Bobenheim-Roxheim
Interview: Zwei Sportler als Vorbilder für Schüler
Herr Gräf, ist es üblich, dass der Rhein-Pfalz-Kreis „runde Geburtstage“ seiner Immobilien feiert? Die Sporthalle an der Realschule ist gerade mal zehn Jahre alt.
Üblich ist das nicht, aber es spricht auch nichts dagegen, wenn das noch bei anderen Schulgebäuden gemacht würde. In diesem Fall wollten wir schon seit Längerem zwei Erinnerungstafeln in der Halle anbringen und haben dann damit gewartet, bis es diesen runden Anlass gab. Damit wird die Zusammenarbeit zwischen Gemeinde und Landkreis hinsichtlich dieses Gebäudes gewürdigt. Denn mit der Einweihung der Dreifeldhalle am 19. Dezember 2013 haben beide Seiten viel gewonnen. Der Bobenheim-Roxheimer Schulstandort wurde gestärkt, und den Vereinen steht seitdem nachmittags und abends eine moderne Sportstätte zur Verfügung. Der Haushalt der Gemeinde wird viel weniger belastet, als wenn sie wie zuvor eine eigene Veranstaltungs- und Sporthalle betreiben würde.
Wen ehrt denn der Landkreis mit den beiden Infotafeln?
Zum einen die Weltklasse-Windsurferin Jutta Müller, die 1991 vom Landkreis als erste Frau zur „Sportlerin des Jahres“ geehrt wurde und heute auf Hawaii lebt, zum anderen den 2009 verstorbenen Siegmar Henker, der 25 paralympische Medaillen errungen hat und 1984 der erste „Sportler des Jahres“ überhaupt im Kreis war. Auf den Tafeln wird über die Karrieren der beiden ausführlich informiert. Müller und Henker sind hervorragende Beispiele dafür, wie man trotz eines Schicksalsschlags etwas erreichen kann, wenn man die Ärmel hochkrempelt. Sie haben vorgemacht, wie man Auswege findet, wenn es im Leben nicht so läuft, wie es laufen sollte. Vielleicht bin ich etwas altmodisch, aber ich finde, die beiden können für Kinder und Jugendliche Vorbilder sein.
Es gibt im Ort etliche Leute, die seit Jahren fordern, dass die Schulturnhalle nach Siegmar Henker benannt wird. Ist die heutige Feier – Sie sprechen vor den Schülern als Kreisschuldezernent, aber irgendwie ja auch als Altbürgermeister von Bobenheim-Roxheim – ein Vorgriff auf die Namensgebung?
Nein, sie ist weder Vorgriff noch Ersatz. Ich sage das, was ich seit Jahren sage: Es ist nicht gut, wenn die Sporthalle einen Namen trägt, bevor die eigentliche Schule einen hat. Die Schulgemeinschaft soll selbst überlegen, welchen Namen die Realschule plus bekommen soll, wenn sie ab dem nächsten Jahr neu gebaut wird. Der Kreis als Schulträger greift dem nicht vor. Vielleicht orientiert sie sich an dem für das Gelände noch gängigen Begriff „Pestalozzi-Schulzentrum“. Die benachbarte Grundschule trägt den Namen des berühmten Schweizer Pädagogen Johann Heinrich Pestalozzi. Vielleicht schlagen Schüler, Lehrer und Eltern aber eine andere Persönlichkeit vor. Diese sollte zum Schwerpunkt der Schule, zum pädagogischen Konzept passen. Einen sportlichen Schwerpunkt hat die Schule jedenfalls nicht.
Zur Person
Jutta Müller, Jahrgang 1968, die früh ihren Vater bei einem Unglück verlor, lernte bei der Volkshochschule Bobenheim-Roxheim auf dem Silbersee das Windsurfen und errang im Verlauf ihrer von 1986 bis 1998 dauernden Karriere zwölf Weltmeistertitel. Heute ist sie Tourismusmanagerin auf der hawaiianischen Insel Maui.
Siegmar Henker, 1942-2009, erlitt im Alter von 29 Jahren eine Querschnittlähmung. Zwei Jahre später begann seine 35-jährige Karriere im Behindertensport – als Leichtathlet und Sportschütze. Der Bobenheim-Roxheimer Ehrenringträger wurde mehrfach Welt- und Europameister und nahm sechsmal erfolgreich (25 Medaillen) an den Paralympics teil.