Bobenheim-Roxheim
Interview: Intertrans-Chef Peters über die Logistikbranche während der Pandemie
Herr Peters, wie haben Sie als Spediteur den Lockdown in Europa erlebt? Intertrans ist ja ein international tätiges Unternehmen.
Da hat man gesehen, wie wichtig die Branche ist. Ohne Lastwagen kann zum Beispiel kein Supermarkt versorgt werden. Über unseren Speditions- und Logistikverband haben wir täglich die Info bekommen, dass Lkw-Fahrer von allen Restriktionen ausgenommen seien. Nur in Polen hat das anfangs nicht so geklappt, bis sich Bundeskanzlerin Angela Merkel persönlich eingeschaltet hat. Unsere und andere Fahrer standen nämlich bis zu 48 Stunden im Stau vor der Grenze, weil die polnischen Rückkehrer kontrolliert wurden: Wer mit leerem Fahrzeug einreisen und seine Ruhezeit daheim verbringen wollte, sollte 14 Tage lang in Quarantäne.
Das Problem wurde gelöst. Heißt das, Intertrans ist ansonsten gut durch die bisherige Corona-Krise gekommen?
Es gibt zwei Seiten der Medaille. Weil in Italien, Frankreich und Spanien ein strengerer Lockdown war mit viel mehr Betriebsschließungen, haben Firmen dort natürlich auch viel weniger bestellt. Unser Umsatz ging in den drei Ländern gegenüber dem sehr guten Wirtschaftsjahr 2019 um bis zu 70 Prozent zurück. Dazu muss man wissen, dass Intertrans mit Subunternehmen arbeitet und im Prinzip alles transportieren kann: Handelsware, Schüttgut, Chemikalien, Teile für die Automobilindustrie ... Am besten lief das Geschäft noch in Deutschland, Österreich, Schweden und der Schweiz. Da blieb es bei einstelligen Prozentzahlen im Umsatzrückgang. Seit 1. April gilt am Standort Bobenheim-Roxheim Kurzarbeit – 20 Prozent. Aber nur für die Angestellten und nicht für die Arbeiter im Lager. Denn die Lkw kommen immer noch in denselben Zeiträumen wie vorher rein und raus. Da ergibt Kurzarbeit keinen großen Sinn. Im Büro lässt sich das leichter umsetzen, und das wird von den Angestellten auch so mitgetragen. Was mich an der Politik in Sachen Corona-Hilfspaket ärgert: Für kleine und mittelständische Betriebe, die 50 bis 250 Mitarbeiter haben und auch ausbilden, sind lediglich günstige Kredite vorgesehen. Die hätte ich aber schon vor einem Jahr haben können.
Was bedeutet in Ihrer Branche die vorübergehende Senkung der Umsatzsteuer?
Von der Buchungssoftware her ist das kein Problem, aber aktuell um den Monatswechsel Juni/Juli herum ist es ein administrativer Horror, der uns dann zum Jahreswechsel noch mal blüht. Für den niedrigeren Steuersatz kommt es nämlich auf das Leistungsdatum an. Wir müssen jetzt fast jeder Sendung ins Ausland hinterhertelefonieren, um herauszufinden, wann die Lieferung tatsächlich angenommen wurde. Es kann ja sein, dass ein Fahrer es nicht mehr rechtzeitig auf die Fähre geschafft hat und die Fracht nicht im Juni, sondern erst Anfang Juli beim Empfänger angekommen ist. Track & Trace, also die Online-Nachverfolgung einer Sendung, ist in vielen europäischen Ländern leider noch nicht verfügbar.