Otterstadt
In diesem Jahr soll viel passieren
Bernd Zimmermann (CDU) zählt für das laufende Jahr 35 Projekte. Davon werden die meisten seit „gefühlt fünf bis sechs Jahren“ immer wieder verschoben, weil die Verbandsgemeindeverwaltung die Menge an Aufgaben nicht abarbeiten kann. Der 53-jährige Ortsbürgermeister, der im Hauptberuf bei der Stadtverwaltung in Ludwigshafen arbeitet, spricht von einer sehr hohen Arbeitsbelastung – vor allem für seinen Beigeordneten Jürgen Zimmer (parteilos), der für Bauangelegenheiten zuständig ist. Der 67-jährige Zimmer ist Rentner. Beide bekommen für ihr Ehrenamt eine Aufwandsentschädigung, die wie Zimmer für seinen Fall sagt, nicht mal dem Mindestlohn entspreche.
Zimmermann nennt in seinem Bereich die sehr komplexen und umstrittenen Angelegenheiten Deichneubau und Erdöl-Bohrung. Zum letztgenannten Projekt soll es Anfang März eine Sitzung mit politischen Gremien aus Waldsee und der Verbandsgemeinde geben, in der er vorschlagen werde, die Kooperationsvereinbarung mit dem Erdöl-Konsortium zu kündigen, sagt der Ortschef. Generell seien diese Themen und die Bauprojekte nicht mit zwei Gesprächen erledigt, dafür brauche es viel Zeit, macht er deutlich.
Investitionen in Nachwuchs
Projekte, die in Jürgen Zimmers Geschäftsbereich vor Kurzem abgeschlossen werden konnten, sind die Sanierung der katholischen Kita Casa Vincentina, für die die Ortsgemeinde die Kosten übernehmen musste, weil sie die Gebäudeträgerschaft innehat. Diese beliefen sich laut Zimmer auf rund 500.000 Euro. Dort seien nur noch Schönheitsreparaturen zu erledigen, weil die Firma die Baustelle nicht „sauber“ übergeben habe, sagt Zimmer. Die Sanierung der Toilettenanlage im Remigiushaus für 115.000 Euro sei dagegen sehr gut gelaufen, lobt der Ortsbeigeordnete.
Ein Großprojekt, von dem er hofft, dass es dieses Jahr wirklich begonnen werden kann, ist die sicherheits- und brandschutztechnische Sanierung der Grundschule. Dafür wird laut Zimmer mit Gesamtkosten von 1,6 Millionen Euro kalkuliert. Die Bauzeit wird auf zwei bis zweieinhalb Jahre geschätzt. Der Umzug des Horts in die ehemalige Kirchendiener-Wohnung im protestantischen Pfarrhaus soll erfolgen, wenn die Kirche die Räume hergerichtet hat. „Etwas kleiner dimensioniert“ als die Grundschulsanierung sei die Erweiterung der kommunalen Kita Abenteuerland. Das Kita-Zukunftsgesetz mache diese notwendig, sie koste rund 200.000 Euro.
Bäume sind ein Thema
Ein Thema, das die Otterstadter seit Jahren beschäftigt und auch bewegt, ist die Gestaltung des Friedhofs. Wie es mit den dortigen Mammutbäumen und dem angedachten Memoriamgarten weitergeht, soll laut Zimmer „in aller Ruhe“ nach einer Begehung des Ausschusses mit einer spezialisierten Gartenbaufirma im Frühjahr besprochen werden. Bäume sind auch in der Lindenstraße Thema. Dort soll auf Wunsch von Anwohnern überprüft werden, welche Bäume weg müssen, weil sie kaputt sind. Was als Ersatz gepflanzt wird, solle der Ausschuss entscheiden. Vor allem dem Ortsbürgermeister ist bewusst, dass Straßengrün aufgrund des Klimaschutzes eine höhere Bedeutung zukommt.
Mit Blick auf den Klimawandel und die verstärkte Nutzung von erneuerbaren Energien prüft die Gemeinde auch, auf welchen Dächern von ihren Gebäuden Fotovoltaikanlagen installiert werden können. Bernd Zimmermann macht jedoch deutlich, dass die Dächer geeignet sein müssen und die Investition auch sinnvoll sein müsse. Das Rathaus habe zum Beispiel so geringe Stromkosten, dass sich eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach nicht rechnen würde, erklärt der Ortschef.
