Bobenheim-Roxheim
Interview: Gemeinde bindet Unternehmen in Katastrophenschutz ein
Herr Pfeffer, in den frühen Abendstunden des 10. März gab es einen kleinen Blackout, einen mehrstündigen Stromausfall in Teilen von Ludwigshafen und Frankenthal. Was hat die Bobenheim-Roxheimer Gemeindeverwaltung daraus gelernt?
Weil auch das Mobilfunknetz gestört war, kam es bei der Alarmierung unseres Verwaltungsstabs zu teils erheblichen Verzögerungen. Eine alleinige Alarmierung über Smartphones und Apps, wie es auch bei der Kreisverwaltung Standard ist, ist deshalb unzureichend. Dringend benötigtes Personal sollte nach selbstständiger Einschätzung der Lage den Weg zum jeweiligen Einsatzort antreten. Die Mobilfunkanbieter sollten über eine Akkupufferung die Stabilität des Mobilfunknetzes für eine gewisse Zeit garantieren. Von unschätzbarem Wert war die Notstromversorgung des Feuerwehrhauses als Sitz des Verwaltungsstabs. So konnten wir die notwendigen Maßnahmen ohne technische Einschränkungen koordinieren und Hilfe bereitstellen. Eine wichtige Aufgabe für die Zukunft ist es, weitere Gebäude für eine autarke Stromversorgung zu ertüchtigen und dies bei Neubauten einzuplanen. Geschehen ist das schon für die Friedrich-Ludwig-Jahn-Halle, die Rheinschulsporthalle und das Blockheizkraftwerk am Rathaus. Das Rathaus und der Betriebshof werden folgen. Bei der Meisterung dieser finanziellen Herausforderung vertrauen wir auf die Unterstützung unserer politischen Gremien.
Sie fragen bei den Bobenheim-Roxheimer Wirtschaftsunternehmen nun bestimmte Punkte wie zum Beispiel Treibstoffvorräte ab. Worum geht es Ihnen bei dieser Befragung?
Wir müssen auf unterschiedliche Szenarien vorbereitet sein und unsere Möglichkeiten kennen. Allerdings sind wir aufgrund unserer Verwaltungsgröße weder personell noch materiell ausreichend für Katastrophen größeren Ausmaßes ausgestattet. Bund und Land haben ja Strukturen und Materialvorhaltungen für den Katastrophenschutz seit Ende der 80er-Jahre kontinuierlich abgebaut. Um diesen Kurs schnellstmöglich zu korrigieren, benötigen wir die Unterstützung und die Ressourcen der örtlichen Unternehmen. Wichtige Fragen sind unter anderem: Wie ist die Geschäftsführung im Notfall zu erreichen? Wie stellt der Betrieb die Notstromversorgung und den Treibstoffvorrat sicher? Könnte die Gemeinde auf Transport- und Spezialfahrzeuge der Firmen zurückgreifen oder auf Lebensmittel, Betriebsstoffe, Material, Fachpersonal? Die gemeindeeigenen Vorräte reichen bei einer Großschadenslage über Tage oder Wochen sicherlich nicht aus. Theoretisch greift dann eine Treibstoffversorgung durch übergeordnete Behörden, praktisch könnte das aber schwierig werden. Die Flutkatastrophe im Ahrtal hat gezeigt, wie schnell eine Infrastruktur fast völlig zum Erliegen kommen kann. Wir erhoffen uns deshalb mithilfe ortsansässiger Firmen, eine solche Lage größtenteils selbstständig bewältigen zu können.
Was ist aus Ihrer Sicht nötig, damit Sie sagen: Die Gemeinde ist für einen Katastrophenfall wie einen längeren Blackout bestens vorbereitet?
Ein wichtiger Baustein für den Schutz unserer Bevölkerung ist deren Eigenvorsorge und Selbsthilfe. Die fördert die Gemeinde mit einer Informationsbroschüre, die im Rathaus und online verfügbar ist. Wir arbeiten außerdem mit Hochdruck weiter daran, die Gemeinde auf Gefahren durch Hochwasser, Starkregen, Sturm oder Energiemangel vorzubereiten. Stichworte sind unter anderem Wärmeinseln, Evakuierungsräume, Medikamentenversorgung, Hilfe für eingeschränkte Personen und die Information der Bevölkerung. Das alles kann nicht von heute auf morgen und nicht nach einer Universalanleitung erfolgen. Es ist vielmehr ein „Marathonlauf“, ein kontinuierlicher Prozess mit individuellen Lösungsansätzen, den unsere Helfer im Brand- und Katastrophenschutz nur gemeinsam mit Bürgern, Politikern und Unternehmen bewältigen können. Eine absolute Sicherheit wird es wohl trotzdem nicht geben können.