Rhein-Pfalz Kreis „Immer dieses Vertrösten“

/Ludwigshafen. Elke Schall, Ingrid Eberle, Gabriela Degenhardt, Karin Harzer und eine weitere Kollegin waren als Abordnung der Initiative Gute Kita vor wenigen Tagen bei Ministerin Irene Alt (Grüne) in Mainz zu Gast. Zum Abschied habe die Ministerin sie bestärkt, als „Stachel im Fleisch“ weiterzumachen. Die Forderungen, die die Kindertagesstätten-Leiter aus der Vorderpfalz stellen, die sich seit 2011 in der Initiative Gute Kita vernetzt haben, sind sehr konkret: mehr Personal in den Kindertagesstätten und kleinere Gruppen. Ein Beispiel: In einer sogenannten geöffneten Gruppe werden 25 Kinder (19 Drei- bis Sechsjährige und sechs Zwei- bis Dreijährige) rechnerisch von 2,25 Erziehern betreut. Die Vorstellung der Initiative: 15 bis 20 Kinder pro Gruppe, drei Stellen. Es ist zudem ein Anliegen der Initiative, dass es ausreichend Funktionsräume (für Musik, Kunst, Sport...) gibt, um die Erziehungs- und Bildungsempfehlungen des Landes auch umsetzen zu können. Die Mitglieder der Initiative wollen erreichen, dass es in den Kindertagesstätten eine ständige stellvertretende Leiterin (die auch dafür bezahlt wird) gibt und die Kita-Leiterinnen ganz für ihre Führungsaufgaben freigestellt werden. Ein Blick in die Vierer-Runde zeigt, dass die Freistellungs-Frage unterschiedlich gehandhabt wird – abhängig davon, in welchem Kreis die Kita ist und wer der Träger ist. Elke Schall, Leiterin der katholischen Kita St. Pankratius in Berghausen, findet: „Es müsste mehr festgeschriebene Standards geben.“ Viele Politiker und Entscheidungsträger zeigten Verständnis für die Forderungen der Erzieher-Initiative berichten die Frauen – aber dann schiebe doch jeder die Verantwortung auf den nächsten weiter. Es sind ja auch viele involviert: die Träger der Kindertagesstätten – Gemeinden, Städte und Kirchen –, die Kreise, das Land, der Bund. Gabriela Degenhardt, Leiterin der kommunalen Kita Hochstadt, sagt: „Das Tragische ist, dass keiner Stellung beziehen will. Immer dieses Vertrösten.“ Das Argument, es sei kein Geld da, überzeugt die Frauen nicht. „Es sind doch keine utopischen Forderungen. Es geht um die Kinder, die nächste Generation“, sagt Karin Harzer, Chefin der katholischen Kita St. Peter in Hochdorf-Assenheim. Die Forderungen nach mehr Personal sind die eine Seite. Auf der anderen Seite ist es für die Kita-Leiterinnen jetzt schon schwer, Erzieherinnen zu finden. Die Belastungen im Beruf führten bei jungen Menschen dazu, dass sie irgendwann das Handtuch werfen. Degenhardt sagt, das tue ihr weh: „Wenn man sieht, mit welcher Motivation sie kommen, und wie schnell die in den Keller geht.“ Und dann komme noch ein anderes Problem dazu, von dem Ingrid Eberle, Leiterin der protestantischen Kita Dietrich-Bonhoeffer-Zentrum in Ludwigshafen, berichtet: „Alleinstehende Erzieherinnen müssen nebenher noch was dazuverdienen.“ Apropos Geld: Der Kita-Schlichterspruch anlässlich des jüngsten Streiks ist für die Initiativen-Leute ein Witz: „Geht gar nicht“, sagt Schall. Ein Erfolg des Ministerinnen-Besuches ist, dass fünf Gute-Kita-Leute zu einem Fach-Kongress eingeladen wurden, der im September in Koblenz stattfindet. Es geht um ihr Thema: Qualität in der Kita. (snr)