Er möchte dieses Jahr gemeinsam mit Förster Georg Spang auch ein Bürgerprojekt ins Leben rufen, bei dem Familien Patenschaften für Forstkulturen übernehmen. Aus den Eh-da-Flächen am Königsplatz, deren Bepflanzung für Aufsehen gesorgt hatte, möchte Zimmermann „positive Schauflächen“ machen. Der Ortsbürgermeister hofft auch, dass die Gemeinde dieses Jahr ein Elektroauto und ein E-Lastenfahrrad anschaffen kann, das sich Bürger leihen können.
Hinter den Veranstaltungen, die für 2022 geplant sind und die teils noch Bezug zum ausgefallenen Ortsjubiläum haben, steht weiter ein Fragezeichen. Sicher ist dagegen, dass es ein Otterstadter Kinderbuch geben wird, an dem der Nachwuchs mitgewirkt habe. Kita-Kindern seien Otterbilder von Maler Michael Kurt gezeigt worden und sie durften sich Geschichten dazu ausdenken, die zu dem Buch zusammengefasst werden. Dieses soll als Geschenk für Neugeborene dienen.
Gemeinde soll attraktiv sein
Die Nachfrage nach Bauland ist dem Ortschef zufolge auch in Otterstadt hoch. Das Neubaugebiet am Friedhof kann allerdings erst auf den Weg gebracht werden, wenn der Flächennutzungsplan auf Verbandsgemeindeebene genehmigt ist. „Dann muss der Gemeinderat entscheiden, ob dort gebaut werden soll“, sagt Zimmermann. Wenn dann rechnet er damit, dass Bagger frühestens in zwei bis drei Jahren rollen.
Der 53-Jährige macht sich auch Gedanken, wie das Dorfleben künftig gestaltet werden kann. „Es gibt viele Bürgerideen, die ein Recht haben, verfolgt zu werden“, sagt er und nennt als Beispiel Seniorenwohnprojekte, einen Skulpturenpark und den Sportpark, den sich die TuRa wünscht. Bei letztgenanntem würde Zimmermann den Verein gerne finanziell unterstützen. Dafür brauche die Gemeinde jedoch Geld, was immer knapper werde. In weniger als zehn Jahren laufe die Zinsbindung eines 2,9 Millionen-Darlehens bei den Stadtwerken aus, das der Gemeinde bisher jährlich 160.000 Euro bringe, sagt Zimmermann. „Davon müssen wir keine Umlage zahlen. Sobald dieser Geldhahn zu ist, sind wir voll in den roten Zahlen“, verdeutlicht er.
Er und Zimmer werben dafür, zusätzliche Einnahmequellen zu erschließen. Sie nennen die 3,4 Hektar auf Otterstadter Gemarkung auf dem Kasernengelände, die nach Vorstellung der Ortsspitze zu einem „sehr ökologischen Gewerbegebiet mit Dachbegrünungen, Freiflächen und Elektro-Ladestationen“ entwickelt werden könnten. Was dort passiert, entscheidet aber der Gemeinderat.
Zimmermann wünscht sich, dass die Bürger ihren Ort mitgestalten und damit auch wieder mehr Menschen für kommunale Ehrenämter und Vereine gewonnen werden können. Er kann sich einen „freiwilligen Kümmerer“ vorstellen, der vom Gemeinderat bestellt werde. Denn er und Jürgen Zimmer könnten nicht alles alleine machen. Der Ortschef weiß jedoch auch um die im bürokratischen Deutschland vorherrschenden baulichen und planerischen Hindernisse. „Wenn es mit einer Idee nicht weitergeht, haben wir die Bürger als Multiplikatoren, die den anderen erklären können, warum es nicht funktioniert“, hofft Zimmermann.
Zur derzeitigen Situation sagt er: „Ich bin echt froh, dass Jürgen in Vollzeit für die Gemeinde arbeitet.“ Zimmer sei der Praktiker, er sei eher menschenorientiert, sagt Bernd Zimmermann. „Wir sind auch mal unterschiedlicher Meinung, aber wir gehen nie im Krieg aus dem Rathaus“, ergänzt Jürgen Zimmer und lacht.
Die Serie
Neujahrsempfänge der Ortsgemeinden im Speyerer Umland müssen in diesem Jahr Corona-bedingt ausfallen. Was in den Dörfern 2022 voraussichtlich Wichtiges passieren wird, haben die Bürgermeister der RHEINPFALZ dafür im persönlichen Gespräch erzählt.