Rhein-Pfalz Kreis „Ich mag das Wort Regionalkrimi nicht“

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Dem Thema Zwangsprostitution widmet sich Wolfgang Burger in seinem aktuellen Krimi „Tödliche Geliebte“. Am Donnerstag, 23. April, stellt er den elften Band seiner Reihe um Alexander Gerlach, Kriminaloberrat und Chef der Kriminalpolizei Heidelberg, in der Gemeindebibliothek Mutterstadt vor. Im Gespräch erzählt der 62-Jährige, warum er die Kategorie Regionalkrimi nicht mag und wie er zum Schreiben kam.

Herr Burger, Sie waren gerade ein paar Tage in Wien. Darf Ihr Kommissar Alexander Gerlach demnächst in Österreichs Hauptstadt ermitteln?

Nein, das nicht, aber Wien ist eine tolle Stadt. Die Stimmung dort ist sehr entspannt und nicht so hektisch wie in anderen Großstädten. Vielleicht sollte ich mir das doch noch einmal überlegen, immerhin könnte ich die Recherchereisen von der Steuer absetzen (lacht). Sie haben Elektro- und Medizintechnik studiert. Wäre es da nicht naheliegender gewesen, Science-Fiction-Romane zu schreiben anstatt Krimis? Da haben Sie recht, aber Science-Fiction hat mich noch nie wirklich interessiert. Wenn ich mich für dieses Genre entschieden hätte, dann hätte ich den Anspruch gehabt, das ernsthaft und anspruchsvoll zu machen. In technischer Hinsicht hätte ich nie vollkommenen Blödsinn erfinden können, insofern ist technisches Unwissen dafür wohl besser (lacht). Aber auch bei den Krimis habe ich den Maßstab, dass es logisch sein muss. Es darf keine Logiklöcher geben. Außerdem hat mich Psychologie schon immer sehr interessiert und die Frage, wie Menschen zu Tätern oder Opfern werden. Das fasziniert mich beim Schreiben immer noch am meisten. Sie arbeiten am Karlsruher Institut für Technologie. Wie kamen Sie dazu, Bücher zu schreiben? Mittlerweile habe ich meinen Job gekündigt und werde mich bis zur Rente ganz dem Schreiben widmen. Bis dahin war es aber ein langer Weg, und ich kann mich sehr glücklich schätzen, jetzt vom Schreiben leben zu können. Ich habe in der Mitte meines Lebens einfach gemerkt, dass ich noch etwas anderes als Technik machen möchte. Mit der Zeit wird das alles etwas ermüdend und so habe ich beschlossen, die Schreiberei auszuprobieren. Da mich Krimis schon immer begeistert haben, dachte ich mir, das könnte ich auch mal ausprobieren. Das klingt jetzt ziemlich einfach. Bis zum erfolgreichen Krimiautor war es aber bestimmt ein schwieriger Weg, oder? Auf jeden Fall. Für mein erstes Manuskript habe ich nur Absagen erhalten. Da habe ich gemerkt, dass kreatives Schreiben etwas ist, das man handwerklich lernen muss. Ich habe mir dann Ratgeber gekauft und an Schreibtreffs teilgenommen. Das überarbeitete Manuskript konnte ich dann bei einem kleinen Verlag unterbringen, der aber kurz darauf Pleite gegangen ist. Das lag aber nicht an Ihrem Buch? (lacht) Nein, aber ein Buch konnte den Verlag eben auch nicht retten. Ich bin dann weiterhin auf eine Ochsentour gegangen und habe verschiedene Verlage angeschrieben. Dabei wurde mir schnell klar, dass ich zu einem größeren Verlag möchte, da ich wollte, dass meine Bücher nicht nur in Mannheim, Heidelberg und Karlsruhe gelesen werden, sondern auch in Berlin und Hamburg. Natürlich werden die Krimis in der Kurpfalz gut verkauft, aber mit diesen Zahlen allein schafft man es nicht auf die Spiegel-Bestsellerliste. Sich mit Regionalkrimis bundesweit eine Leserschaft aufzubauen, ist aber nicht so einfach... Im Grunde ist jeder Krimi ein Regionalkrimi, weil er ja in irgendeiner Stadt spielen muss. Das gilt auch für ausländische Krimis, dann sind die Werke von Donna Leon oder Henning Mankell auch alle den Regionalkrimis zuzuordnen. Ich mag das Wort Regionalkrimi einfach nicht. Auch wenn sich meine Bücher in der Kurpfalz am besten verkaufen, zähle ich sie nicht zu dieser Kategorie. Warum haben Sie als Handlungsorte Karlsruhe und Heidelberg ausgesucht? Aus Faulheit, da kannte ich mich aus und musste nicht viel reisen (lacht). Außerdem war es gerade die Zeit, ab der Krimis auch in Deutschland spielen durften. Das war ja lange nicht gefragt und Deutschland hat sich da lange schwer mit getan. Aber mittlerweile brauchen sich deutsche Autoren nicht mehr hinter den Kollegen aus dem Ausland zu verstecken. Es hat sich viel getan und Krimis sind heutzutage ein ernst zu nehmendes Genre. Ein guter Krimi ist ja immer auch ein Drama. Lesen Sie selbst viele Krimis? Ja, ich bin ein echter Vielleser. Meistens lese ich drei Bücher gleichzeitig. Auf dem Nachttisch liegt zum Beispiel immer eins. Sie haben eine Reihe um Kommissar Alexander Gerlach aufgebaut. Wollten Sie das von Anfang an? Ja, das war von Anfang an mein Plan. Zumal Verlage es auch gerne haben, wenn man Reihen verfasst, denn mit der Veröffentlichung eines Buchs steigern sich meist auch die Verkaufszahlen der ersten Bände. Man bekommt eben neue Leser hinzu, die dann wissen möchten, wie es am Anfang war und dann tapfer die ganze Reihe kaufen. Insofern kann man sich etwas Besseres kaum vorstellen, denn welches Buch ist auch noch nach zehn Jahren plötzlich wieder gefragt? Hat sich Ihr Hauptprotagonist über die Jahre stark verändert? Eigentlich nicht so stark. Anfangs war er ganz neu in Heidelberg, mittlerweile hat er sich eingelebt und auch seine Töchter durch die Wirren der Pubertät gebracht, aber eine große Entwicklung hat er eigentlich nicht durchlaufen. Das liegt auch daran, dass die Zeit in den Büchern nicht so schnell voranschreitet. Bis zum elften Buch sind gerade mal zwei Jahre in der Handlung vergangen. Ich wollte das Familienleben mit seinen beiden Töchtern ausgiebig beschreiben und das wäre nicht möglich gewesen, wenn die Zeitspanne immer ein Jahr betragen hätte, denn dann wären die Zwillinge schon längst aus dem Haus. Dienen Ihnen bezüglich des Familienlebens Ihre eigenen Töchter als Vorlage? Klar, ich dachte mir, dass ich über etwas schreiben muss, das ich auch kenne. Mir ist aufgefallen, dass Kommissare in Büchern oft keine Kinder haben, meist weil eben auch der Autor keine Familie hat. Ich habe beschlossen, dieses Wissen zu nutzen. Meine Töchter, die mittlerweile alle erwachsen sind, haben oft gelacht, wenn sie Dialoge, die sie geführt haben, in den Büchern wiedergefunden haben.

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