Römerberg / Dudenhofen RHEINPFALZ Plus Artikel Jung und musikbegeistert: Wie zwei Brüder einen Chor leiten

Bei der Chorprobe: Cornelius (links) und Quintus Appelmann.
Bei der Chorprobe: Cornelius (links) und Quintus Appelmann.

Zwei Brüder wollen den Kirchenchor Römerberg nach vorne bringen: Cornelius Appelmann (23), der schon länger den Chor leitet, tritt nun Quintus (19) als Vorsitzender zur Seite.

Quintus und Cornelius Appelmann kommen aus einer ebenso großen wie musikalischen Familie: Acht Geschwister haben die beiden, und alle haben sich in der ein oder anderen Form der Musik verschrieben. „Ich singe, seit ich drei bin“, sagt Quintus Appelmann. Der ruhig und bescheiden auftretende 19-Jährige hebt sich dabei aber durchaus von all jenen ab, die einfach gerne mal ein Liedchen unter der Dusche trällern: Fünf Jahre lang war er Teil des berühmten Thomanerchors in Leipzig. Nach seiner Rückkehr ins heimische Dudenhofen hat er ein Freiwilliges Soziales Jahr bei der Dommusik in Speyer absolviert.

Seit zwei Jahren singt er außerdem bei seinem Bruder im Römerberger Kirchenchor. Als die langjährige Vorsitzende Irmgard Weber ankündigte, nicht mehr kandidieren zu wollen, sei er gefragt worden, ob er nicht den Chor-Vorsitz übernehmen würde, berichtet Appelmann.

Aufgaben geteilt

Der 19-Jährige traute sich die Aufgabe zu: „Ich wollte meine Prioritäten ändern und etwas machen, was ich bislang noch nicht gemacht habe“, sagt er. Als Vorsitzender des Kirchenchors könne er Verantwortung übernehmen und mitgestalten. Beim Römerberger Kirchenchor gehe es im Vergleich zur Dommusik deutlich lockerer zu. Während Bruder Cornelius als Chorleiter weiterhin hauptverantwortlich für den musikalischen Teil bleibt, will sich Quintus schwerpunktmäßig um Organisatorisches wie Anschaffungen oder den Aufbau bei Veranstaltungen kümmern. „Damit nicht alles am Chorleiter hängenbleibt“, wie er sagt.

Mit seinem Know-how ist er diesem aber auch im musikalischen Bereich eine Stütze. „Quintus hat für mich mal einen Chorsatz auf dreistimmig umgeschrieben“, erzählt Cornelius, der an seinem Bruder die Intelligenz und Sozialkompetenz schätzt. Quintus wiederum beschreibt Cornelius als „sympathisch, offen und sehr engagiert“.

Die Position des Vorsitzenden zu besetzen sei schwer gewesen, sagt Cornelius Appelmann. Doch zum Glück hätten sich dafür und auch für weitere Vorstandsämter junge Leute gefunden, die bereit waren, Verantwortung zu übernehmen. Der Vorschlag, Quintus zum Vorsitzenden zu machen, sei aus der Mitte des Chors gekommen. „Ich habe vermieden, ihn selbst ins Spiel zu bringen“, betont sein Bruder. Natürlich ist er von den Qualitäten des neuen Vorsitzenden überzeugt: „Er hat sowohl in Leipzig als auch bei der Dommusik Verantwortung getragen und gelernt, wie Chöre und Chormusik funktionieren“, sagt er. Von dieser Erfahrung profitiere nun der Römerberger Kirchenchor, auch wenn dieser natürlich einen anderen musikalischen Anspruch als die beiden genannten Institutionen habe und liturgische Begleitmusik mache.

Zusammengewachsen

Vor zwei Jahren fusionierten die beiden Kirchenchöre aus Berghausen und Heiligenstein zum heutigen Chor, der laut Cornelius Appelmann über 40 Sängerinnen und Sänger verfügt. „Die Chöre haben sich richtig gut integriert“, freut er sich. „Man merkt gar nicht mehr, dass es mal zwei verschiedene Chöre waren.“ Die Mitgliederzahl könne derzeit gehalten werden. Das sei nicht selbstverständlich angesichts des großen kulturellen Angebots in Speyer, wo Chöre ebenfalls um Mitglieder werben. Das Durchschnittsalter des Römerberger Chors sinke erfreulicherweise. Es liege deutlich unter 60, wobei die Altersspanne von 9 bis Mitte 80 reiche. „Es gelingt uns immer besser, auch die mittleren Altersschichten zu gewinnen“, sagt der Chorleiter. So habe man auch fremdsprachige Stücke ins Repertoire integriert. Nächstes großes Projekt des Chors ist ein Konzert am Pfingstmontag, 9. Juni, um 19 Uhr in der Kirche in Berghausen, bei dem eine Messe des Komponisten Ralf Grössler komplett aufgeführt werden soll.

Quintus und Cornelius sind übrigens nicht die beiden einzigen „Appelmänner“, die im Römerberger Kirchenchor aktiv sind: Vater Lucas ist Schriftführer. Und auch Mutter Miriam sowie Bruder Valerius sind mit von der Partie. Familiär geht es auch ansonsten im Römerberger Kirchenchor zu. „Nach der letzten Probe im Monat haben wir immer ein gemütliches Beisammensein“, berichtet Cornelius. Es werde gemeinsam etwas gegessen und geplaudert. „Da sitzt dann auch mal die älteste Dame neben dem jüngsten Sänger“, lobt der Chorleiter das generationsübergreifende Gemeinschaftsgefühl.

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