Rhein-Pfalz Kreis „Ja, ich gehe diesen Weg“

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Sie werden am Samstag zum Priester geweiht, am Sonntag steht die Primiz in Dudenhofen an und Sie dürfen zum ersten Mal als Hauptzelebrant die Messe feiern. Was überwiegt: Die Nervosität oder die Freude?

Im Moment die Nervosität und Anspannung, weil bis zum Beginn der Exerzitien am Samstag noch einiges vorzubereiten ist. Aber die Freude tritt immer mehr hervor: Gerade habe ich bei den Dominikanerinnen im Institut St. Dominikus mein Primiz-Gewand anprobiert. Das war ein schönes Zeichen. Und wenn ich sehe, wie die Vorbereitungen in Dudenhofen laufen: Das ist schon ein schönes Gefühl. Sie haben vor Ihrer Weihe zum Diakon gesagt: Ihr Ziel sei, den Menschen das Fenster zu Gott aufzuhalten. Allerdings sind die Seelsorger in Zeiten fusionierter Großpfarreien heute eher Manager als Seelsorger. Bleibt überhaupt genug Zeit und Muße, um das Fenster zu öffnen? Ich bin ja jetzt erst einmal fünf Jahre Kaplan und leite selbst noch keine Pfarrei. Aber klar, als leitender Pfarrer muss man schon schauen, dass man das Pensum gut geregelt bekommt. Man muss auch sagen können: Es geht nicht mehr. Ich finde, mein Chef in meiner Praktikumspfarrei Herxheim macht es gut. Er lässt Raum für die Seelsorge und für akute Fälle. Ich verstehe den Dienst schon so, dass er eine existenzielle Sache ist. Dass man zum Beispiel auch nachts gerufen wird. Wir sind da hingesandt, um die Frohe Botschaft zu verkündigen und die Freude, die darin sein kann. Man legt ja die Gemeinden nicht zusammen, weil die Kirchen brechend voll sind. Mit der Gemeindepastoral 2015 ist die Diözese einen Schritt gegangen, bei dem ich denke, dass sich die Kirche verändern wird. Und zu den Gottesdiensten: Wenn jemand die Gottesdiensterfahrung sucht, sucht man sich den Gottesdienst aus, der einem etwas gibt. Das ist die große Frage: Was gibt mir der Gottesdienst, welchen Impuls bekomme ich für die Woche? Ja, was gibt er? Es ist doch so: Man behält nur wenige Predigten im Kopf. Das ist eine interessante Feststellung, wenn Sie sagen: Das bleibt nicht. Kardinal Joachim Meisner hat mal gesagt: Er kann sich aus seiner Jugend an kein Wort im Gottesdienst erinnern. Aber an das Gefühl. Es bringt auch nichts, wenn man 15 Minuten predigt. Ich nehme einen Einstieg, der aktuell ist oder wachrüttelt. Ich will in der Predigt den Bezug zu den Lesungstexten nicht verlieren, weil ich denke, dass sie auch heute noch eine Bedeutung haben. Und dann schließe ich den Bogen wieder. Eine Predigt soll nicht moralisierend sein, das gab’s lange genug in der Kirche. Aber ein Priester muss die Dinge schon beim Namen nennen. Es ist aber die Frage: Wie mache ich das? Ich bin Sender und Empfänger zugleich. Wehe ich lebe das nicht, was ich sage. Als Seelsorger wird man mit viel Leid konfrontiert – Unfälle, plötzliche Todesfälle, Lebenskrisen. Wo holen Sie sich Rückhalt? Ich kann das mit in mein Gebetsleben nehmen und die Dinge Gott anvertrauen. Und ich habe Rituale, mit denen ich Dinge vor Ort lassen kann. Als Krankenhausseelsorger zum Beispiel war es das Desinfizieren der Hände, wenn ich aus einem Zimmer gegangen bin. Und dann ist anderer Ausgleich wichtig: Ob’s Sport ist oder Freundschaften pflegen. Ein wichtiger Aspekt ist der geistliche Begleiter, mit dem man sich alle vier bis sechs Wochen trifft, bei mir ist es der Domkapitular Franz Vogelgesang. In der Kaplanzeit haben wir auch noch Supervisionen. Sie haben schon bei der Diakonweihe im vergangenen Jahr versprochen, dass sie ehelos leben wollen. Was macht für Sie den Zölibat aus? Was für mich den