Rhein-Pfalz Kreis Im vorderpfälzischen Traumjob

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Waldsee. Der freiwillige Polizeidienst war ein Modell in Baden-Württemberg, bei dem Interessenten nach einer Ausbildung im Schnelldurchgang ganz normal mit auf Streife gingen. Eine spannende Angelegenheit für Wolfgang Kühn, zumal er sich so sein Jurastudium in Mannheim und Heidelberg finanzieren konnte. Sein Revier war in der Mannheimer Neckarstadt, kein einfaches Pflaster. Vor körperlichen Auseinandersetzungen hatte der gebürtige Ludwigshafener keine Angst – als Träger des schwarzen Gurts in Karate. Allerdings habe er auch einige Male seine Pistole ziehen müssen. Aber: „Ich habe nie auf einen Menschen geschossen“, sagt Kühn. Beruflich ging es für den heutigen Waldseer nach dem Studium ins Bundesinnenministerium. Doch als er im Bonner Raum lebte, merkte er, wie verwurzelt er in der Vorderpfalz ist. „Das habe ich unterschätzt“, erinnert sich der 60-Jährige, der mit einer Kriminalbeamtin verheiratet ist. Nach Stationen als Staatsanwalt und bei der Stadtverwaltung Ludwigshafen kam er 1995 zur Verwaltung des Rhein-Pfalz-Kreises. Der Leiter des Rechtsamts sieht sich in seinem Traumjob, nicht zuletzt, weil er im mittleren Landkreis leben kann. Aber auch seine tägliche Arbeit findet er ungeheuer spannend. Seine Kenntnisse zur Amtshaftung, die er bei seiner Doktorarbeit erworben hat, könne er durchaus gebrauchen. Höhepunkte seien gewonnene Prozesse, wie zum Beispiel vor ein paar Wochen der Rechtsstreit mit dem slowakischen Tierhändler, dessen Transporter mit Welpen bei Schifferstadt verunglückt war. Dabei ging es um Kosten in Höhe von 22.000 Euro, die dem Kreis entstanden waren und die der Tierhändler jetzt erstatten muss. Vor allem in Erinnerung geblieben ist Kühn ein Erfolg vor ein paar Jahren vor dem Bundesverwaltungsgericht, nachdem er beim Oberverwaltungsgericht noch verloren hatte. Der Kreis lag in dieser Sache in Streit mit einem Mann, der eine riesige Waffensammlung aufgebaut hatte. Konkret wurde vor Gericht die Frage behandelt, ob gewisse Kenntnisse vorausgesetzt werden konnten oder ob der Mann sie nachweisen musste, wie der Rechtsamtschef berichtet. Über den gewonnenen Rechtsstreit freute sich Kühn besonders: „Da hatte sich die Arbeit gelohnt.“ Dennoch bemühe er sich nach Möglichkeit, Verfahren vor Gericht zu vermeiden und vorher zu einer Einigung zu kommen. Kühn ist 2012 mit seiner Frau nach Waldsee gezogen, davor haben die beiden 16 Jahre in Altrip gewohnt. „Wir haben dort keinen Bauplatz gefunden“, erklärt er den Umzug. Mental hat er den Wechsel ins Nachbardorf noch nicht komplett vollzogen. Im Gespräch rutscht ihm ein „Bei uns in Altrip...“ raus, was ihm immer wieder passiere, wie er lächelnd berichtet. Für ihn aber auch kein Wunder, schließlich sei er im Ort stark engagiert gewesen, nicht nur politisch. So stand er eine Zeit lang an der Spitze des TuS Altrip. 2003 kandidierte er in Altrip für den Posten des Bürgermeisters. Daran hat der Neu-Waldseer, der 1996 der SPD beitrat, aber keine guten Erinnerungen. Nicht so sehr, weil er in der Stichwahl deutlich gegen Jürgen Jacob verlor, sondern weil ein FDP-Ratsmitglied auf Handzetteln gegen ihn gehetzt habe. „Es war für mich erschütternd, dass man sich dagegen gar nicht so richtig wehren kann“, sagt Kühn. Zwar erreichte er vor Gericht eine einstweilige Verfügung gegen den FDP-Mann, aber manche hätten in ihm danach den „Prozesshansel“ gesehen. Kühns Konsequenz: „Ich habe mich entschlossen, danach für kein Amt mehr zu kandidieren, wo ich mich einer Urwahl stellen muss.“ Als Beigeordneter der neuen Verbandsgemeinde Waldsee wurde er von den Ratsmitgliedern ins Amt gewählt. Als Begründung für seine Kandidatur sagt Kühn: „Es ist reizvoll, eine neue Verwaltungseinheit vollständig aufzubauen.“ Als Geschäftsbereich wird er voraussichtlich das Ordnungsressort übernehmen, falls der Verbandsgemeinderat zustimmt. In seiner Verantwortung liegt dann also die Sicherheit auf den Straßen der Verbandsgemeinde – eine Aufgabe, die weniger heikel sein dürfte als die damals in der Neckarstadt.

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