Rhein-Pfalz Kreis Hunger, Aberglaube und Terror
«Schifferstadt.» Kinder verhungern, Familien leben in extremer Armut, alte Frauen werden als Hexen aus der Dorfgemeinschaft verstoßen – es gibt viel Elend in Burkina Faso. Um zu helfen, ist in Schifferstadt der Freundeskreis Burkina Faso entstanden. Clarisse Kantiono berichtete im Pfarrzentrum Herz Jesu aus ihrer afrikanischen Heimat und konnte Spenden entgegennehmen.
Zum fünften Mal besuchte Clarisse Kantiono Schifferstadt. Hier ist mit dem Freundeskreis Burkina Faso ein Kreis von Unterstützern entstanden, der regelmäßig mit Zuwendungen, teils auch mit Sachspenden, versucht, die Not in dem westafrikanischen Staat zu lindern. Entstanden ist der Kontakt im Jahr 2005, als Jugendliche aus Burkina Faso zum katholischen Weltjugendtag nach Köln unterwegs waren und auf der Durchreise in Schifferstadt Station machten. Daraus entstand ein persönlicher Kontakt. So erfuhren die Schifferstadter auch von den sehr schwierigen Verhältnissen in Burkina Faso. Das Land liegt am Rand der Sahelzone und leidet oft unter lange anhaltenden Dürren. Das habe im vergangenen Jahr wieder dazu geführt, dass das Grundnahrungsmittel Hirse so teuer geworden sei, dass Menschen im Norden des Landes hungern mussten, berichtete Kantiono. Dank der Hilfen aus Schifferstadt konnte Hirse im Süden, wo besseres Klima herrscht, gekauft und verteilt werden. Drei Viertel der Menschen in Burkina Faso sind Analphabeten. Hier helfen Patenschaften, die Clarisse Kantiono vermittelt. Kinder erhalten dadurch Schulbücher und Schreibzeug und die Familie bekommt auch Hirse, damit die Grundversorgung gegeben ist und die Kinder nicht dafür arbeiten müssen. Clarisse Kantiono hat mit ihrem Mann außerdem ein Hilfezentrum aufgebaut. Hier werden unterernährte Kinder aufgenommen und versorgt. In der armen Landbevölkerung werden viele Kinder immer noch als Segen und Altersversorgung angesehen. Aber wehe sie sterben. Aberglaube ist in Burkina Faso nämlich auch heute noch weit verbreitet, wie Beispiele zeigen: Da gilt eine Frau, der nacheinander sechs Kinder gestorben sind, als Hexe, die ihre Kinder gefressen hat. Oft werden kleine Kinder vor der Tür des Hilfezentrums abgelegt – doch manche sind schon so geschwächt und krank, dass sie nicht mehr gerettet werden können, berichtete Kantiono. Der Freundeskreis Burkina Faso hat schon einiges erreicht, wie der Vorsitzende Gerhard Schackert sagte. Der Verein habe inzwischen rund 350 Mitglieder, auch über Schifferstadt hinaus. Er unterstützt nicht nur das Hilfezentrum, sondern hat auch den Bau einer Schule gefördert. Viele Patenschaften wurden durch ihn vermittelt. Aktuell helfe der Verein, eine Geburtsstation aufzubauen und zwei Hebammen auszubilden. Vier Trinkwasserbrunnen wurden bereits gebaut, ein weiterer sei geplant. Ein Manager eines Frankenthaler Pumpenherstellers berichtete, das Unternehmen spende sechs Wasserpumpen. Der Freundeskreis überreichte einen Scheck über 650 Euro, eine ältere Dame, die anstelle von Geburtstagsgeschenken um Spenden bat, brachte 750 Euro zusammen. Wie Schackert sagte, kommen alle Spenden durch den direkten Kontakt zu 100 Prozent vor Ort an. Clarisse Kantiono berichte dann über die Verwendung der Spenden. Auch die Paten bekommen regelmäßig Nachrichten über die Entwicklung ihrer Patenkinder und -familien. Clarisse Kantiono bedankte sich herzlich für die Spenden und überreichte dem Freundeskreis zur Erinnerung ein Bild, das ein afrikanischer Künstler ihrer Heimat gemalt hat. Die Situation in Burkina Faso sei immer noch schwierig. Eine neue Gefahr sei durch Terrorismus islamistischer Fundamentalisten entstanden. In der Hauptstadt Ouagadougou habe es bereits Terroranschläge gegeben. Kontakt Wer helfen will kann sich bei Gerhard Schackert unter der Telefonnummer 0160/96250806 oder per E-Mail an info@msc-new-energy.com. Blog: www.burkinafasoreise.wordpress.com. Spendenkonto: Kirchenstiftung Hl. Edith Stein, Verwendungszweck: Burkina Faso, IBAN: DE95 5455 0010 0190 0821 15, BIC: LUHSDE6AXXX