Rhein-Pfalz Kreis „Ich liebe die Sieglinde“

BOBENHEIM-ROXHEIM. „Zwischen Rhein und Reben – so wird in der Vorderpfalz gekocht“ – das ist der Titel eines eintägigen Volkshochschulseminars mit Gerd Schulz in Bobenheim-Roxheim. Wir haben uns mit dem 54-jährigen Koch, der in der Großküche der Werkstatt für Behinderte in Ludwigshafen-Maudach arbeitet, unterhalten. Über vorderpfälzische Küche, seine Begeisterung für Kochkurse und regionale Produkte.
Warme Roulade von Lachs und Zander und Kürbiscremesuppe nach einem Rezept aus Römerberg und ein Kürbisragout aus Schifferstadt. Als Hauptgang gibt’s „Pälzer Keschdegemies“ nach einer Idee aus Schifferstadt mit Schweinsbäckchen in Dornfeldersoße (Römerberg) und Speyerer Brezelknödel. Schweinsbäckchen? Ja, das ist der Kaumuskel vom Schwein, schönes, mageres Muskelfleisch, eine fast vergessene Delikatesse. Früher hatte das jeder Metzger vorrätig, heute muss man es extra bestellen. Die Schweinsbäckchen landen heutzutage mangels Nachfrage leider meistens in der Wurst. Und was sind Brezelknödel? Die werden gemacht wie Semmelknödel, aber aus altbackenen Speyerer Brezeln. Sie passen wunderbar zu den Schweinsbäckchen. Fehlt aber noch was Süßes… Zum Beispiel ein Pfälzer Rieslingkuchen: Mürbeteig mit einem Weinpudding aus einheimischen Äpfeln und Vanillezucker. Den bringe ich aber fertig mit wegen der langen Backzeit. Sie sind gelernter Koch und arbeiten in der Catering-Branche. Was reizt Sie, in ihrer Freizeit auch noch Kochkurse zu geben? Wir machen in Maudach Catering für Schulen und Kindergärten, täglich etwa 300 Essen. Da ist viel vorgegeben, alles muss immer funktionieren. In meinen Kochkursen kann ich dagegen ein Stück weit kreativ sein. Ich habe die Gerichte aus dem Vorderpfalz-Kochbuch zuvor noch nicht gekocht und lasse die Kursteilnehmer auch alles selbst zubereiten. Das gibt auf beiden Seiten eine Art Premierenkitzel. Sie sind kein gebürtiger Vorderpfälzer – was schätzen Sie an der Küche dieser Region? Ich komme von der Schwäbischen Alb, lebe aber seit langem in Waldsee. Regionale Pfälzer Küche ist mehr als Saumagen. Den gibt’s übrigens nicht in meinem Kochkurs. Mich reizen da eher die weniger landläufigen Rezepte mit saisonalen Zutaten. In meinen Frühjahrskursen verarbeite ich gern Spargel und Erdbeeren, jetzt sind Kastanien und Äpfel dran – und Wein. Was bedeutet Kochunterricht für Sie? Ich unterrichte sehr gerne. 2001 habe ich meinen ersten Kochkurs gegeben und am 7. Oktober in Böhl-Iggelheim meinen 200. Außer den Rezepten vermittle ich gerne handwerkliche Techniken für effektives, kraftschonendes Arbeiten in der Küche. Die Teilnehmer lernen bei mir die Basics, etwa wie man ein Messer hält und eine Zwiebel klein schneidet, ohne dass sie zerdrückt wird und alles auseinanderfällt. Oder wie man eine Orange filetiert. Freuen Sie sich auf Bobenheim-Roxheim? Auf jeden Fall. Ich habe in der Küche der Realschule plus schon früher Kurse gegeben. Dann gab es eine Pause, die Technik musste erneuert werden. Der Vorderpfalz-Kochkurs ist sozusagen der Wiedereinstieg mit neuer Küchenausstattung. Ich bin gespannt. Was ist Ihr Lieblingsessen? Ganz einfach Pellkartoffeln mit frischem Kräuterquark. Aber es muss französischer Quark sein, der ist cremiger als der deutsche und kratzt nicht so im Hals. Meine Lieblingskartoffel ist die Sieglinde. Die war mal vom Markt verschwunden, kommt jetzt aber zum Glück wieder.