kohlhof haben ja auch eine jahrhundertealte Geschichte aufzuweisen.

Hoppe, als „Ur-Limburgerhofer“ im Ort vielfach engagiert – unter anderem als Bürgerbusfahrer und Presbyter –, beschäftigt sich in der Vorbereitung für seine Führungen intensiv mit der Geschichte des Ortes. Und dass Limburgerhof mit seinen inzwischen rund 11.600 Einwohnern nun zum 1. Januar 2020 90 Jahre alt wird, sollte doch da nicht unter den Tisch fallen, findet er. Also zurück zur Geschichte des Guts vom Kloster Limburg.

2500 Einwohner zu Beginn

Das Hofgut wechselt mehrfach den Besitzer. Unter anderem gehört es der Gräfin Waldner von Freundstein, die für ein bis heute gehegtes und gepflegtes Kleinod sorgt: Sie lässt ab 1826 das Schlösschen als Sommersitz erbauen und den Park anlegen. 1834 kommt der Turm dazu, 1911 die Kapelle – das heutige Ensemble ist komplett. Und auf dem Kohlhof siedeln sich ab dem 18. Jahrhundert Mennoniten an. Einen gehörigen Aufschwung für die Siedlungen gibt es, als die Ludwigsbahn erbaut wird und der Bahnhof Mutterstadt – eigentlich beim heutigen Limburgerhof liegend – samt Bahnanschluss für die Zuckerfabrik Friedensau entsteht.

Mit der Bahn, und als die BASF 1899 das Hofgut mitsamt Schlösschen und Park kauft und eine Wohnsiedlung für Arbeiter und Angestellte baut (die Alte Kolonie), beginnt sozusagen die Geschichte des neuen Limburgerhof. Es wächst und gedeiht, Wohn- und Geschäftshäuser entstehen, Vereine bilden sich. Die landwirtschaftliche Versuchsstation der BASF wird gegründet, die Neue Kolonie als Wohnsiedlung gebaut. Und als Limburgerhof zum 1. Januar 1930 selbstständige politische Gemeinde wird – auf Beschluss des bayerischen Innenministeriums –, leben im Ortsgebiet 2500 Menschen. Sie sind allerdings vorher genau genommen Schifferstadter, Mutterstadter, Rheingönheimer und Neuhofener. Denn aus Flächen auf deren Gemarkungen wird das neue Gemeindegebiet geschaffen. Dass sie je nach Wohnadresse zu verschiedenen Orten gehören, ist für die Bewohner ziemlich umständlich, sie wollen den Zusammenschluss.

Die Feuerwehr ist so alt wie der Ort

„Wir sind nun mal kein gewachsenes Dorf, sondern ein zusammengewürfelter Haufen“, sagt Wolfram Hoppe mit einem Augenzwinkern. Die Nachbargemeinden sind damals im Übrigen damals gar nicht begeistert davon, dass hier eine neue politische Gemeinde entsteht, verlieren sie dadurch doch große Geländeteile. Den geografischen „Treffpunkt“ der „Muttergemarkungen“ markiert der Gründungsstein, der in der Speyerer Straße in der Nähe des Burgunder Platzes steht.

Nun braucht so eine Gemeinde natürlich auch eine gute Infrastruktur. Ein Rathaus zum Beispiel, das wird zunächst in einem ungebauten Wohnhaus eingerichtet. Schulen, Sportplätze, Kirchen, das neue Ortszentrum – Limburgerhof hat sich rasch zu der modernen Gemeinde entwickelt, die sie heute ist. 90 Jahre alt wird gleichzeitig auch die Freiwillige Feuerwehr. Denn die, so erzählt Wolfram Hoppe, ist aus der alten Werksfeuerwehr der Zuckerfabrik hervorgegangen und wurde zur Wehr der neuen Gemeinde.

Wolfram Hoppe hat die Geschichte von Limburgerhof zusammengetragen und Ortschroniken selbst gestaltet.
Wolfram Hoppe hat die Geschichte von Limburgerhof zusammengetragen und Ortschroniken selbst gestaltet. Foto: Lenz
Das Schlösschen im Park ist älter als die selbstständige politische Gemeinde. Es erinnert an die Gräfin Waldner von Freundstein.
Das Schlösschen im Park ist älter als die selbstständige politische Gemeinde. Es erinnert an die Gräfin Waldner von Freundstein. Foto: Kunz
x