Mutterstadt Jüdisches Leben: Tafel soll an zerstörte Synagoge erinnern
Wie überall in Nazi-Deutschland wurde auch in Mutterstadt 1938 in der sogenannten Reichspogromnacht die Synagoge zerstört. Wie im Archiv der Gemeinde nachzulesen ist, wurde am 10. November morgens um 5 Uhr das jüdische Gotteshaus in der Oggersheimer Straße von Mutterstadter SA-Leuten angezündet und brannte nach einer gewaltigen Explosion vollständig aus.
Das sei ein schwerer Schlag für die damals 80 Einwohner zählende jüdische Kultusgemeinde gewesen, berichtet der Mutterstadter Ortschronist Volker Schläfer. Wie in den Archiven nachzulesen ist, war die Synagoge ein sogenannter fünf Fensterachsen-Sakralbau mit einer Jugendstilfassade; das Gebäude hatte kuppelähnliche Dachreiter und zwei Ziertürmchen. „Die Fenster schmückten figürliche Glasgemälde. Im Innenraum hatten 150 Besucher Platz, es gab eine Birna – ein erhöhtes Pult– , einen Tora-Schrein, eine Frauenempore, und im Anbau gelangte man zur Mikwe, dem Tauchbad“, erklärt Schläfer weiter.
Mauerreste überbaut
Nach dem Abriss der Ruine wurde auf dem Gelände ein Löschteich angelegt und später dann von der Gemeinde an den benachbarten Landwirt verkauft. Nach dem Abriss der Betriebsgebäude und bei Erdarbeiten für ein zwischenzeitlich fertiggestelltes Wohnhaus wurden 2020 noch Mauerreste der Synagoge freigelegt. Sie wurde aber im Boden belassen und wieder überbaut.
Nun haben der frühere Besitzer, die Familie Hartmut Kegel, und eine fünfköpfige Gruppe, die sich zur christlich-jüdischen Denkmalerhaltungsaktion Mutterstadt zusammengetan hat, beschlossen, eine Informationstafel an dem ehemaligen Synagogen-Standort anzubringen. Die dafür anfallenden Kosten sollen gemeinsam getragen werden. Sprecher der Aktion ist Ortschronist Schläfer. Er hat für die Tafel einen Text erstellt, auf dem neben einem Foto der Synagoge auch ein QR-Code zu sehen ist, der auf die Internetseite www.judeninmutterstadt.org führt. Unter dieser können weitere, interessante Informationen zur Synagoge und dem früheren jüdischen Leben in Mutterstadt abgerufen werden.
Der Entwurf soll nun der Gemeindeverwaltung vorgelegt und die Tafel noch in diesem Jahr aufgestellt werden. Zusätzlich werden laut Schläfer auch wieder die zwei Keramik-Täfelchen angebracht, die bis 2020 in der Oggersheimer Straße 24 auf das Denkmal „Synagoge“ hinwiesen.