Dudenhofen RHEINPFALZ Plus Artikel Hungriger Gast im Advent: Wie die Landrys ein neues Familienmitglied bekamen

Wohnt bei den Landrys: Igel Milo hat mittlerweile Gewicht zugelegt.
Wohnt bei den Landrys: Igel Milo hat mittlerweile Gewicht zugelegt.

Das Wort Advent steht abgekürzt für „adventus Domini“, was „Ankunft des Herrn“ heißt. Es passt aber auch ganz gut zu dem, was unsere Familie in Dudenhofen vor ein paar Tagen erlebte: Unvorbereitet traf uns die „Ankunft“ eines Igel.

Das Wochenende stand vor der Tür, Wind und Regen wechselten sich in der frühen Dunkelheit am Abend ab. Mein Sohn Tim (7) und ich kamen gerade vom Einkauf nach Hause. Im Schatten der Eingangsbeleuchtung sahen wir mehr durch Zufall einen bewegungslosen, auf den ersten Blick sichtlich unterernährten Igel sitzen.

Ein Igel, um diese Jahreszeit, sollte er nicht eigentlich Winterschlaf halten? Im Sommer und frühen Herbst laufen sie oft auf der Suche nach Nahrung durch unseren Garten, sind aber deutlich größer als dieser kleine Findling.

Uns war sofort klar: Dieser Igel braucht dringend Hilfe, um Überleben zu können. Tim besorgte schnell einen kleinen Karton aus dem Haus, ich mir Lederhandschuhe. Vorsichtig setzten wir ihn in die herbeigeholte Kiste.

Zuerst gibt’s Katzenfutter, später Rührei

Jetzt musste schnell etwas Essbares für den Igel organisiert werden. Katzenfutter aus dem Supermarkt war um diese Uhrzeit die einzige Möglichkeit an Nahrung für den Igel zu kommen. Was würde dem Igel wohl schmecken? Die Variante mit Ente und Gourmetsoße las sich gut, wir entschieden uns aber doch lieber für die klassische Variante ohne alles. Für eine Nacht sollte für das Tier eine ausgediente Wäschebox als Notunterkunft reichen. Am nächsten Tag wollten wir es dann bei der Igelnothilfe abgeben und uns über die gelungene Rettungsaktion freuen.

Der neue Gast leistete in der Nacht ganze Arbeit, morgens war die Wasserschale umgeworfen, Essensreste mischten sich mit Hinterlassenschaften des Igels, Katzenfutterduft zog durch die Wohnung. Jetzt schnell ein Anruf beim Igel-Notdienst und alles wird wieder gut! In Haßloch erreichte ich die nächstgelegene Igelnothilfe. „Gutern Morgen! Wir haben heute Nacht einen abgemagerten Igel gefunden und würden ihn gerne in Ihre Obhut geben“, sagte ich. „Das ist leider nicht möglich“, erwiderte die freundliche Stimme am anderen Ende der Leitung. „Wir haben keinen Platz mehr und ich möchte Ihnen sagen, wahrscheinlich werden sie auch nirgendwo anders einen Platz für den Igel finden. Es wurden einfach zu viele Igel im Herbst abgegeben.“

Zweimal am Tag wird der Käfig gereinigt

Und jetzt? Mein Sohn ist begeistert: ein Igel zu Haus, wie schön! Ein Plan B muss her. Den Samstagnachmittag verbrachten wir damit, einen Käfig zu finden, handwerkten ein Igelhaus und besorgten die nötige Nahrung. Am Abend war sein Winterquartier einzugsbereit.

Der Igel is(s)t jetzt schon fast zwei Wochen bei uns. Wir haben uns auch schon ein wenig aneinander gewöhnt. Zweimal am Tag muss der Käfig gereinigt werden, sonst wäre der Geruch schon ziemlich unerträglich. Dazu gibt es dann gleich frische Nahrung. Der Igel – mein Sohn gab ihm den Namen Milo – schmatzt ganz schön was weg. Er mag neben Katzenfutter und getrockneten Mehlwürmern sehr gerne Rührei ohne alles. Echt wahr, ich mach einem Igel Rührei zum Frühstück! Heute steht die erste Gewichtskontrolle an, 700 Gramm. Er hat gut zugenommen, der Inhalt meines Geldbeutels nimmt parallel dazu ab. Ich hoffe, dass es ein mildes Frühjahr wird und wir unseren Gast dann mit viel Gewicht in die Freiheit entlassen können.

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