Rhein-Pfalz Kreis „In Zeiten der Abschottung gegensteuern“

Beispiel für gute deutsch-französische Beziehungen: Der Lambsheimer Freundschaftskreis zeigt den Gästen aus St. Georges sur Baul
Beispiel für gute deutsch-französische Beziehungen: Der Lambsheimer Freundschaftskreis zeigt den Gästen aus St. Georges sur Baulches den Bad Dürkheimer Kurpark.

«Lambsheim.»Von allen sechs Ortsgemeinden der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim unterhält bisher nur Lambsheim eine deutsch-französische Partnerschaft. Jetzt macht der Freundschaftskreis Lambsheim-St. Georges sur Baulches einen Vorstoß, die 1981 begründete Jumelage auf die Verbandsgemeinde auszuweiten. Wir haben den Vorsitzenden Gerd Kleinhans dazu befragt.

Herr Kleinhans, warum sollen sich andere Kommunen in die Lambsheimer Gemeindepartnerschaft einklinken ?

In Zeiten des blühenden Nationalismus und der Abschottung in Teilen Europas wollen wir gegensteuern und die Idee der Partnerschaft und Freundschaft mit Frankreich auf eine breitere Basis stellen. Zudem wäre nach 36 Jahren ein Zuwachs an vielleicht auch jüngeren Leuten ganz schön. Was versprechen Sie sich davon? Ein Vorteil wäre, dass die Vereinsarbeit auf mehr Schultern verteilt würde. Und wir erwarten eine bessere finanzielle Ausstattung, wenn es um Zuschüsse der Verbandsgemeinde geht. Allein durch die Kerweeinnahmen oder Mitgliedsbeiträge können wir unsere Ausgaben nicht bestreiten. Zum Beispiel: Zwei Busse für eine Frankreichfahrt kosten im Schnitt 6000 Euro. Aber ich beklage mich nicht, man muss sich halt beschränken. Wie lebendig ist denn diese Partnerschaft mit dem 3300 Einwohner zählenden St. Georges in Burgund? Sehr lebendig. Im vergangenen Jahr hatten wir in Lambsheim und St. Georges 14 Veranstaltungen, darunter das jährliche Partnerschaftsfest, das im Wechsel in St. Georges und in Lambsheim stattfindet. In diesem Jahr waren mehr als 70 Lambsheimer mit in Frankreich und konnten dort problemlos in Familien untergebracht werden. Außerdem veranstalten wir Ausflüge in die Grenzregion, eine mehrtägige Reise in jeweils andere französische Regionen, Chansonabende und Weinproben. Und unser Mitglied Daniel Faber, der mal Küchenchef im Restaurant Karlbacher in Großkarlbach war, bietet im Frühjahr einen Kochkurs „Französische Küche“ an. Wie viele Mitglieder hat denn der Freundschaftskreis? Wir haben 115 Mitglieder. Am stärksten vertreten ist die Gruppe der 50- bis 60-Jährigen, aber es sind auch ein paar jüngere um die 40 dabei. Schüler haben weniger Interesse. In Frankreich gibt es keine Vereine in dem Sinne, sondern nur Zugehörigkeiten, die auf ein Jahr beschränkt sind und verlängert werden können. Aber eine Gruppe von 40, 50 Franzosen ist immer aktiv. Kein Jugendaustausch? Es gab mal vor Jahren einen Schüleraustausch an der Realschule. Der hätte vielleicht wieder aktiviert werden können. Doch leider ist Lambsheim bald nicht mehr Realschulstandort. Man könnte aber auch auf VG-Ebene mit interessierten Jugendlichen einen Austausch pflegen. Das würde auch vom deutsch-französischen Jugendwerk gefördert. Mit Grundschulen ist ein Schüleraustausch auch möglich, aber schwierig. Das steht und fällt mit den Lehrern. Sind mangelnde Sprachkenntnisse ein Problem? Weniger. Ich war 35 Jahre Gymnasiallehrer für Französisch. Bei uns in Deutschland ist Französisch in der Regel die zweite Fremdsprache in der Schule. In Frankreich wurde der Deutschunterricht vor zwei Jahren etwas zurückgefahren. Im Moment jedoch gibt es eine Renaissance. Präsident Emmanuel Macron will, dass es ab dem kommenden Schuljahr wieder bilingualen Unterricht gibt. Das wird in den nächsten Jahren Früchte tragen. Im Übrigen profitieren wir möglicherweise vom Brexit und der sinkenden Attraktivität der USA wegen Präsident Trump. Wie können Sie sich eine Ausweitung der Partnerschaft konkret vorstellen? Man könnte Fahrten machen mit Vertretern von Sportvereinen, auf Jugendebene, mit Musikvereinen. Das GMV-Orchester Lambsheim beispielsweise war schon mehrmals in St. Georges und ist dort sehr beliebt. Aber das muss sich alles langsam entwickeln, man kann niemandem befehlen: Jetzt wird Partnerschaft gemacht. Was sagt man in St. Georges zu Ihren Plänen? Gäbe es da nicht ein Missverhältnis – hier eine große Verbandsgemeinde, dort ein kleines Dorf? St. Georges hat rund 4000 Einwohner. Ich habe dort bereits mit der Partnerschaftsbeauftragten und dem Bürgermeister gesprochen. Die fanden die Idee nicht schlecht und denken ihrerseits über eine Erweiterung mit umliegenden Gemeinden, die keine Partnerschaft haben, nach. Wie geht es jetzt weiter? Zunächst muss der Ortsgemeinderat Lambsheim dazu Ja sagen. Dann geht der Antrag auf Ausweitung der Partnerschaft in die anderen Ortsgemeinden, bevor der Verbandsgemeinderat darüber zu entscheiden hat. Und natürlich muss auch die Partnergemeinde St. Georges zustimmen. | Interview: Christina Eichhorn

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