Dudenhofen RHEINPFALZ Plus Artikel In Dudenhofen sind die Trauben von Kilianer und Oberlin gelesen

Mit Spaß dabei: John, Schüler der Pestalozzi-Schule Speyer, bei der Traubenlese in Dudenhofen.
Mit Spaß dabei: John, Schüler der Pestalozzi-Schule Speyer, bei der Traubenlese in Dudenhofen.

Experten erwarten ein zumindest qualitativ gutes Weinjahr. Von dem nassen Frühjahr haben auch die Sorten Kilianer und Oberlin profitiert. „Sie sind besser gereift, haben eine höhere Qualität als die Jahre zuvor“, sagt Johann Sammet nach einem ersten Geschmackstest der gerade von der Kilianer-Arbeitsgemeinschaft Dudenhofen geernteten Trauben.

Die gemessenen Oechsle-Grade bestätigten Sammets Eindruck. Der Oberlin – die Trauben sind etwas kleiner und süßer und haben einen kräftigeren Farbton – erreichte in Spitzenwerten über 100, der von manchem Gaumen als eher säuerlich empfundene Kilianer schaffte es auf 65 bis 70 Oechsle. Zusammen, meint AG-Vorsitzender Sammet, sind es zwischen 90 und 110. Zum Vergleich: Ein zertifizierter Kabinett-Wein muss mindestens 76 haben, Spätlese 90, eine Trockenbeerenauslese 150 Oechsle.

In früheren Jahrzehnten diente der Haustrunk zum „Verdünnen und Strecken“ der hochwertigeren Weine. Anfang der 1930er-Jahre kauften Händler den Großteil der Dudenhofener Ernten von damals rund 350.000 Kilogramm zum Zweck der „Beimischung“. Kilianer und Oberlin zeichnen andere Qualitäten als den Trinkgenuss aus. Sie sind garantiert biologisch und gegen Schädlinge weitgehend resistent.

Nach dem Vermarktungsverbot durch die Europäische Union bleibt heute einzig ihre Veredelung zu Safterzeugnissen durch einen Winzer aus Kirrweiler. Aus den geschätzt 1500 bis 2000 Litern hofft Sammet auf circa 1200 Flaschen. Anteilig werden damit die Gemeinde, der Verein für Heimatgeschichte und -kultur und ein Hofladen beliefert. Und die ein oder andere Flasche kriegt sicher auch die AG. Sie leistet übers Jahre einige Arbeitseinsätze, betreibt Brauchtumspflege, trifft sich zur Weinprobe und zur Radtour.

In Dudenhofen ranken Kilianer und Oberlin noch auf etwa 10 Ar. Wein macht daraus „ab und zu“ nur noch Giovanni Molisse, ursprünglich Neapolitaner, aus dem Land von Amarone, Brunello, Barolo, den Rebsorten Sangiovese, Montepulciano, Nero d’Avolo und Uva-Fragola, aus der gleichen Rebe wie der Kilianer stammend. Molisses Urteil, nachdem er diesen nach seinem Umzug nach Dudenhofen erstmals verkostet hatte: „Herb, erst war er sehr gewöhnungsbedürftig, aber man gewöhnt sich daran, bleibt dabei.“

Nicht ganz. Molisse keltert daraus seinen eigenen, „auf der Welt einmaligen“ Uva-Fragola – wie ehedem die Großeltern. Molisse mahlt die Trauben, presst den Wein, lässt den Saft gären, was den „grünen“ Geschmack nach Schale, Kern, Stengel des Kilianers vermindere. Die Kollegen der AG hätten hingegen immer noch die Maische gären lassen.

An den Lesetagen beteiligten sich neben den Mitgliedern und Helfern der AG auch Kinder der Pestalozzi-Schule Speyer und die 4b der Grundschule Dudenhofen. Allen, auch dem Bauhof für die Gerätschaften, dankte Sammet beim Helferessen der Gemeinde. Bürgermeister Jürgen Hook lobte das Engagement: „Es ist eine schöne Tradition. Wie der Spargel gehört der Kilianer zu Dudenhofen.“

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