Neuhofen RHEINPFALZ Plus Artikel Hoffman’sche Pianogeschichte: 100 Klaviere, zwei Maximen, eine Leidenschaft

Walter Hoffmann in der Werkstatt mit einem restaurierten Jugendstil-Klavier. Im Hintergrund Joachim Fuhrmann, einer von derzeit
Walter Hoffmann in der Werkstatt mit einem restaurierten Jugendstil-Klavier. Im Hintergrund Joachim Fuhrmann, einer von derzeit zwei Mitarbeitern im Pianohaus Hoffmann.

Das Pianohaus Hoffmann in der Neuhofener Dieselstraße hat einen guten Ruf in der Pianistenszene – und Tradition. Seit 100 Jahren werden Klaviere und Flügel verkauft und gewartet. Gegründet 1920 von Josef Hoffmann, etabliert und vergrößert unter dessen Sohn Hans, wird das Geschäft seit 1975 von Klavierbaumeister Walter Hoffmann geführt. Ein Streifzug durch die spannende Geschichte.

Vermutlich in der Ludwigshafener Kaiser-Wilhelm-Straße, ganz genau weiß es Walter Hoffmann nicht mehr, gründete Großvater Josef seine Werkstatt. Dort führte er „Flügel-, Piano- und Harmoniumreparaturen jed. Art“ durch und offerierte „erstklassige Bedienung zu billigen Preisen“. Das verrät die Geschäftskarte von 1925. Auch als Klavierstimmer machte er sich einen Namen, und schon bald konnte Josef Hoffmann die ersten Handelsvertretungen, darunter das Traditionsunternehmen Schimmel, für sich gewinnen. Doch Ende der Goldenen Zwanziger zogen schwarze Wolken auf – erst kam die Weltwirtschaftskrise, später der Krieg. Wer wollte in jenen kummervollen Zeiten schon ein Klavier stimmen lassen, geschweige denn kaufen?

Walter Hoffmann, der einige Anekdoten noch vom Hörensagen kennt, berichtet: „Meine Großmutter war eine gute Köchin. Also pachteten sie und Josef ein Lokal, sie kochte, während er den Tanzsaal zur Werkstatt umfunktionierte. Zeitweise gab es gut betuchte Privatleute, Gesangsvereine, aber auch das Pfalzorchester, die spätere Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz, die Bedarf an Klavierreparaturen und -stimmungen hatten.“ Die Großmutter also – sie sicherte nicht nur das Überleben, sondern hielt ihrem Mann auch später den Rücken von der Büroarbeit frei.

„Wir verkaufen nur das, wovon wir etwas verstehen und was wir reparieren können!“

Nach dem Krieg kehrte Sohn Hans zurück, der die Ärmel hochkrempelte und das Geschäft, inzwischen in der Prinzregentenstraße, mit dem Überschwang des Überlebenden erfüllte. Es ging wieder aufwärts – neben den aus Trümmern geretteten Klavieren arbeiteten Vater und Sohn auch Möbel auf. Und als die Währungsreform und die Wirtschaftswunderjahre kamen, füllten sich die Bäuche, und der Appetit auf Musik kehrte zurück. Hans Hoffmann zog immer mehr Privatkunden sowie den Pfalzbau an Land, sodass sich der gute Ruf von Piano Hoffmann über die Stadtgrenzen hinaus verbreitete, was größere Räumlichkeiten erforderlich machte. Nun siedelte das Geschäft zunächst vom Berliner Platz in die Mundenheimer, später in den Rheinblock in der Ludwigstraße über. Neben dem Verkauf der hochwertigen Saiteninstrumente galt Hoffmanns Augenmerk auch immer deren Wartung. „Wir verkaufen nur das, wovon wir etwas verstehen und was wir reparieren können!“, lautete seine erste Maxime. Und die gilt bis heute.

Die 60er- und 70er-Jahre, erfüllt vom Bestreben, die musikalische Bildung des Nachwuchses zu fördern, gab dem Geschäft weitere Wachstumsimpulse. Musikschulen boomten, an den Schulen wurde der Musikunterricht eingeführt. Vater und Sohn Hoffmann erschlossen sich mit Musiklehrern neue Kundenkreise und festigten den guten Ruf ihres Geschäfts. Bald durften sie als eines der ersten Häuser mit Yamaha-Klavieren handeln, und 1975 trat mit Walter Hoffmann die dritte Generation ins Unternehmen ein. Zwei Jahre später konnten sich die Hoffmanns endlich die Adelskrone, auf die sie jahrelang hingearbeitet hatten, aufsetzen: die Handelsvertretung von Steinway & Sons! Als „zertifizierte Steinway-Konzerttechniker“ war Piano Hoffmann fortan autorisiert, als einzige offizielle Vertretung in der gesamten Pfalz, Südhessen und Nordbaden die Königin der Klaviere zu vertreiben und zu warten. Damit war ihnen der Sprung in die hochkarätige Pianistenszene gelungen.

„Kaufe nie, was du nicht bezahlen kannst!“

Ein weiterer Meilenstein war der Erwerb des Grundstücks in der Neuhofener Dieselstraße. „Unsere Familie wohnt seit 1967 in Neuhofen“, berichtet Walter Hoffmann. „Als das Gewerbegebiet geplant wurde, erwarben wir ein Grundstück und errichteten unser Geschäftshaus mit Werkstatt und Verkaufsfläche ganz nach unseren Wünschen und konnten unseren Kunden obendrein eine gute Verkehrsanbindung und ausreichend Parkplätze bieten.“

Heute, knapp 40 Jahre später, hat Walter Hoffmann 100 Klaviere auf Lager, die alle ihm gehören. Darauf ist er stolz, denn er beherzigte stets auch die zweite Maxime seines Vaters Hans: „Kaufe nie, was du nicht bezahlen kannst!“

Mitte März, im 100. Jahr des Traditionsunternehmens und der Coronakrise, schloss Walter Hoffmann die Türen seines Verkaufsraums. Doch als Handwerksbetrieb konnten er und seine zwei Mitarbeiter weiterhin Reparaturen ausführen, und auch im Außendienst waren sie von Heidelberg bis Kaiserslautern, von Mainz bis zur französischen Grenze, unentwegt im Einsatz, „denn wir waren schon Anfang des Jahres bis Juli für Steinway-Wartungen ausgebucht“, sagt Hoffmann. „Und als wir nach vier Wochen wieder aufmachten, waren die Kunden da. In der Zeit des Lockdowns wurde erfreulicherweise die Liebe zum Klavierspiel wieder entdeckt. Der Renner waren zudem Stummschaltesysteme, die man in fast jedes Klavier einbauen kann, was den nachbarlichen Frieden auch bei stundenlangem Üben erhält“, berichtet der 66-jährige Firmeninhaber.

Wie wird es weitergehen, zumal die beiden Töchter von Hoffmann andere Berufswege eingeschlagen haben? „Noch lange! Ich werde zwar alt, aber kein Rentner“, sagt Hoffmann. Und wenn das ein leidenschaftlicher „Piano-man“ und – man glaubt es kaum – in den 70-er Jahren erfolgreicher Motorradrennfahrer sagt, dann ist das auch so.

Die Geschäftskarte von 1925 erinnert an die Anfänge.
Die Geschäftskarte von 1925 erinnert an die Anfänge.
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