Altrip
Hochwasserschutz: Wie und wohin flüchten?
Als einziger Ort im oberrheinischen Tiefgestade sei Altrip bei einem außergewöhnlichen Hochwasser extrem und schnell betroffen, sagt Grünen-Fraktionschef Dieter Neugebauer. Zumal der Deich auf einem ungefähr 1,5 Kilometer langen Abschnitt zwischen Altrip und der Nachbargemeinde Waldsee seit Jahren nicht ertüchtigt werde und kein Freibord habe. Drohe ein Hochwasser, diese Lücke zu überfluten, müsse sie innerhalb kurzer Zeit mit Tausenden Sandsäcken geschlossen werden.
Die Evakuierungsübung im Oktober 2022 habe allen Verantwortlichen den Handlungsbedarf verdeutlicht. Verstärkt werde dieser durch die Simulation eines Deichbruchs südlich der Gemeinde, die bei der Hochwasserschutz-Partnerschaft vorgestellt wurde. „Sie zeigt, dass der Fluchtweg nach Rheingönheim bei einer solchen Katastrophe in etwa zwölf Stunden abgeschnitten wäre“, erklärt Neugebauer.
Sorge bereite seiner Fraktion vor diesem Hintergrund, dass noch immer nicht belegt sei, dass die Deichlücke in der verfügbaren Zeit geschlossen werden kann. Die Grünen wünschten sich zum Beispiel Angaben dazu, wo das nötige Material vorgehalten wird und was dann zum Einsatz kommen soll.
Zudem wüssten sie gerne, wie lange wie viele Helfer mit wie vielen Einsatzfahrzeugen brauchen, um das Material zum Einsatz zu bringen. Ebenso fehle weiter jeder Beleg, dass die beiden Fluchtwege – die Kreisstraßen nach Rheingönheim und Waldsee – wirklich für die rund 8000 Altriper ausreichen. „Es ist auch öffentlich nicht bekannt, welche Ortsbereiche wann wie hoch überflutet würden und was der damit verbundene Ausfall der kritischen Infrastruktur bedeutet“, ergänzt Neugebauer.
Diese Situation bestehe seit Jahren, trotzdem habe sich bisher niemand um eine Gesamtbewertung und Lösung gekümmert, so Neugebauer. Und das Hochwasserschutzkonzept, dass zurzeit erstellt wird, konzentriere sich darauf, wie sich die Bürger auf ein Hochwasser vorbereiten können. „Deswegen werden wir im Rat beantragen, dass die Ortsgemeinde ein Sachverständigengutachten zur Simulation einer Evakuierung im Katastrophenfall erstellen lässt“, kündigt der Fraktionssprecher an. Dieses Gutachten solle bewerten, unter welchen Umständen die Altriper Bevölkerung in der zur Verfügung stehenden Zeit in Sicherheit gebracht werden könne.
Als Grundlage soll das sogenannte EvaSim-Projekt des Bundesministeriums für Bildung und Forschung dienen, bei dem es sich um eine Evakuierungssimulation handele. Neugebauer geht davon aus, dass das Gutachten die Argumentation der Kommune gegen den vom Land geplanten Polder zwischen Altrip, Waldsee und Neuhofen stützen und so ein Baustein im weiteren Klageverfahren wird.
Termin
Der Altriper Ortsgemeinderat tagt am Donnerstag, 16. Mai, 19.30 Uhr, im Ratssaal des Rathauses.