VG Lambsheim-Hessheim RHEINPFALZ Plus Artikel Interview: Dorfbesuche statt Bürgerempfang, was hat’s gebracht?

Ein bisschen enttäuscht ist Michael Reith von seiner Aktion im Beindersheimer Feuerwehrhaus. Er hatte auf mehr Besucher gehofft.
Ein bisschen enttäuscht ist Michael Reith von seiner Aktion im Beindersheimer Feuerwehrhaus. Er hatte auf mehr Besucher gehofft.

Im Oktober hat Michael Reith (SPD) sechs Dörfer besucht, um mit den Einwohnern ins Gespräch zu kommen. Ob sich der Aufwand gelohnt hat, wollte Waltraud Werdelis vom Chef der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim wissen – und hat nebenbei etwas Interessantes in Sachen Feuerwehr erfahren.

Herr Reith, Hand aufs Herz: Wie viele „normale Bürger“, die keine politische oder Feuerwehrfunktion haben, sind zu ihrer sechsteiligen Veranstaltungsreihe „Bürgermeister vor Ort“ gekommen?
Das waren in Beindersheim – bei Regen – leider nur vier, in Heuchelheim elf, in Lambsheim zehn, in Heßheim circa 25 und in Kleinniedesheim zwölf Personen. Um die 40 Bürger habe ich in Großniedesheim erreicht, aber sicher nur, weil unser Stand an der Wegstrecke der Veranstaltung „Niddsem wandert“ aufgebaut war. Es gab in den drei Wochen sowohl Teilnehmer, die ohnehin gerade vor Ort waren, als auch Bürger, die gezielt kamen, weil sie ein Anliegen hatten.

Sind diese Teilnehmerzahlen gut oder schlecht?
Ich hatte mir mehr erhofft.

Was brennt denen, die Sie getroffen haben, auf den Nägeln?
Der Energiemangel und der Klimaschutz. Gewünscht wird für den Fall eines Blackouts eine Anlaufstelle bei der Verbandsgemeinde und bereits jetzt ein Bürgertelefon, über das man Auskünfte bekommt. Überhaupt sollte die Verwaltung mal über den Stand ihrer Vorbereitungen informieren, hieß es. Das wollen wir nach den Herbstferien und danach regelmäßig an einer festen Stelle im Amtsblatt machen. Es wurde auch deutlich, dass nicht alle Bürger wissen, dass wir eine Klimaschutzmanagerin haben, die Privatleute in Energiefragen berät, zum Beispiel was Fotovoltaikanlagen, Fördermittel und Anträge betrifft. Das müssen wir mehr publik machen. Erwartungsgemäß waren Verkehrsberuhigung, Parkplatzmangel und Straßendreck durch Landwirtschaftsfahrzeuge Themen. Auch wurde nach Carsharing gefragt, da besteht durchaus Interesse bei Familien, deren Kinder schon den Führerschein, aber kein eigenes Auto haben. In Lambsheim haben Bürger irritiert nachgefragt, ob dort das Nahwärmenetz weiterbetrieben oder aufgegeben wird. Da konnte ich beruhigen: Die Nahwärme bleibt. In Heßheim sind Bürger extra gekommen, um deutlich zu machen, dass sie unzufrieden sind, wie schleppend es mit der Erweiterung der Grundschule läuft und dass fünf Jahre lang in Containern unterrichtet werden wird. Auch für uns als Verwaltung ist das unbefriedigend. Drei Jahre machen wir jetzt schon mit der ADD herum wegen der Förderung des Bauprojekts.

Wurden Anregungen gegeben, für die Sie dankbar sind?
Auf jeden Fall, auch wenn sie teils nicht in der Zuständigkeit der Verbandsgemeinde liegen, etwa was die Abfallentsorgung betrifft. An den Eigenbetrieb für Abfallwirtschaft des Rhein-Pfalz-Kreises werde ich beispielsweise die Idee weitergeben, dass die Haushalte ihr Altglas nicht in Plastiksäcken, sondern lieber in wiederverwendbaren Kunststoffboxen an die Straße stellen möchten. Die müssten dann einfach nur ins Sammelfahrzeug ausgeleert werden. Eine junge Familie kennt das so aus Darmstadt. Auf den Wertstoffhöfen werden teils ebenerdige Ablagestellen statt Hochcontainer gewünscht, außerdem Möglichkeiten, Fensterglas und Hartplastik zu entsorgen. Eine schöne Idee ist, dass sich Gemarkungswanderungen wie „Niddsem wandert“ nicht nur auf einen Ort beschränken sollen, sondern von einem Dorf zum nächsten führen könnten. Dies würde zum besseren Kennenlernen der gesamten Verbandsgemeinde beitragen.

Ist es frustrierend, wenn Sie um Sachen gebeten werden, die Angelegenheiten der Ortsgemeinden, des Landkreises oder gar des Landes sind?
Nein, gar nicht. Als Bürgermeister der Verbandsgemeinde sehe ich mich in der Rolle des Ansprechpartners, der Kümmerers, unabhängig von Zuständigkeiten. Ich gebe die Wünsche an die richtigen Stellen weiter. An mich kann man alles herantragen.

Haben Sie selbst ein Anliegen an die Bürger der Verbandsgemeinde?
Ja, nämlich dass die Bürger auch mal unter der Zeit und nicht nur bei solchen Veranstaltungen mit mir in Kontakt treten. Das ist besser, als der Verwaltung im Nachhinein zu sagen, was man hätte besser machen können. Wer eine Idee hat, soll nicht warten, bis das Projekt schon beendet ist.

Wollen Sie das Format „Bürgermeister vor Ort“ beibehalten oder zum klassischen jährlichen Bürgerempfang zurückkehren?
Es bleibt erst einmal bei dem ungezwungenen Austausch in den einzelnen Dörfern. Der Aufwand ist zwar erheblich höher als bei nur einem Abend mit 200 Gästen, aber dort kommen die Bürger ja kaum mit mir ins Gespräch, weil so viele Amts- und Mandatsträger und Ehrengäste da sind.

Was können Sie schon über die Vorhaben der Verbandsgemeinde im nächsten Jahr sagen?
Auf jeden Fall wollen wir mit der Heßheimer Schule vorankommen, und dann sind ja da noch die Feuerwehrhäuser in Beindersheim und Großniedesheim, die modernisiert werden müssen. Hm, soll ich es schon verraten? Wir überlegen, die beiden Feuerwehren zusammenzulegen und ein neues Mannschafts- und Gerätehaus zwischen den beiden Orten zu bauen. Das könnte mehr Sinn ergeben, als die bestehenden Gebäude zu erweitern. Denn wenn man sich überlegt, dass schon ein Anbau an das Beindersheimer Haus eine Million Euro kosten soll ... Die beiden Immobilien könnten den Ortsgemeinden verkauft werden, zum Beispiel zur Nutzung als Bauhof. Den Gedanken werden wir demnächst mal in die Diskussion geben.

Kommt gern mit Bürgern ins Gespräch: VG-Bürgermeister Michael Reith.
Kommt gern mit Bürgern ins Gespräch: VG-Bürgermeister Michael Reith.
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