Otterstadt
Hofflohmarkt war „voller Erfolg“
Joachim Krämer hatte am Vormittag um 9 Uhr kaum sein Hoftor geöffnet, da standen schon die ersten Interessierten davor – viel früher als vorgesehen. Der 61-Jährige hat Haushaltsauflösungen gemacht und war selbst auf Flohmärkten unterwegs. Wegen der Corona-Pandemie war das jedoch nicht mehr möglich und die Sachen stapelten sich bei ihm zu Hause. Der Hofflohmarkt bot eine erste Gelegenheit, vieles unter die Leute zu bringen. „Ich komme gar nicht nach, weitere Sachen rauszustellen“, sagt Krämer und freut sich gleichzeitig über die hohe Nachfrage.
An seinem Stand waren Haushaltswaren – „vom Blumentopf bis zum Nähzeug“ – am beliebtesten. Was überhaupt nicht gekauft werde, seien Bücher und Kleidung – „erst, wenn man sie fast verschenkt“, sagt der 61-Jährige. Für den Verkäufer sei das Gespräch am wichtigsten. „Ich sage immer: ,Gib’ das, was es dir wert ist.’ Meistens geben die Leute dann mehr, als ich verlangt hätte“, berichtet Krämer. Er ist sehr zufrieden mit dem freundlichen Publikum, das der Hofflohmarkt anzieht. „Es sind auch viele dabei, die viel kaufen“, sagt er.
Nadine Collu und ihre beiden Töchter sind bereits seit drei Stunden in Otterstadt unterwegs und haben schon viel erworben. „Bücher, Kinderspiele, Kristalle, eine Jacke und eine Stehlampe“, zählt die Otterstadterin auf. Weil sie es nicht weit hat, läuft sie immer wieder nach Hause und lädt die Schätze, die sie in den Höfen und Gärten gefunden hat, ab.
Die Nähe zum eigenen Haus ist auch ein Vorteil für die Verkäufer, die ihre Sachen nur vor die Tür räumen mussten, keine Standgebühr zahlen müssen und die eigene Toilette ganz nah haben. In den Höfen gelten die Corona-Abstands- und Hygieneregeln. Überall an den Eingängen steht Desinfektionsmittel.
Yvonne Kipfmüller verkauft hauptsächlich Kinderspielzeug und freut sich, wenn es Abnehmer findet und sie dadurch weiß, dass es weiter benutzt wird. „Der Preis ist mir nicht so wichtig“, sagt sie. Die Familien Renz und Hütchen-Matthes werden an ihrem Stand fündig. Sie haben sich das „Obstgarten“-Spiel gekauft. Die zehnjährige Leandra Matthes ist begeistert vom Hofflohmarkt: „Es ist sehr schön, dass es hier so tolle Sachen gibt“, sagt sie und ihre siebenjährige Schwester Luna pflichtet ihr bei. Ihre Mutter Nadine Hütchen-Matthes sowie deren Schwester Irina Renz sind gerne auf Flohmärkten unterwegs und haben sie zuletzt vermisst.
Mancher reist weit an
Während die beiden Familien einen Bezug zu Otterstadt haben, weil sie hier leben oder dort aufgewachsen sind, lockt der Hofflohmarkt auch zahlreiche Auswärtige an. Mehrere Verkäufer berichten von Besuchern aus Kaiserslautern, dem Badischen, Stuttgart, Mannheim, Ludwigshafen und Speyer – darunter auch Trödeltrupps. Einige Auswärtige nutzten nicht die Parkplätze im Ort, sondern fuhren mit dem Auto durch die Straßen, sodass es an manchen Stellen ab und zu eng wurde.
Gisela Rothe war dagegen, wie viele andere auch, zu Fuß unterwegs. Die 75-Jährige aus Neuhofen kam mit dem Bus und nutzte das Angebot hauptsächlich für einen Spaziergang durch Otterstadt. „Ich habe noch nichts gefunden, aber das liegt vielleicht auch daran, dass ich in einem Alter bin, in dem man selbst ausmistet“, sagt die 75-Jährige.
Im Hof und Garten von Thomas Horn hätte sie außergewöhnliche Sachen entdeckt, die keiner hatte. „Von Fossilien über Kaffeebesteck, es gibt nichts, was ich nicht habe“, sagt der 60-Jährige. Er hat am Samstag sogar Garten-Dekoartikel verkauft, die er eigentlich gar nicht hergeben wollte. Zwei große Pflanztröge aus Ton fanden trotzdem einen Abnehmer und wurden mit einer Sackkarre vom Hof gefahren. Sogar sein Trike-Motorrad hat Horn spontan zum Kauf angeboten, einen Interessenten habe er, mit dem er in Kontakt bleiben möchte. Für ihn sei es „sehr gut gelaufen“, sagt der 60-Jährige zufrieden.
Organisatorin Maren Schneider spricht ebenfalls von einem „vollen Erfolg“: „Ich bin total überwältigt“, freut sich die 43-Jährige über die positive Resonanz seitens der Käufer und Verkäufer. Für sie ist klar, dass es diese Veranstaltung nächstes Jahr wieder geben soll.