Rhein-Pfalz-Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel IHK-Umfrage: Gute Noten für den Wirtschaftsstandort Rhein-Pfalz-Kreis

Die gute Anbindung ans Fernstraßennetz heben die Unternehmen als einen guten Standortfaktor für den Rhein-Pfalz-Kreis hervor.
Die gute Anbindung ans Fernstraßennetz heben die Unternehmen als einen guten Standortfaktor für den Rhein-Pfalz-Kreis hervor.

Der Rhein-Pfalz-Kreis steht als Wirtschaftsstandort gut da. Das geht aus einer Umfrage der Industrie- und Handelskammer Pfalz bei Unternehmen in den Landkreisen in der Pfalz hervor. In vielen Bereichen bekommt der Kreis viele Punkte. Die Umfrage zeigt aber auch deutlich die Schwachstellen zwischen Bobenheim-Roxheim und Mechtersheim auf.

„Allrounder unter den pfälzischen Landkreisen“ – das klingt doch gut, oder? Diesen Titel hat die Industrie- und Handelskammer (IHK) Pfalz dem Kreis nach ihrer ersten Standortumfrage unter den Unternehmen in den Kreisen der Pfalz vergeben. „Bislang haben wir uns auf die Städte konzentriert. Aber 60 Prozent der Unternehmen in der Pfalz sind in den Kreisen beheimatet“, sagte IHK-Geschäftsführer Jürgen Vogel bei der Vorstellung der Ergebnisse in Ludwigshafen. Insgesamt habe man rund 43.000 Unternehmen angeschrieben und 28 Standortfaktoren wie Infrastruktur, Verkehr, Arbeitsmarkt, Verwaltung, aber auch weiche Faktoren abgefragt. „Für die IHK ist es wichtig, zu wissen, wo der Schuh drückt“, betonte Vogel.

Rund 2600 ausgefüllte Fragebögen habe man zurückbekommen. „Damit sind wir zufrieden“, meinte Justine Markisch, Referentin für Planung und Standortentwicklung bei der IHK. Und im Großen und Ganzen kann man beim Blick auf die Ergebnisse sagen: Im Rhein-Pfalz-Kreis drückt der Schuh am wenigsten. Denn mit 6,7 Punkten (auf einer Skala von schlechtesten Wert eins bis zum besten Wert zehn) erreicht der Rhein-Pfalz-Kreis die beste Gesamtbewertung aller Kreise in der Pfalz. Schlusslichter sind die Kreise Südwestpfalz und Kusel (je 5,6).

62,5 Prozent der befragten Unternehmen im Rhein-Pfalz-Kreis würden sich auch jetzt wieder für diesen als Standort entscheiden. Gut 20 Prozent der Unternehmen bewerten die Entwicklung des Kreises in den vergangenen vier Jahren als negativ oder überwiegend negativ. Über 54 Prozent sehen keine Veränderung. Und knapp ein Viertel der Unternehmen sieht eine positive oder überwiegend positive Entwicklung.

Sehr gut schneidet der Rhein-Pfalz-Kreis bei sogenannten emotionalen Faktoren ab. Heimat, Familienfreundlichkeit, Sicherheit, Lebensqualität – in all diesen Bereichen erreicht der Rhein-Pfalz-Kreis im Schnitt über sieben Punkte. Weniger zufrieden sind die Unternehmen allerdings mit der Wirtschaftskraft (6,4) und der Innovationskraft (5,4).

Positiv ist aus Sicht der Unternehmen auch die Nähe zu den Kunden und Zulieferern (7,0). Allerdings hapert es den Firmen zufolge bei der Qualität der digitalen Infrastruktur (5,7) sowie bei der Verfügbarkeit von Gewerbeflächen (5,0) und Wohnraum (4,9). „Das kann uns nicht zufriedenstellen. Zumal diese Punkte von vielen als am relevantesten bewertet werden“, betonte Justine Markisch. Auch Jürgen Vogel stimmen diese Werte nachdenklich.

