Rhein-Pfalz Kreis „Ich habe mich nicht geändert“

DUDENHOFEN. Jürgen Creutzmann wird am Sonntag 70 Jahre alt. Rechnet der Dudenhofener FDP-Mann seine Zeit im Verbandsgemeinderat, Kreistag, Ortsgemeinderat, Landtag, Bezirkstag und Europaparlament zusammen, kommt er auf 114 Jahre. Der ehemalige Landtagsvizepräsident ist heute noch Mitglied im Kreistag, Orts- und Verbandsgemeinderat. Seinen Geburtstag feiert Creutzmann mit seiner Familie im Schwarzwald.
Meine Frau und die Familie. Ich bin fast 49 Jahre verheiratet. Das ist ein Glücksfall. Sie können Politik ehrenamtlich nicht machen, wenn die Familie Sie nicht unterstützt. Und was war Ihre größte Enttäuschung? Wahlniederlagen zehren schon an einem. Aber manchmal kann man auch nichts dafür: Ich kam 2009 ins Europaparlament, weil die FDP einen Hype hatte. Die FDP kam bei der Landtagswahl 2011 nicht rein, weil wir down waren. Die Leute hatten eine Stinkwut auf die FDP, da können sie vor Ort noch so viel strampeln, das nützt nichts. Aber insgesamt kann ich mich nicht beklagen: Ich danke dem Herrgott, dass ich gesund bin und viel erreicht habe. Sie waren als Landtags- und Europaabgeordneter auf dem größeren Parkett unterwegs, jetzt sind Sie nur noch in der Kommunalpolitik aktiv. Sind Sie ins Loch gefallen, als die große Politik vorbei war? Ich bin nicht ins Loch gefallen. Wenn man mit 69 Jahren ausscheidet, dann sage ich: Es gibt vor dem Tod noch ein Leben. Ich habe noch drei kommunale Mandate, mein Terminkalender ist sehr gut ausgefüllt, und ich habe als Landesschatzmeister der FDP noch genug zu tun. Nächstes Jahr ist Landtagswahl, die FDP soll nach neuesten Umfrageergebnissen wieder in den Landtag kommen. Was ist Ihr Part im Wahlkampf? Ich muss für den Landtagswahlkampf 200.000 Euro Spendengelder akquirieren. Das ist machbar. Wie macht man das? Sie müssen Privatleute ansprechen. Mit welchen Inhalten will die FDP im Landtagswahlkampf punkten? Unsere Agentur Heimat aus Berlin ist sehr, sehr pfiffig und hat uns eine schöne Konzeption gemacht. Einer der Slogans ist: „Schauen wir nach vorne“. Wir werden nicht die ganzen Skandale, Nürburgring und so weiter, wieder aufwärmen. Das erste Thema ist die frühkindliche Bildung, damit müssen wir schon im Kindergarten-Alter anfangen. Das zweite Thema wird die Infrastruktur sein, gut ausgebaute Straßen sind das A und O. Zur Infrastruktur gehört auch schnelles Internet in ländlichen Räumen. Und dann natürlich das Thema Haushalt, ein klassisches Thema der FDP. Die Kommunen sind völlig unterfinanziert. Das Land hat sich schon immer zu Lasten der Kommunen refinanziert, fairerweise muss man aber sagen: Auch als wir dran waren, war das so. Zurück nach Dudenhofen und Ludwigshafen: Im Orts- und Verbandsgemeinderat und im Kreistag teilen Sie mitunter kräftig aus. Können Sie auch einstecken? Wenn man austeilt, muss man einstecken können. Vielleicht ist es manchmal mein Fehler, dass ich zu emotional bin. Kritik in der Sache: ja. Persönlich: nie. Ich will niemanden persönlich kränken, wenn ich das tue, tut mir das hinterher immer leid. Und ich entschuldige mich schon auch dafür. Es gibt einen kleinen Fehler: Ich bin mit meiner Stimme relativ laut. Ich muss Obacht passen, dass der Tonfall nicht aggressiv wird. In der Redaktion gibt es Ordner mit Artikeln von Ratssitzungen in den 1970er und 1980er Jahren. Die Sprache in den Sitzungen war früher viel deftiger. Sind Sie noch aus der „alten Zeit“? Ich habe mich halt nicht geändert. Ich versuche, authentisch zu bleiben, ich spitze gerne zu. Das schätzen die Leute. Warum sind Sie überhaupt noch in den Räten und im Kreistag? Es gibt keine Parlamente, wo Sie als Individuum so viel bewegen können wie im Europaparlament und im Kommunalparlament. Weder im Landtag, noch im Bundestag können Sie für die Bürger vor Ort so viel erreichen, egal ob es um Verkehr oder einen Rasenplatz geht. Bei der Kommunalwahl 2014 bin ich für den Ortsgemeinderat vom letzten Platz der Liste auf Platz eins gewählt worden. Dann können Sie nicht sagen: Ich mache das nicht. Wenn Sie dem Wähler ein Angebot machen, müssen Sie das Mandat auch annehmen. Für den Verbandsgemeinderat und den Kreistag stand ich auf Platz vier und bin auf Platz eins gelandet. Und Sie sind für die Wahl zum Dudenhofener Ortsbürgermeister angetreten, 28 Prozent wählten Sie. Ich habe mich nirgends vorgedrängt, ich bin gefragt worden. Wir wollten den Wählern eine Alternative zu Herrn Eberhard anbieten. Dann habe ich kandidiert, von SPD und Grünen kam dann aber keine Unterstützung. Es war ein achtbares Ergebnis. Welche Grundsätze politischen Handelns halten Sie hoch? Auch Abgeordnete sind Menschen, sie repräsentieren die Bevölkerung. Es gibt faule und fleißige, anständige und unanständige. Es gibt zwei Grundsätze: Ich lüge die Leute nie an. Denn es kommt immer alles raus. Und das zweite: Ich war immer unabhängig. PPP – Penne, Parlament, Pension – ist falsch. Denn das Parlament ist nicht das Leben. Sie müssen unabhängig sein, dann können Sie den Mund aufmachen. Wenn Sie abhängig sind, können Sie keine Politik betreiben. Deswegen habe ich auch bis 2006 bei der BASF gearbeitet.