Mutterstadt
Hundeschwimmen: Die einen trauen sich nicht rein, die anderen wollen nicht wieder raus
Rauhaardackel Betty spaziert selbstbewusst durch den Eingang zum Freibad. „Wir machen heute unser Seepferdchen“, scherzt ihre Besitzerin. Eine Prüfung steht der anderthalbjährigen Hundedame zwar nicht bevor, aber eine Herausforderung ist der Besuch im Aquabella trotzdem. Schließlich ist Betty Schwimmneuling. Bereits zum zweiten Mal hat das Kreisbad zum Saisonabschluss am Sonntag das Freibad für Vierbeiner geöffnet. „Es wurde voriges Jahr sehr gut angenommen“, sagt Badleiter Pascal Forgerit, der auch seinen eigenen Hund dabei hat. Deshalb habe man entschieden, dieses Mal statt einzelner Zeitfenster durchgehende Öffnungszeiten anzubieten. Und über mangelndes Interesse können die Mitarbeiter nicht klagen.
Allein in den ersten beiden Stunden kommen mehr als 50 Fellnasen mit ihren Besitzern ins Freibad. Während einige über die Liegewiesen toben, zieht es die meisten gleich zum Wasser. Labrador Milka etwa ist kaum aus dem Becken herauszubekommen. Immer wieder wartet die ein Jahr alte Hündin aufgeregt darauf, dass das orangefarbene Frisbee geworfen wird, nur um dann ins kühle Nass zu hechten und das Spielzeug zu apportieren.
Es wird sogar geflirtet
Besitzerin Alessandra Sibio ist etwas überrascht. „Sie ist eigentlich sehr fixiert auf andere Hunde, aber heute gar nicht“, bemerkt die Frankenthalerin. Und das, obwohl so viele Artgenossen um sie herumwuseln. Einzig ihren Freund Toto beachtet Milka, zumal der sich gelegentlich ihren Frisbee schnappt. Überhaupt entpuppt der knapp drei Jahre alte Bully-Mix sich im Aquabella als geschickter Spielzeug-Dieb. Stolz bringt er seiner Halterin Sara Vitanza immer wieder Bälle, die er anderen Hunden im Wasser gemopst hat. Behalten darf er sie natürlich nicht. Vitanza war schon häufiger mit Toto beim Hundeschwimmen und geht mit ihm auch gerne an Seen. „Er kommt dann gar nicht mehr raus“, sagt die Ludwigshafenerin. Dass es auch im Schwimmbad mit so vielen Vierbeinern auf relativ kleinem Raum funktioniert, freut sie. „Die Hunde verstehen sich eigentlich alle ganz gut“, stellt sie fest.
Das heißt allerdings nicht, dass es nicht auch mal zu kleinen Streitereien und Gebell kommt. Hundekommunikation findet sowohl im Wasser als auch am Beckenrand statt. Und geflirtet wird ebenfalls. Bei so einer großen Auswahl an netten Artgenossen möchte so mancher Hund gerne Freundschaften schließen.
Bequem über die Treppe
Ob Lakota daran interessiert ist, ist fraglich. Für den Australian Shepherd scheint es einzig und allein das Wasser und sein Spielzeug zu geben. Jessica Nordhauss aus Schifferstadt kennt ihren fünfjährigen Rüden gar nicht anders. „Den muss man irgendwann rausholen und sagen, mach mal Pause“, erzählt sie schmunzelnd. Deshalb nutzt sie Angebote wie das in Mutterstadt gerne und sucht ganz gezielt im Internet nach Hundeschwimmen.
Manche Vierbeiner haben auch ihre Freunde mitgebracht. Oder ihre Geschwister, wie etwa Rottweiler Hank, der mit seinem Bruder Carlos zu den größten Besuchern an diesem Tag zählt. Michael Steinfeld aus Dannstadt-Schauernheim hat sich selbst ins Wasser gewagt, um die Rüden zum Schwimmen zu animieren. Aber nur Hank hat dafür etwas übrig. Um an seinen Ball zu kommen, nimmt der fast vier Jahre alte Rottweiler allerdings einen Umweg in Kauf. Statt vom Rand ins Becken zu springen, läuft er bis zur Treppe und gelangt so ganz bequem ins Wasser. Carlos scheint derweil mit seinem Zuschauerplatz recht zufrieden zu sein.
Nur gute Erfahrungen mit dem Angebot
Ähnlich geht es Carlos’ Freundin Eli, einem acht Monate alten Tschechoslowakischen Wolfshund. Jens Reinemuth aus Dannstadt-Schauernheim versucht geduldig, die junge Hündin mit Leckerlis ins tiefere Wasser zu locken. „Die Zeit sollte man sich auch nehmen. Zwang bringt nichts“, sagt er. Eli taucht zwar mit den Vorderpfoten ein, weiter geht sie aber nicht. Dafür lässt sie sich das Wasser schmecken.
Das sei auch unbedenklich, beruhigt Badleiter Forgerit. „Es ist kein Chlor mehr drin.“ Die Chemikalien seien einige Tage nach dem Ende des Badebetriebs bereits abgebaut und das Wasser habe Trinkwasserqualität. Da es nach der Saison sowieso abgelassen wird, hat das Schwimmbad durch das Hundebaden keinen Mehraufwand. Auch die Liegewiesen und Sandbereiche werden ohnehin noch kontrolliert und von Unrat befreit.
Schlechte Erfahrungen habe er mit dem Hundeschwimmen noch nicht gemacht, sagt Pascal Forgerit. Auch aus anderen Bädern sei ihm nichts Negatives bekannt. Im Gegenteil: „Es gibt keine Nachteile dabei“, ist er überzeugt. Und nach einem weiteren Blick auf das Außenbecken fügt er zufrieden hinzu: „Alle sind glücklich und haben Spaß.“