Sorgen bereitet Jürgen Vogel vor allem die Situation bei der digitalen Infrastruktur. Die Kritik der Unternehmen habe man zur Kenntnis genommen. „Das Land hat seine Hausaufgaben gemacht. Wir wollen auf kommunaler Ebene unterstützen“, sagte er. Er sei sich dessen bewusst, dass es bisweilen ein zähes Geschäft sei, was auch an den Anbietern, zum Beispiel für den Glasfaserausbau, liege.

Ein ähnliches Bild zeichnet sich beim Thema Verkehr ab. Während die Anbindung an das Fernstraßennetz mit 7,7 sehr gut abschneidet, sehen die Unternehmen im Kreis bei der Anbindung an den Öffentlichen Personennahverkehr (5,5), an den Schienenfernverkehr (5,2) und der Verfügbarkeit von Ladeinfrastruktur (4,9) noch deutlichen Nachholbedarf. Das gilt auch für die abgefragten Faktoren beim Thema Arbeitsmarkt. Verfügbarkeit von Fachkräften (4,7), Auszubildenden (4,6), die Zusammenarbeit mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen (4,9) sowie die Berufsorientierung an den Schulen (4,9) haben ebenfalls noch viel Luft nach oben. Gleichwohl liegen alle diese Werte über dem Durchschnitt.

Nicht zufrieden sind die Unternehmen auch, wenn es an die Themen Verwaltung, Wirtschaftsförderung und Kommunalpolitik geht. Bei den Punkten „Bearbeitungsdauer von Anliegen und Verfahren“ (4,5), „Kommunales Standortmarketing“ (4,5) sowie „Beratung und Unterstützung durch die Wirtschaftsförderung“ (4,1) bewegen sich die Werte der Umfrage lediglich auf dem pfalzweiten Durchschnitt.

„Die Unternehmen erwarten da keine Wunderdinge“, betonte Jürgen Vogel. „Aber sie brauchen einen Ansprechpartner für ihre Belange – Kommunikation, Transparenz und eine Hands-on-Mentalität.“ Letzteres bedeutet eine proaktive und pragmatische Einstellung, durch die Probleme angepackt und Lösungen gefunden werden. Gleichzeitig nahm er die Verwaltungen auch in Schutz. Die Anforderungen würden permanent höher werden, die Gesetze immer komplexer. „Es wird alles komplizierter. Und am Ende will keiner vor Gericht stehen.“

Markisch sprach auch noch ein anderes Problem an: „Es gibt teilweise sehr gute Angebote im Bereich Wirtschaftsförderung. Die Unternehmen bekommen es aber nicht mit.“ Womit man wieder beim Thema Kommunikation wäre.

Unterdurchschnittlich beurteilten die Firmen sogenannte weiche Standortfaktoren. Während die Einkaufsmöglichkeiten von Lebensmitteln und Drogerieprodukten mit 7,0 noch sehr gut abschneiden, ist man mit den „Einkaufsmöglichkeiten von anderen Produkten“ (5,9), dem „Betreuungsangebot für Kinder“ (6,3), dem Schulangebot (6,9), der Gesundheitsversorgung (6,0), die Aufenthaltsqualität der Ortsgemeinde (6,4) und der Klimafreundlichkeit (6,3) auf oder unter dem Durchschnitt. Über dem Schnitt bewertet werden das Betreuungsangebot für Senioren (6,1), das Freizeitangebot (6,7) und das Angebot für Jugendliche (5,6).

Die IHK will laut Jürgen Vogel nun auf die Verwaltung zugehen. In Sachen Rhein-Pfalz-Kreis ergibt sich da ein Sonderfall. „Wir werden uns sowohl mit dem derzeitigen Landrat Clemens Körner als auch mit seinem Nachfolger oder der Nachfolgerin unterhalten“, kündigt der Geschäftsführer an. Auch mit den Fraktionen im Kreistag wolle man ins Gespräch kommen. Im Einzelfall werde man auch das Gespräch mit Verwaltungen in den einzelnen Kommunen suchen. Dann darf man gespannt sein, was bei der nächsten Umfrage bei den Unternehmen in den Landkreisen herauskommt. Die soll jetzt turnusmäßig alle vier Jahre vorgenommen werden.

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