Zölibat ausmacht, ist die ganze Hingabe, mich in die Nachfolge Jesu zu begeben und ganz für Gott und die Menschen da zu sein. Aber es war schon die Frage: Ist es das Richtige? Ich könnte mir genauso gut vorstellen, Familienvater zu sein, das sehe ich jetzt ja bei meinen Freunden mit Nachwuchs, das ist ganz schön. Aber ich habe mehr die Berufung zum Priester gespürt und für mich beschlossen: Ja, ich gehe diesen Weg. Es geht doch beides, bei den Protestanten zum Beispiel: Familie und Pfarrdienst. Ich könnte mir schwierig vorstellen, beides zu haben. Wenn ich Familie habe, ist doch klar, dass die Familie immer vorgeht. Aber das darf nicht das Argument für den Zölibat sein. Wie schon gesagt, ist für mich das Argument die ganze Hingabe. Sie tragen das Kollar, also ein kleines weißes Plastikband im Hemd, durch das man sofort sieht, dass Sie Diakon oder Priester sind. Ist das ein neues konservatives Zeichen der jungen Priesteramtskandidaten? Jeans und T-Shirt ginge doch auch. Ich trage es, um erkenntlich zu sein, um zu zeigen, dass es für mich eine existenzielle Sache ist. Aber es darf nichts sein, wohinter ich mich verstecke, so von wegen: Herr Hochwürden. Die Beobachtung stimmt schon, die meisten Kaplane haben das Kollar an. Es ist vielleicht die junge Generation, die mehr Wert drauf legt. Ob das unbedingt konservativ ist, weiß ich nicht. Aber klar, die Leute gucken schon, wenn ich über die Hauptstraße gehe. Ich kann noch ein Beispiel erzählen: Ich war mit den Kollegen, die am Samstag auch zum Priester geweiht werden, in der Rheingalerie in Ludwigshafen. Und dann kamen zwei etwa Zwölfjährige vorbei. Der eine hat uns gesehen, angeschaut und gesagt: „Grüß Gott.“ Wo sehen Sie in der katholischen Kirche Reformbedarf? Mein einer Gedanke war, dass wir uns Gedanken machen müssen, wie wir den Glauben verkünden und wie wir Katechese betreiben. Jeder hat durch die Taufe und die Firmung den Auftrag, seinen Glauben überzeugend zu leben. Die zweite Frage ist: Wie gestalten wir die Pfarrleitung? Ich denke gerne an die Bibelstelle in der Apostelgeschichte (Apg 6,1-7): Die Apostel lassen sieben bewährte Männer auswählen, die sie zum Dienst an den Tischen – heißt Versorgung der Armen und Witwen – einsetzen, damit sie selbst beim Gebet und beim Dienst am Wort bleiben können. Es geht darum, ob man als Pfarrer alles selbst machen muss. Ich denke auch, dass man sich wieder mehr auf die Basics fokussieren muss, auf die Bibel, und dass die Spiritualität wieder in den Vordergrund treten muss. Manchmal schämt man sich ja sogar, zu sagen, dass man positive Erfahrungen mit dem Glauben gemacht hat. Überall wird heute nach Spiritualität gesucht, man stellt sich einen Buddha in den Garten, der was bewirken soll. Wir haben ja auch Angebote, die vielfältige Formen haben: Im vierten, fünften Jahrhundert gab es zum Beispiel in Ägypten die Wüstenväter. Sie hatten die Methode, sich durch positives Zureden zu stärken. Die christlichen Kirchen – die katholische mehr als die evangelische – werden heute stark kritisiert, auch wegen der vielen Skandale in den vergangenen Jahren. Müssen Sie sich sich oft rechtfertigen, weil sie in der Kirche arbeiten? Wir haben ja auch eine Vergangenheit, die nicht gut war mit den Skandalen. Ich selber habe so starke Angriffe allerdings nicht erlebt. Es ist eher so, dass die Leute im Gespräch sagen: „Der Glaube ist noch da, aber mit der Institution habe ich Probleme.“ Ich repräsentiere die Kirche dadurch, wie ich auftrete. Es geht für mich darum, mein Bild von Kirche zu vermitteln und sich auch der Kritik zu stellen.

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