Speyerer Umland
Jugend ohne Treffpunkt: Viele Treffs seit Monaten geschlossen
„Für die Jugendlichen war es eine schlimme Zeit“, blickt Bodo Redner auf die vergangenen Monate der Corona-Pandemie zurück. Der Lingenfelder Jugendpfleger hat das Gefühl, dass die Bedürfnisse der jüngeren Generation während der Corona-Krise zu kurz gekommen sind. „Man kümmert sich um alle möglichen Leute, aber nicht um die Jugendlichen. Mit dem Jugendhaus wurde ihnen ihr Treffpunkt genommen. Und der ganze Freizeitbereich hat nicht stattgefunden“, sagt er.
In seinem Ort hat er mittlerweile immerhin das Jugendhaus wieder öffnen können – zumindest eingeschränkt: Montag, Mittwoch und Freitag, 16 bis 21 Uhr, stehen die Türen des Lingenfelder Jugendtreffs „Am Hirschgraben“ offen. „Dazwischen wird geputzt“, berichtet Redner. Wer kommen möchte, sollte sich vorher beim Jugendpfleger anmelden. Außerdem ist bei acht Personen Schluss. Auch im Außenbereich – auf dem Basketballplatz, an der Tischtennisplatte oder auf der Wiese – können wieder einige Aktivitäten stattfinden.
Das war in den vergangenen Monaten anders. Laut Redner hat es zwar keine Randale oder Vandalismus in größerem Umfang in Lingenfeld gegeben, aber die Jugendlichen hätten sich eben andere Treffpunkte gesucht – auf Spielplätzen oder an der gesperrten Fußgängerbrücke, was wiederum Anwohner auf den Plan gerufen habe, die sich gestört fühlten. „Das ist eine schwierige Situation“, sagt Redner. Es riefen immer mal wieder Leute an, um sich zu beschweren. „Aber die Jugendlichen wollen sich halt auch mal treffen.“
Viel im Ort unterwegs
Redner war deshalb in den vergangenen Monaten viel im Ort unterwegs und hat die Jugendlichen an ihren Treffpunkten aufgesucht. Außerdem hat er die Zeit, in der das Jugendhaus geschlossen war, für Arbeiten genutzt: So gibt es jetzt ein Podest mit Bühne im Jugendtreff und die Küche ist renoviert. Graffitiprojekte, Müllprojekte, Waldspaziergänge mit dem Förster – Bodo Redner hat viele Ideen, um die Jugendlichen trotz Corona zu beschäftigen.
Auch die Nachbarn in Schwegenheim waren in den vergangenen Wochen nicht untätig: Betreuer haben im und um das Jugendhaus, das seit 18. März geschlossen ist, gewirkt – unter anderem Tische und Bänke gestrichen. Außerdem hat es eine Aktion gegeben, bei der Kinder und Jugendliche Postkarten, die in der Corona-Zeit Mut machen sollten, für Senioren gebastelt haben.
In der Verbandsgemeinde Römerberg-Dudenhofen sind alle Jugendtreffs weiterhin geschlossen. „Wir versuchen, nach den Ferien wieder zu öffnen“, sagt Simone Brill, Fachbereichsleiterin „Bürgerdienste“ bei der Verbandsgemeindeverwaltung. Voraussetzung dafür, dass die Treffs in Dudenhofen, Hanhofen, Berghausen und Mechtersheim den Betrieb wieder aufnehmen können, sei, dass die Corona-Infektionszahlen niedrig bleiben. „Außerdem müssen wir prüfen, ob uns die nötigen Betreuer zur Verfügung stehen“, sagt Brill. Sie sei gespannt, ob für Jugendtreffs andere Regeln gelten werden als für Schulen. Die coronabedingte Schließungszeit sei in Dudenhofen für das ohnehin geplante Streichen des Jugendraums im Bürgerhaus genutzt worden. Ansonsten habe die Jugendpflege versucht, Angebote für die Jugendlichen zu Hause zu schaffen, zum Beispiel Bastelideen, kindgerechte Infos zu Corona oder Unterstützung bei Homeschooling.
Auch in Otterstadt wurden die vergangenen Wochen genutzt, um das Jugendhaus bunter und freundlicher zu gestalten. Wie Stephanie Best informiert, seien neue Spiele angeschafft, eine Internetseite eingerichtet, Bastelangebote konzipiert und Themenmappen erstellt worden, die sich an den Interessen der Jugendlichen orientierten. Eine Umfrage im Frühjahr ergab, dass sich die Otterstadter Jugendliche vor allem Workshops, gemeinsames Kochen, backen und Musik wünschten. Laut Best besuchten vor der Pandemie regelmäßig zwischen fünf und 15 Jugendliche die Einrichtung. Zur heutigen Wiedereröffnung sei geplant, dass gemeinsam der „Neustart“ gestaltet werde. Best vermutet, dass die Jugendliche viel Gesprächsbedarf haben, weil die Corona-Krise für sie eine schwierige Zeit sei. Aufgrund der Pandemie müssen auch die Öffnungszeiten verkürzt werden, weil laut Best vorher gelüftet und danach alles desinfiziert werden muss. Montags und mittwochs hat das Jugendhaus nun von 16.30 bis 20 Uhr und freitags von 15.30 bis 20 Uhr geöffnet.
Best, die die kommunale Kita Abenteuerland leitet, unterstützt das Jugendhaus-Team, das aus drei Betreuern und einer Springerkraft bestehe, in pädogischen Fragen. Dies werde sie vorerst auf unbegrenzte Zeit tun. Ortsbürgermeister Bernd Zimmermann (CDU) hatte eigentlich Petra Fischer für diese Aufgabe vorgesehen und wollte deren Stundenanzahl erhöhen. Das stieß in einer Ortsgemeinderatssitzung im September jedoch auf Kritik und wurde im nicht-öffentlichen Teil von einer Ratsmehrheit abgelehnt. Fischer ist seit Kurzem als Jugendbetreuerin in Waldsee tätig.
Hotline als Angebot
Zu ihren Schützlingen konnte sie bislang zwar nur eingeschränkt Kontakt aufnehmen – das Waldseer Jugendhaus soll erst nach den Ferien wieder öffnen–, dennoch war sie nicht untätig. Im Gegenteil: Im Jugendhaus wurden zuletzt alle alten Möbel entfernt, die Wände wurden gestrichen. Inzwischen gibt es auch ein Logo, eine Homepage und eine Facebook-Seite. Während der Corona-Krise bietet Fischer zudem zweimal in der Woche eine Gesprächshotline an. Den ganzen Juli über können Jugendliche außerdem immer dienstags zwischen 15 und 16.30 Uhr sich im Jugendhaus einen Schuljahresplaner abholen.