Schifferstadt RHEINPFALZ Plus Artikel „Ich bin eine Rampensau“: Ein Prinz regiert die Schlotten

Damit alles läuft wie am närrischen Schnürchen, hat Timo I. sich ausgiebig auf das Prinzenamt vorbereitet.
Damit alles läuft wie am närrischen Schnürchen, hat Timo I. sich ausgiebig auf das Prinzenamt vorbereitet.

Mit Timo Blau alias Timo I. mit Sound im blauen Blut führt ausnahmsweise ein Prinz die KG Schlotte durch die Kampagne. Das ist keine Premiere, aber das erste Mal seit 1998/99.

Amtskolleginnen berichten an dieser Stelle oft, dass sie schon als Mädchen davon geträumt haben, eines Tages Prinzessin zu werden. Hat auch Timo I. seit Kindesbeinen den Wunsch gehegt, später einmal den närrischen Thron zu besteigen? Nein. Aber er sei schon seit über 20 Jahren der Fasnacht treu, erzählt der 32-Jährige. „Und nachdem ich mir das ein paar Jahre angeschaut hatte, war klar, dass ich Prinz werden möchte.“ Erreicht hat er dieses Ziel, indem er an die Vorstandschaft herantrat und einfach fragte, ob das möglich wäre. Der Rest ist Geschichte.

Was ihn daran gereizt hat? „Ich bin eine Rampensau und kann offen auf Menschen zugehen. Durch meine lange Tätigkeit in der Fasnacht kenne ich viele andere Fasnachter und habe gute Bindungen zu anderen Vereinen im Umland und sogar im badischen Raum. Da ich diesen Vereinsgedanken noch besitze, der leider immer mehr in Vergessenheit gerät, repräsentiere ich mit Stolz, Ehrgeiz und Frohsinn die Schlotten. Es macht so viel Spaß, und es sind schon jetzt tolle Freundschaften mit anderen Prinzessinnen entstanden.“

Beim Männerballett

Begonnen hat die Karriere des neues KGS-Regenten in der Garde, von der er sich über den Showtanz bis zum Männerballett, das er inzwischen trainiert, durchtanzte – ebenso die aktuelle Jugendtollität Nadja Blau alias Nadja I., die Tanzmariechen und sein Patenkind ist. Darüber hinaus gehört Timo I. dem Elferrat an und fungiert bei eigenen Veranstaltungen als Haus- und Hoffotograf des Vereins.

Damit alles läuft wie am närrischen Schnürchen, hat er sich natürlich ausgiebig auf das Prinzenamt vorbereitet. Dazu habe er mit vielen früheren Tollitäten gesprochen. Auch der gesamte Vorstand habe ihm zur Seite gestanden und Fragen beantwortet. „Unser Großmogul Wilfried Külbs, Ehrensenatspräsident Hans Busch und unsere liebe Senatorin Marlein Bittner hatten ebenfalls stets ein offenes Ohr und einige Tipps auf Lager“, verrät er.

Die dieses Jahr eher kurze Kampagne schreitet zügig voran und nähert sich dem Ende. Zeit für ein erstes Fazit: Was war bisher sein schönstes Erlebnis als erster Mann an der Spitze des närrischen Hofstaats? „Mein Krönung“, sagt Timo I. Das sei ein emotionaler Abend voller Überraschungen gewesen. Was ihn die ganze Zeit gefreut hat, ist, dass seine Familie und Freunde hinter ihm standen. Das verwundert nicht, sind einige doch selbst bei den Schlotten aktiv. „Die Schwester meines Patenkinds ist unser Till, und ihre Mutter, meine Cousine, ist Elferratsanwärterin und begleitet uns immer.“ In dieser Kampagne hat der KGS-Prinz ein närrisches Jubiläum gefeiert: Am 3. Februar ist er 33 Jahre jung geworden.

Auch ein Mann braucht Outfits

Sein Beiname „mit Sound in blauem Blut“ lässt sich auf seine musikalische Ader zurückführen. Denn er singe und musiziere gerne. „Musik ist meine ständige Begleiterin“, erzählt Timo I. Sie ermögliche es ihm, viele Emotionen auszudrücken und seine Stimmung aufzuhellen. Das blaue Blut wiederum sei schlicht eine Anspielung auf seinen Nachnamen.

Ein Fasnachtsprinz besitzt einen vollen Terminkalender. Wie vereinbart er das mit seinem Beruf? „Ich arbeite bei Steffen Hoocks Hilfsdienst, der bei uns Ehrensenator ist. Meine Arbeitszeiten lassen sich mit all den Terminen gut koordinieren.“

Eine Tollität benötigt die passende Garderobe. Die umfasst im Fall des Schifferstadters drei Kostüme. Die Auswahl habe er nicht als schwierig empfunden: „Man muss nur wissen, was man möchte.“ Allerdings hatte er auch ebenso tatkräftige wie fachkundige Unterstützung. „Unsere Senatorin Carmen, meine Trainerkollegin Michelle und meine Cousine Tanja haben mir geholfen.“ Fündig wurde das Quartett in einem „kleinen süßen Geschäft“ in Mainz. Dabei habe er großen Wert darauf gelegt, dass die Kleidung zu seinem Wesen passt: „Ich bin bunt, stehe für Vielfalt, Inklusion und Toleranz, und so sollte natürlich auch mein Kostüm sein. Und Grün, die Vereinsfarbe der KGS, sollte es sein. „Die anderen zwei sind eher dezent gewählt für ruhigere Veranstaltungen.“

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