Rhein-Pfalz Kreis „Ich bin nicht die Monroe“

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Mutterstadt. „Begegnungen – Musical trifft Klassik“ heißt das Konzert, mit dem Weltstar Angelika Milster am Freitag, 24. April, 19.30 Uhr, in der evangelischen Kirche in Mutterstadt gastiert. Im Interview spricht die Sängerin über ihren Song „Memories“, die Faszination, Musikstile zu verbinden, und über die Dinge im Leben, die ihr Kraft geben.

Frau Milster, wie viele Frauen mit großen Stimmen werden auch Sie oft als Diva bezeichnet. Sind Sie eine Diva?

Im positiven Sinne schon. Ich bin sehr diszipliniert in meinem Beruf und habe großen Respekt vor der Kulturgeschichte. Diven sind ja immer etwas Besonderes. Und auch ich habe mich nie in eine Schublade stecken lassen. Diven wird aber auch oft nachgesagt, sie wären eine Zicke, aber das ist ja Quatsch. Mein Publikum hat mich als Diva bezeichnet, und darum ist das für mich eine Auszeichnung. Als ich ihre Biografie las, dachte ich: Frau Milster muss ein Dilemma haben. Sie schauspielern in verschiedenen Bereichen: im Theater, im Film oder in TV-Serien – sowohl in komischen als auch in ernsten Rollen. Sie machen Kabarett. Sie singen viele Stilrichtungen: Musical, Schlager, Volkslieder, Pop, Klassik und Sakrales. Wie schaffen Sie es, all diese Talente adäquat auszuleben? Indem ich sehr bodenständig lebe. Und indem ich nicht nur ständig in mich hineinhorche, sondern die anderen Menschen um mich herum wahrnehme, beobachte und auf sie eingehe. Man muss berührbar bleiben. Die Kraft, in all diesen Bereichen zu arbeiten, gibt mir mein Zuhause. Obwohl ich mir die Frage nach der Kraft eigentlich gar nicht so stelle. Ich packe es einfach an und bin eben keine Memme. (lacht) Ich gehe da schon an meine Grenzen. Aber mein Umfeld, insbesondere mein Mann, passen da sehr auf mich auf. Zuhause putze ich gern zum Ausgleich, so richtig mit Gummi im Haar. (lacht) Das ist immer ein lustiges Bild. Hört man den Namen Angelika Milster, hat man sofort die Melodie von „Memories“ aus dem Musical „Cats“ im Ohr. In diesem spielten Sie die Hauptrolle: die Grizabella. War das die Rolle ihres Lebens? Das würde ich nicht sagen. Es war eine Rolle, die mich bekannt gemacht hat, und mit der ich mich als Sängerin in den Medien etablieren konnte. Die Rolle meines Lebens kann vielleicht noch kommen. Ich möchte mich da noch nicht festlegen. Es ist ja leider auch oft so, dass Künstler von den Medien in eine Schublade gesteckt werden. In den 80ern wurde ich zum Beispiel als die deutsche Monroe betitelt, weil ich blond war und roten Lippenstift trug. Die Medien sind in dieser Hinsicht so faul. Sie sollten die Künstler besser so nehmen und tragen, wie sie sind. Ich bin nicht die Monroe, ich bin Angelika Milster. „Memories“ – das Lied werden Sie auch beim Kirchenkonzert in Mutterstadt singen. Hand aufs Herz: Mögen Sie das Lied noch – so oft wie Sie es schon gesungen haben? Der Song gehört zu meinem Leben. Er ist sehr schwer zu singen. Ich bin immer so glücklich, wenn er rübergekommen ist und angenommen wird. Und wenn ich ihn auf der Bühne singe, zählt nur der Moment, in dem ich mit meiner Musik eine Geschichte erzähle. Der Titel des Kirchenkonzerts in Mutterstadt ist „Begegnungen“. Was war Ihre „Begegnung“, die Ihr Leben nachhaltig verändert hat? Mein Mann. Wir haben uns bei „Cats“ kennengelernt, er war dort Chefdirigent und musikalischer Leiter. Es kam damals beides zusammen. Sie könnten mit Ihren Auftritten eigentlich Konzertsäle füllen, dennoch geben Sie schon seit zehn Jahren immer wieder Konzerte in kleinen Kirchen. Warum? Sind Sie ein besonders gläubiger Mensch? Ich bin religiös und habe meinen Glauben. Das ist aber nicht der Grund. Ich mag die Atmosphäre und Intimität der Kirche und die Menschen, die in meine Kirchenkonzerte kommen. Das ist etwas ganz Besonderes. Bei den Konzerten werde ich meistens an der Orgel begleitet, manchmal auch am Klavier. Vor allem die sakralen Stücke klingen natürlich besonders schön in einer Kirche. Es ist eben ein besonderes Gefühl, dass ich gar nicht so genau beschreiben kann – wie in der Liebe. (lacht) „Musical trifft Klassik“ ist das Thema des Kirchenkonzerts. In Ihrer musikalischen Laufbahn haben Sie immer wieder Musikstile miteinander verbunden – Stichwort „cross over“. Was ist der Reiz dabei? Das Faszinierende ist die Herausforderung. Musik ist für mich das Spannendste, das es gibt im Leben: sich mit Tönen und Texten auseinanderzusetzen. Das Schwierigste daran ist aber, wenn man die Stimme dafür nicht hat und nicht ehrlich ist und es dann nicht sein lässt. (lacht) Man muss in diesem Beruf auch selbstkritisch sein. Um beiden Musikstilen gerecht zu werden, muss ich sehr fleißig sein und gut beobachten. Und ein Lied muss gut aufgebaut werden. Das ist viel Arbeit, für mich jedenfalls. Welche Wege haben Sie denn in den Rhein-Pfalz-Kreis nach Mutterstadt geführt? Das hat mein Management für mich organisiert. Es gibt eigentlich keinen bestimmten Grund. Ich spiele gern in kleinen Städten und Ortschaften, die Leute freuen sich einfach, wenn ich komme. Und welche Stücke werden die Konzertbesucher in Mutterstadt hören? Ich werde zum Beispiel „Amazing Grace“, „Sag mir wo die Blumen sind“, „Over The Rainbow“, Stücke von Andrew Lloyd Webber wie „Don’t cry for me Argentina“ oder „Wie soll ich ihn nur lieben“ aus „Jesus Christ Superstar“ singen. Aber auch das Ständchen „Leise flehen meine Lieder“ von Franz Schubert, „Ave Maria“ oder „In mir klingt ein Lied“ von Frédéric Chopin. Werden Sie Zeit haben, die Pfalz oder einen guten Pfälzer Wein zu genießen? Das weiß ich leider noch nicht. Aber natürlich kenne ich die Pfälzer Weine, ich mag ja eher die herben Weine. Nach dem Auftritt wird vielleicht ein wenig Zeit dafür sein.

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