Mutterstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Immer mehr Betrügereien mit dem Enkeltrick

Betrug am Telefon: Immer wieder funktioniert der Enkeltrick, berichten Polizisten.
Betrug am Telefon: Immer wieder funktioniert der Enkeltrick, berichten Polizisten.

Mutterstadt ist ein ruhiges Pflaster – statistisch betrachtet. Marco Hinze, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Schifferstadt, stellte die Kriminalitätslage 2022 für die Gemeinde vor und ist mehr als zufrieden. In fast allen Bereichen sind die Straftaten 2022 im Vergleich zum Vorjahr gesunken – doch es gibt auch Ausreißer.

Für etwa 90.000 Kreisbewohner ist die Polizeiinspektion (PI) Schifferstadt zuständig, und in dem Gebiet ist die Anzahl der registrierten Straftaten im Vergleich zum Vorjahr um 8,8 Prozent auf 4155 gestiegen, berichtet Polizeihauptkommissar Marco Hinze. Der Grund, warum es im Jahr 2022 im gesamten PI-Gebiet mehr Straftaten gab, seien die weggefallenen Corona-Beschränkungen gewesen. Kriminelle hätten in diesem Jahr wieder viel mehr Gelegenheiten, ihrem „Handwerk“ nachzugehen. Ein Vergleich mit dem Jahr 2019 zeigt aber auch: Das Niveau der Taten vor der Pandemie sei nicht erreicht. Damals wurden 4445 Straftaten im PI-Gebiet verzeichnet.

Dennoch ging es 2022 im Zuständigkeitsbereich nicht krimineller zu als anderswo. Im Gegenteil: Die sogenannte Häufigkeitsziffer von 4617 für 2022 ist laut Hinze weitaus kleiner als jene errechnete für die ganze Bundesrepublik (6762), für Rheinland-Pfalz (5668) oder den Bereich des Polizeipräsidiums Rheinpfalz (6720). Das liege vor allem an der ländlichen Struktur des Kreises. Die Häufigkeitsziffer besagt, wie viele Straftaten auf 100.000 Einwohner kommen. Zufrieden sei man auch mit der Aufklärungsquote von 58,6 Prozent der Fälle, die die Kollegen der PI bearbeitet haben. „Damit wurde jeder zweite Fall aufgeklärt“, stellt er fest.

Ist im gesamten PI-Bereich die Zahl der Straftaten gestiegen, ist sie in Mutterstadt für 2022 im Vergleich zu 2021 von 600 auf 589 gesunken, informiert Hinze weiter. Der Anteil der Bevölkerungszahl von Mutterstadt (13.000 Einwohner) an der Gesamtzahl der Kreisbewohner beträgt etwa 14,4 Prozent. Das decke sich in etwa mit dem Anteil der Straftaten in Mutterstadt an der Anzahl der Gesamtstraftaten im PI-Gebiet (14,2 Prozent). „Wir sind sehr zufrieden damit“, so das Fazit von Marco Hinze. Kaum eine andere Gemeinde habe einen solch guten Wert. Ein Grund für diese positive Entwicklung sei, dass weniger Eigentumsdelikte 2022 begangen wurden, vor allem aufgrund der Schließung des Real-Markts im Gewerbegebiet An der Fohlenweide. Die Zahl der Ladendiebstähle ist dort um 20 auf fünf gesunken.

Keine Serienkriminalität

Ebenso ist in Mutterstadt die Zahl der sonstigen Delikte wie zum Beispiel Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch (2021: 155; 2022: 139) gesunken. Einzig bei Verstößen gegen das Waffen-, Betäubungsmittel- und Aufenthaltsgesetz weist die Statistik eine Zunahme um neun auf 45 Fälle aus. Straftaten in Zusammenhang mit Zuwanderern werden statistisch separat erfasst: Es waren laut Hinze 2022 sieben Fälle, wovon bei einem Fall der Zuwanderer selbst der Geschädigte war. Vier Vorfälle geschahen in der Flüchtlingsunterkunft in der Waldstraße. „Das sind für uns Zahlen, über die wir uns keine Gedanken machen“, meint der Polizeihauptkommissar.

Des Weiteren erklärt Hinze, dass es in Mutterstadt keine Kriminalitätsschwerpunkte oder Serien von Fällen gegeben habe. „So wurden an der Neuen Pforte vier Straftaten verzeichnet, darunter eine Beleidigung und eine Sachbeschädigung“, sagt Hinze. Am Palatinum waren fünf Straftaten zu verzeichnen, „darunter aber keine Verstöße gegen das Waffen- oder Betäubungsmittelgesetz wie noch im Jahr zuvor“. Den Rückgang der Taten, etwa Vandalismus, führt Hinze auch auf die regelmäßige Präsenz des Kommunalen Vollzugsdienstes (KVD) zurück. Wobei er einschränkt, dass Ruhestörungen nicht in der Statistik auftauchen. Klaus Hübner, Leiter des Mutterstadter Ordnungsamts, bemerkte, dass es an der Neuen Pforte „ruhiger geworden ist“. Mit Zahlen konnte er das nicht belegen. Eine Statistik, wie oft und warum Bürger den KVD gerufen haben, soll nachgereicht werden.

Betrug mit der Liebe

Bei den Betrugsfällen (2021: 106; 2022: 100) nahmen die Betrügereien von angeblichen Callcentern, die mit dem Enkeltrick oder Romance Skimming – Liebesbetrug im Internet – ihre Opfer locken, zu. 53 Fälle sind von Mutterstadtern angezeigt worden, zwei Betrüger waren erfolgreich. „Es entstand ein Schaden von über 40.000 Euro, das ist sehr schlimm für die Opfer“, sagt der Polizist. Die meisten Fälle können leider nicht aufgeklärt werden. Es gebe viele Präventionsmaßnahmen, „doch jeder, der Beratung braucht, kann sich an uns wenden“, appelliert Hinze und bittet, auch die erfolglosen Betrugsversuche der Polizei zu melden.

Des Weiteren wurde 2022 weniger in Wohnungen und Häuser eingebrochen als noch 2021. Die Zahl sank von 14 auf elf. Zum Vergleich: Im Jahr 2018 schlugen Einbrecher 34-mal zu. Auch hier weist Hinze darauf hin, dass die Polizei jeden berät, der sein Haus sicherer machen möchte. „Es ist aber auch so, dass man dann auch Geld in die Hand nehmen muss.“ Politisch motivierte Kriminalität gab es in der Gemeinde nicht, lediglich ein rechtsmotiviertes Graffiti an der Waldfesthalle.

Die Polizeiinspektion Schifferstadt ist zuständig für Schifferstadt, die Verbandsgemeinden Dannstadt-Schauernheim und Rheinauen (außer Otterstadt) sowie die Gemeinden Mutterstadt, Böhl-Iggelheim und Limburgerhof.

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