Bobenheim-Roxheim
Interview: Warum die Gemeinde ihre Ehrenordnung ändert
Herr Müller, Sie und der Gemeinderat nehmen den Bobenheim-Roxheimer Edelzinnwappenteller, über dessen Attraktivität sich streiten lässt, aus dem Sortiment der Ehrungspräsente. Warum?
2019, bei der letzten größeren Feierstunde mit der Verleihung zahlreicher Ehrenzeichen der Gemeinde, habe ich festgestellt, dass Ehrenamtliche, die den Edelzinnwappenteller verliehen bekamen, neidisch auf diejenigen guckten, die „nur“ ein Weinpräsent erhielten. Ich bin der Auffassung, alles hat seine Epoche – und die des Edelzinnwappentellers ist rum. Das hat der Gemeinderat einstimmig genau so gesehen.
Auch die Ehrennadel wird ersatzlos gestrichen. Die stand unter anderem Bürgern zu, die es eine ganze Wahlperiode lang, das heißt fünf Jahre, im Gemeinderat ausgehalten haben. Wer hatte denn die Idee zum Ausdünnen der zugegeben umfangreichen Ehrenordnung der Gemeinde?
Während aktive Vereinsmitglieder oft ihr Leben lang völlig unentgeltlich in ihrem Ehrenamt tätig sind, erhalten Ratsmitglieder 25 Euro Sitzungsgeld für jede Ausschuss- und Gemeinderatssitzung, an der sie teilgenommen haben, sowie 60 Euro monatliche Aufwandsentschädigung. Fraktionsvorsitzende bekommen mehr. Ich bin der Auffassung, dass es dann nicht noch einer Ehrennadel oder eines Edelzinnwappentellers bedarf.
Die Carolus-Magnus-Medaille, benannt nach Karl dem Großen, ist auch weg, oder nicht?
Nein, die Carolus-Magnus-Medaille und einige andere Ehrenzeichen wie beispielsweise der Ehrenring sind natürlich geblieben. Die Carolus-Magnus-Medaille ist ohnehin eine Besonderheit. Während die Verleihung anderer Ehrenzeichen besonderen Regularien und der Bürokratie unterliegen – das ist übrigens ein weiterer Grund, warum wir die Ehrenordnung etwas schlanker gemacht haben – entscheidet über die Carolus-Magnus-Medaille allein der Bürgermeister. Sie wird auch gerade nicht langjährigen Vereinsvorsitzenden und anderen Verantwortlichen in der ersten Reihe verliehen, sondern Menschen, die jahrzehntelang im Hintergrund tätig waren und sind, ohne die der Verein aber kaum existieren würde. Meist sind diese Personen in gleich mehreren Institutionen ehrenamtlich aktiv.