Rhein-Pfalz Kreis „Ich will ein Kümmerer sein“

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Herr Kukatzki, ein Sitz im Landtag als besonderes Weihnachtsgeschenk?

(Lacht) Man freut sich schon, sicher. Aber als Weihnachtsgeschenk würde ich es jetzt nicht betrachten. Sondern? Zusätzliche Aufgabe? Es ist eine neue Aufgabe, auf die ich mich sehr freue. Sind Sie aufgeregt? Ein bisschen schon. Aber der Reiz des Neuen überwiegt. Ein bisschen Lampenfieber muss sein? So ist es. Es wäre auch vermessen, keines zu haben, wenn man irgendwo neu hinkommt, die Strukturen noch nicht so kennt. Klar, ich betreibe Politik nicht erst seit gestern. Aber der Landtag ist schon was Neues. Wovor haben Sie denn am meisten Respekt? Nun ja, es gibt Personen, die halten sich für unfehlbar, glauben, dass neue Aufgaben ihnen keine Probleme bereiten. Aber ich bin ein Mensch, der sich immer hinterfragt, auch die eigenen Positionen. Ich habe mir das gut überlegt und bin mir sicher: Ich kann das. Den Job als Geschäftsführer der SPD in Ludwigshafen behalten Sie bei? Nur noch stark reduziert. Für die Zeit bis 2016 wird jemand anders zum Großteil die Stelle übernehmen. Aber ich bleibe mit ein paar Stunden erhalten und schaue nach dem Rechten. Haben Sie sich im Landtagsgebäude schon ein bisschen umgeschaut? Ja, ich bin ja nicht das erste Mal dort, war schon mit Besuchergruppen regelmäßig bei Sitzungen. Ich weiß, wie das Plenum aussieht. Und Sie wissen auch schon, wo Ihr Büro ist? Das Wahlkreisbüro wird bis 2016 in Ludwigshafen bleiben. Da mieten wir uns übergangsweise ein. Danach vielleicht etwas in Mutterstadt, Limburgerhof oder Böhl-Iggelheim. Und in Mainz kennen Sie Ihr neues Domizil auch? Ich bekomme das Büro von Günther Ramsauer. Sie haben noch nicht probegesessen? Doch, das habe ich schon. Das ist ein Büro mit schönem Blick auf den Landtag und auf den Rhein. Wie oft werden Sie in Mainz vor Ort sein? Dienstag, Mittwoch, Donnerstag. Da sind Arbeitskreise, Ausschusssitzungen, Plenum – das sind die klassischen Tage. Sie haben schon die ersten Termine? Ja, obwohl ich noch gar nicht richtig angefangen habe, hab ich fürs neue Jahr schon 60, 70 Termine. Schauen Sie mal. (Blättert in seinem kleinen Kalender) Der Januar ist schon reichlich gefüllt. Merken Sie schon den Unterschied, wie sich Ihr Leben verändern wird? Ich mache – scherzhaft ausgedrückt – seit gut drei Jahren ein Praktikum bei Hannelore Klamm. Der ganze Übergabeprozess war sehr harmonisch. Wir haben gemeinsam Termine gemacht, um das schon mal kennenzulernen. Dann fängt man nicht bei Null an. Ich bin zwar nicht ganz unbekannt, aber das ist jetzt doch eine andere Sache. Sie hat mich dann auch schon vorgestellt als ihren Nachfolger. Man bewegt sich ja auch nicht nur hier im engeren Raum. Auf einmal ist man dann in Ahrweiler oder irgendwo in der Eifel oder im Hunsrück. Und da ich jetzt weiß, in welchen Ausschüssen ich bin, ergeben sich automatisch die Termine. Wollen Sie die Ausschüsse jetzt wissen? Ja, gerne. Wirtschaft, Klimaschutz, Energie und Landesplanung – kurz Wirtschaftsausschuss. Umwelt, Forsten, Landwirtschaft, Ernährung und Weinbau, und der dritte ist der Unterausschuss Energiewende. Vertreter bin ich im Petitionsausschuss, Integrationsausschuss sowie Justiz und Verbraucherschutz. Entsprechend werde ich auch Arbeitsschwerpunkte setzen. Wir sind das größte Gemüseanbaugebiet Deutschlands. Der Kreis ist ständig am Wachsen. Das kommt nicht von ungefähr. Unsere Infrastruktur ist sehr gut. Wir müssen dafür sorgen, dass das so bleibt. Dazu will ich einen kleinen Beitrag leisten. Würden Sie beim CDU-Kollegen Johannes Zehfuß auch mal auf dem Traktor mitfahren? Ich liebe Traktoren. Selbstverständlich, wenn er mich lässt. Haben Sie sich denn bei den Kollegen in der Fraktion schon vorgestellt? So nach dem Motto: Hallo, ich bin der Neue ... Ich kenne sicherlich schon gut die Hälfte der Fraktion. Und die andere Hälfte wird Sie kennenlernen? (Lacht) Ja, genau. Wissen Sie schon, wo Sie im Plenarsaal Platz nehmen dürfen? Nein, keine Ahnung. Das ist wahrscheinlich wie im Bus: Nur nicht auf dem Platz sitzen, den schon jemand eingenommen hat. Wo man am Anfang einsteigt, das ist der Platz bis zum Ende der Reise. So wird’s im Landtag auch sein. Die Reise soll 2016 im Landtag noch nicht zu Ende sein? Nein. Das ist auf jeden Fall mein politisches Ziel. Aber das hängt nicht nur von mir ab. Das hängt von vielen Faktoren ab. Demokratie ist mühsam. Man wird ja nicht einfach ernannt. Ende 2015 ist Landesparteitag. Da wird die Landesliste aufgestellt. Dafür müssen erst Delegierte gewählt werden. Dazu noch Wahlkreiskonferenzen. Ich muss mich als Wahlkreiskandidat bewerben. Das habe ich vor. Aber es können sich natürlich auch andere Leute bewerben. Dann müssen Sie schauen, ob Sie auch beim Wähler Anklang finden. Es gibt zwei Möglichkeiten: Sie haben einen tollen Platz auf der Landesliste, oder Sie gewinnen das Direktmandat im Wahlkreis. Das hat Hannelore Klamm ja bei der letzten Wahl an Johannes Zehfuß verloren. Genau. Ich glaube, da kam es auf etwa 100 Stimmen an ... Ich denke, es ist nicht ausgeschlossen, dass wir diesen Wahlkreis wieder gewinnen können. Ich werde das Feld auf jeden Fall beackern. Ich will ein fleißiger Abgeordneter sein. Ich will ein Kümmerer sein. Laden Sie zum Einstand die Fraktion zum Rettichessen nach Schifferstadt ein? Ein reizvoller Gedanke. Aber ich glaube, ich lade die Mitglieder dann lieber in den Wahlkreis ein. Da gibt es ja auch schöne Feste. Malu Dreyer kennt Sie auch schon? Wir haben uns schon öfter bei Veranstaltungen gesehen. So richtig kennen? Ich glaube nicht. Ich nehme an, dass jeder Neuling in der Fraktion mal mit ihr ins Gespräch kommen wird. Sind Sie froh, dass Sie erst nach dem großen Gewitter in den Landtag kommen? Etliche Minister mussten vor ein paar Wochen ihren Hut nehmen ... (Denkt kurz nach) Also, ich glaube, das hätte keinen Unterschied gemacht. Ich wäre genauso überrascht gewesen wie alle anderen auch. Das war eine gewaltige Umwälzung. Sie hat das ja auch erklärt auf dem Landesparteitag. Weder das Leben noch die Politik ist ein Ponyhof. Man kann sich nicht nur die angenehmen Seiten raussuchen. Das war eine Art Befreiungsschlag. Jetzt können wieder andere Themen als der Nürburgring in den Schlagzeilen stehen. Dass Sie bei Johannes Zehfuß auf dem Traktor mitfahren würden, haben wir geklärt. Wie schaut’s da mit Fahrgemeinschaften nach Mainz aus? Axel Wilke und Anne Spiegel wohnen bei Ihnen ja auch quasi um die Ecke. Weiß ich noch gar nicht. Ich werde aber wahrscheinlich viel mit dem Zug fahren. Es gibt ja gute Verbindungen. Sie sind aus dem Schifferstadter Stadtrat ja dafür bekannt, dass Sie verbal durchaus auch austeilen können. Werden wir Sie im Landtag auch angriffslustig erleben? Es ist wichtig, dass man im Leben wie in der Politik authentisch ist. Alles andere ist Firnis oder Lack. Und das merken die Leute auch ziemlich schnell. Ich werde nicht meine Grundnatur aufgeben. Ich kann gut zuhören, ich kann aber auch meine Meinung vertreten. In Mainz werde ich mich aber erst mal orientieren. Hoppla, jetzt komme ich – das ist nicht so mein Ding. Ich versuche, deutlich zu sein, aber nicht unfreundlich. Mal muss man mit dem Florett agieren, mal mit dem schweren Säbel. Sorgen Sie auch mal dafür, dass Roger Lewentz nach Schifferstadt kommt? Och, wenn das gewünscht wird, dass er kommt, kann ich ihn bestimmt mal fragen. Ich glaube nicht, dass er Bammel hat. Es war in den vergangenen Jahren sehr häufig gewünscht. Um sich die gute Zweitverwendung des Bereitschaftspolizeigeländes anzuschauen? Zum Beispiel. Mit Vergnügen.

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