Hochdorf-Assenheim RHEINPFALZ Plus Artikel Interview: Wie eine Hochdorf-Assenheimerin im Bürgerrat über Außenpolitik mitdiskutiert

Coronagerechter Austausch: Die Bürgerrat-Teilnehmenden konferieren über Zoom. Unten rechts ist Rena Ratke aus Hochdorf-Assenheim
Coronagerechter Austausch: Die Bürgerrat-Teilnehmenden konferieren über Zoom. Unten rechts ist Rena Ratke aus Hochdorf-Assenheim zu sehen.

Die Bundespolitik scheint oft weit weg von den Bürgern und ihren Sorgen. Bürgerräte sollen dazu beitragen, diese Lücke zu überbrücken. Bei der aktuellen Auflage des Bürgerrats durften ausgeloste Deutsche außenpolitische Empfehlungen erarbeiten, die nun dem Bundestagspräsidenten übergeben werden. Rena Ratke aus Hochdorf-Assenheim hat mitgearbeitet.

Frau Ratke, was hat Sie dazu bewogen, beim Bürgerrat mitzumachen?
Als der Brief kam, dachte ich erst, es ist ein Fake oder Werbung. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch nie etwas vom Bürgerrat gehört. Nach Rücksprache mit meinem Mann und Nachforschung im Internet dachte ich mir dann: Wann hat der normale Bürger mal die Chance, sich mit dem Thema „Politik“ auf dieser Ebene auseinanderzusetzen?

Welche Erwartungen hatten Sie an das Projekt?
Ich wusste ja nicht, was auf mich zukommt, deshalb hatte ich erst mal gar keine Erwartungen. Anfangs war ich relativ zurückhaltend, man muss sich ja erst mal kennenlernen. Mit jedem weiteren Meeting wurde ich dann mutiger.

Haben sich Ihre Erwartungen erfüllt? Was lief so, wie Sie es sich vorgestellt hatten und was nicht?
Ich hätte mir mehr Zeit gewünscht, um einzelne Themen besser diskutieren zu können. Es sind Empfehlungen, die in der Gruppe ausgearbeitet und abgestimmt wurden – in der Hoffnung, dass sie in der Politik ankommen und auch umgesetzt werden.

Wie lief das Projekt ab? Hat sich der Ablauf wegen der Corona-Pandemie geändert?
Ohne Corona hätten wir uns alle in Berlin getroffen und uns auch persönlich kennengelernt. So gab es zweimal in der Woche ein Online-Meeting über den Zeitraum von zehn Wochen. Da wir ja nicht nach Berlin reisen können, werden die Empfehlungen stellvertretend von zwei ausgelosten Bürgern Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble übergeben.

Wie sah Ihre Beteiligung genau aus?
Wir arbeiteten in fünf sogenannten Reisegruppen mit den Themen „Nachhaltige Entwicklung“, „Wirtschaft und Handel“, „Frieden und Sicherheit“, „Demokratie und Rechtsstaat“ und „Die Europäische Union“. Mein Los fiel in die Gruppe „Wirtschaft und Handel“. Da hatten wir drei Themen, unter anderem Deutschlands Rolle im internationalen Handel. Es ging um den Exportüberschuss, um Deutschland und seine Lieferketten beziehungsweise das jetzt politisch aktuelle Lieferkettengesetz. Dann diskutierten wir über die Wirtschaftsbeziehung zwischen Deutschland und China. Dabei ging es auch um die Menschenrechte in China, die Bekämpfung von Kinderarbeit, Menschenwürde, Klima und Nachhaltigkeit.

Wie viel Zeit haben Sie durchschnittlich in das Projekt investiert?
50 Stunden Beratung in zehn Sitzungen.

Welche Erkenntnisse haben Sie beim Bürgerrat gewonnen?
Der Bürgerrat lebt davon, dass Bürger sich einbringen. Beratung selbst hat die Politik ja von ihren professionellen Experten. Er sollte daher die Meinung von einem Querschnitt der Bevölkerung wiedergeben.

Was nehmen Sie davon für sich mit?
Der Bürgerrat war für mich eine große Herausforderung. Ich habe gelernt, dass Politik komplex ist und gar nicht so einfach. Es war eine Gelegenheit, auch als Bürger gehört zu werden und für kurze Zeit ein Teil davon zu sein. Uns Bürgern darf man mehr zutrauen, so könnten wir Demokratie direkt mitgestalten.

Würden Sie anderen die Teilnahme empfehlen?
Ich finde, ein Bürgerrat ist eine super Chance, sich mit politischen Themen mal genauer zu beschäftigen und auch andere Meinungen zu hören.

Interview: Markus Müller

Zur Person: Rena Ratke

Die 63-jährige Hochdorf-Assenheimerin hat als eine der 160 ausgelosten Teilnehmer beim Bürgerrat mitgemacht. Sie ist verheiratet und hat einen Sohn. Ratke arbeitete mehr als 30 Jahre als Fremdsprachensekretärin beziehungsweise Sachbearbeiterin bei einem Energieunternehmen. Ihre größte Leidenschaft sind Musik und Tanz. Außerdem fährt sie gerne Fahrrad.

Rena Ratke
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