Bobenheim-Roxheim
Interview: Langjähriger Grünen-Politiker will kein Ratsmitglied mehr sein
Herr Vettermann, Sie sind seit fast 15 Jahren Fraktionsvorsitzender der Grünen im Bobenheim-Roxheimer Gemeinderat. Auf der Kandidatenliste für die kommende Wahl dieses Gremiums sucht man Ihren Namen vergebens. Warum?
Ich hatte vor fast zwei Jahren einen Herzinfarkt und muss gesundheitlich aufpassen. Beruflich bin ich aus diesem Grund bereits seit etwa einem Jahr im Ruhestand. In den Ausschusssitzungen ist gerade in jüngster Vergangenheit der Ton sehr angreifend geworden, nicht sachlich, und manche Entscheidungen sind nicht nachvollziehbar. Wir haben ja im Rathaus nicht einmal Personal oder Geld, um den Klimaschutz anzugehen. Unter diesen Umständen will ich einfach nicht weitermachen. Und irgendwann ist es auch Zeit, loszulassen und den Jüngeren den Vortritt zu geben.
Wenn man Gemeinderatssitzungen im vergangenen Jahr verfolgt hat, konnte man den Eindruck gewinnen, die Grünen seien das „Enfant terrible“ des Gremiums. Besonders beliebt scheinen Sie und ihre Fraktionskollegen nicht zu sein. Täuscht der Eindruck?
(lacht) Das Klima im Gemeinderat hat sich nicht verbessert. Und wenn man bei den großen Projekten einen anderen Standpunkt als die großen Parteien vertritt, ist man schnell das „Enfant terrible“. Aber wir haben rückblickend die größten Erfolge in den vergangenen fünf Jahren erzielt. Zum Beispiel mithilfe des Umweltverbands BUND, als das Oberverwaltungsgericht den Bebauungsplan Silbersee für rechtswidrig erklärt hat. Dem Bürgermeister und der Firma Willersinn war es einfach nicht gelungen, einen rechtsgültigen Bebauungsplan zu initiieren. Nach Meinung der anderen Parteien sind aber die Grünen daran schuld, dass das Silbersee-Hotel nicht gebaut werden kann. Das wurde mir sogar persönlich vorgeworfen. Dabei habe ich 17 Jahre lang immer wieder darauf hingewiesen, dass man das Hotel nicht in ein Vogelschutzgebiet bauen kann.
Auf Antrag der Grünen wurde ein Bürgerentscheid zum potenziellen Baugebiet südlich des Globus-Markts durchgeführt. Die Bevölkerung hat mehrheitlich gegen die Bebauung gestimmt. Das entspricht der Position der Grünen, aber nicht der Mehrheit im Gemeinderat. Bei der Diskussion um die Heizung für das künftige Betriebshofgebäude haben wir uns für die Wärmepumpentechnik eingesetzt. Fast ein Jahr hat es gedauert, bis das Gutachten zu den Betriebskosten wenigstens ansatzweise richtig war und unter anderem steigende Gaspreise und die CO2-Abgabe berücksichtigte. Auch hier lagen wir richtig. Aber in der vorletzten Gemeinderatssitzung hat uns der Bürgermeister vorgeworfen, wir hätten das Projekt verzögert. Schon 2013 haben wir einen Antrag gestellt, ein Nahwärmenetz aufzubauen. Das wurde damals abgelehnt. Jetzt muss man im Rahmen der kommunalen Wärmeplanung über den Einstieg in die Nahwärme nachdenken. Hätten wir damals damit begonnen, stünden wir heute besser da. Innerörtlich fehlen uns Erfolgserlebnisse bei der Begrünung. Da unser Ort in der wärmsten Region Deutschlands liegt, sind Maßnahmen gegen die Hitze dringend nötig. Aber ein Hitzeschutzkonzept haben wir bislang noch nicht.
Werden Sie dem Ortsverband von Bündnis 90/Die Grünen in irgendeiner Funktion erhalten bleiben?
Ich werde nach den Kommunalwahlen in keinen Gremien mehr sein, auch keine Arbeit in Ausschüssen übernehmen. Allerdings kann ich mir vorstellen, in beratender Funktion den Grünen erhalten zu bleiben. Parteimitglied bleibe ich weiterhin.