Bobenheim-Roxheim
Integration durch Austausch: Neuer Beirat setzt sich für Migranten ein
Der Beirat für die Belange von Menschen mit Migrationshintergrund in Bobenheim-Roxheim hat sich neu formiert. Ursprünglich sollte das Gremium gewählt werden, doch da sich nicht genügend Kandidaten fanden, entschied die Gemeinde, ehemalige Mitglieder anzusprechen und neue Interessierte zu gewinnen. In dieser Amtsperiode besteht der Beirat aus fünf Mitgliedern – einem Mann und vier Frauen – die alle eine Migrationsgeschichte haben und seit vielen Jahren in der Gemeinde leben. Der RHEINPFALZ haben sie etwas über sich und ihre Motivation erzählt, nur mit einer Beiratsangehörigen konnten wir kein Gespräch führen.
Housen Gauer stammt aus Syrien und ist der Vorsitzende des Beirats. Vor neun Jahren kam er nach Bobenheim-Roxheim, wo er schnell Unterstützung fand und sich willkommen fühlte. „Dafür bin ich bis heute sehr dankbar“, sagt der inzwischen eingebürgerte Gauer. Er hat in seiner Heimat Jura studiert und arbeitet heute als Sachbearbeiter in einem Notariat.
Ins Gespräch kommen
Mit seinem Engagement im Beirat möchte Housen Gauer der Gemeinde etwas zurückgeben. „Wir stehen noch am Anfang und planen mehrere Sitzungen, in denen wir unsere Ziele und Aufgaben festlegen“, erklärt der 43-Jährige. Eine der Hauptaufgaben des Beirats sieht er in der Vermittlung zwischen Migranten, Verwaltung und Gesellschaft. „Gerade die alltägliche Unterstützung ist wichtig, sei es bei Formularen, Anträgen oder anderen bürokratischen Herausforderungen“, betont er. Zudem plane der Beirat ein „Asyl-Café“, bei dem Geflüchtete und Einheimische zusammenkommen und ins Gespräch kommen könnten, so Gauer. Ziel sei es, Vertrauen aufzubauen und den direkten Austausch zu fördern.
Der Beirat wird zu Gemeinderatssitzungen eingeladen, wenn es um Themen geht, die Migranten und Geflüchtete betreffen. Die größte Herausforderung sieht Gauer in der oft komplizierten Bürokratie und im Umgang mit Behörden. Gerade in der aktuellen politischen Lage sei es essenziell, den Dialog zu suchen: „In einer Demokratie ist Austausch entscheidend – Ausgrenzung ist keine Lösung.“
Yanhong Maas lebt seit 20 Jahren in Deutschland. In China hat sie Literaturwissenschaft und Bibliothekswesen studiert und kurz als Journalistin gearbeitet. Als Sales Managerin ist sie nach Frankfurt gekommen. Der Liebe wegen zog sie nach Bobenheim-Roxheim, wo sie heute mit ihrem Mann lebt. Maas ist selbstständig im Export- und Importbereich für landwirtschaftliche Produkte tätig.
„Ich war damals ganz allein und habe kaum Hilfe bekommen. Das soll Neuankömmlingen nicht passieren“, erklärt Maas ihre Motivation für ihr Engagement. Seit drei Jahren ist sie bereits Mitglied des Beirats und setzt sich insbesondere für eine bessere Integration von Migranten ein.
Selma Özsoy wurde in Bobenheim-Roxheim geboren. Ihre Eltern kamen 1972 als Gastarbeiter aus der Türkei nach Deutschland. Gemeinsam mit ihrem Mann führt die 44-Jährige ein Unternehmen für Entkernungsarbeiten, wobei sie für die Büroarbeit zuständig ist. Die gelernte Einzelhandelskauffrau lebt mit ihrer Familie in Bobenheim-Roxheim, das sie als ihre Heimat bezeichnet.
Als sie im Amtsblatt gelesen habe, dass Mitglieder für den Beirat gesucht würden, habe sie nicht gezögert. „Ich bin ein hilfsbereiter Mensch und kenne mich durch meinen Beruf gut mit Formularen und Anträgen aus. Da kann ich am meisten helfen“, erzählt die Schriftführerin des Beirats. Özsoy verfolgt die politische Lage mit Sorge und fordert eine effektivere Integrationspolitik. Sie kritisiert, dass viele Geflüchtete nicht sofort arbeiten dürfen: „Das würde viele Probleme lösen.“ Özsoy kann sich sogar vorstellen, selbst in die Politik zu gehen.
Tanja Bianchino kam im Jahr 2000 aus Italien nach Deutschland. Sie arbeitet als Verkäuferin im Einzelhandel und ist zusätzlich als Erzieherin in Teilzeit tätig. Trotz ihrer zwei Jobs möchte sie sich aktiv im Beirat engagieren.
Brücken bauen
„Ich habe am Anfang kein Deutsch gesprochen und weiß, wie schwer es ist, sich in einer neuen Umgebung zurechtzufinden“, berichtet die 38-Jährige. Ihre Hauptaufgabe im Beirat sieht sie darin, Anliegen der Migranten und Geflüchteten zu vertreten und Brücken zwischen ihnen und der deutschen Mehrheitsgesellschaft zu bauen.
Der neu formierte Beirat steckt noch ganz am Anfang seiner Arbeit und hat viele Pläne für die Zukunft. Neben dem „Asyl-Café“ sind weitere Veranstaltungen geplant, um den Austausch zwischen Einheimischen und Migranten zu fördern. Auch die Zusammenarbeit mit der Verwaltung soll intensiviert werden, um Migranten bei Behördengängen besser zu unterstützen. Darüber hinaus möchte der Beirat eng mit dem Sozialverein Kunterbunt zusammenarbeiten, der dem Vorsitzenden Housen Gauer zu Beginn seiner Ankunft in Bobenheim-Roxheim Unterstützung geboten hat.
Die Mitglieder des Beirats sind sich einig: Integration gelingt nur durch Kommunikation und gegenseitiges Verständnis – und dafür wollen sie sich mit ganzer Kraft einsetzen.