Rhein-Pfalz Kreis Hochbetrieb im Bereitschaftsdienst

Lambsheim. „Das muss mal in die Zeitung“, fordert Lieselotte Brengel aus Lambsheim. Die 84-Jährige hat den Schock darüber, dass sie an Heiligabend keine ärztliche Hilfe bekam, noch nicht überwunden. Alle drei niedergelassenen Hausärzte im Dorf hätten bis nach Neujahr geschlossen gehabt, und bei der Bereitschaftsdienstzentrale sei sie telefonisch nicht durchgekommen.
Die alte Dame ist pflegebedürftig, lebt aber noch im eigenen Haushalt. Am 24. Dezember sei ihre von schweren Hustenanfällen begleitete Erkältung so schlimm geworden, dass sie einen ärztlichen Hausbesuch bitter nötig gehabt habe. Weil die Praxis von Brengels Hausärztin und die anderen beiden Praxen geschlossen waren, versuchte ihre Betreuerin, die ärztliche Bereitschaftsdienstzentrale in Ludwigshafen zu verständigen. „Aber da lief nur das Band“, berichtet die Seniorin. „Es hieß, alle Plätze seien belegt, man solle es später versuchen.“ Die Betreuerin habe es alle zehn Minuten versucht, insgesamt etwa 15-mal. Ohne Erfolg. Den Fortgang der Ereignisse schildert sie so: „Meine Betreuerin hat mir in der Apotheke Hustenlöser und andere Medikamente besorgt. Damit wurde es etwas besser.“ Den Hausbesuch ihrer Ärztin habe sie dann in der vergangenen Woche bekommen. „Warum müssen die drei Ärzte in so einem großen Dorf wie Lambsheim alle gleichzeitig so lange zumachen?“, fragt sich Lieselotte Brengel. Das erklärt auf RHEINPFALZ-Anfrage der Lambsheimer Allgemeinmediziner Ulrich Geibel damit, dass auch Arztfamilien gern an und nach Weihnachten mal in Ruhe beisammen sein wollen. Und das sei ja seit Längerem möglich, weil es die Bereitschaftsdienstzentrale der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) gebe, die einen hausärztlichen Notdienst zentral gewährleiste und auch Hausbesuche mache. „Das verbessert nicht zuletzt die Lebensqualität der Ärzte und ihrer Familien“, sagt Geibel und erinnert daran, wie schnell der Haus- und Landarztmangel mittlerweile auch wegen der hohen Arbeitsbelastung voranschreitet. Geibel versichert aber, dass ein guter Hausarzt auch in den Ferien für manche seiner Patienten zur Verfügung stehe, hauptsächlich für Schwerkranke, die im Sterben liegen. „So etwas können Patienten, Angehörige und Arzt schon vor den Schließzeiten besprechen.“ Ulrich Geibel hatte vom 23. auf den 24. Dezember selbst Bereitschaftsdienst in der Zentrale und hat auch Hausbesuche gemacht. Er weiß, dass viele Menschen über die Feiertage und zwischen den Jahren dort Hilfe gesucht haben, hauptsächlich wegen grippaler Infekte, Rückenschmerzen und Herzproblemen. „Die Kollegen waren an der Grenze der Belastbarkeit“, sagt er. Und das sei vermutlich in allen Einrichtungen dieser Art, die über die bundeseinheitliche Rufnummer 116117 erreichbar sind, der Fall gewesen. „Wenn man nicht gleich durchkommt, sollte man in der Leitung bleiben oder es mit etwas Geduld immer wieder probieren“, empfiehlt er. Ähnlich äußert sich auf Anfrage ein Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz: „Dran bleiben, bis man aus der Leitung fliegt, und es dann wieder versuchen.“ An Weihnachten sei erfahrungsgemäß meistens „die Hölle los“, jedenfalls mehr als an normalen Wochenenden. In ganz dringenden Fällen könnten Patienten auch die Rettungsleitstelle unter 112 anrufen, die über eine interne Nummer mit dem ärztlichen Bereitschaftsdienst Kontakt aufnehmen könne. Ulrich Geibel versichert, dass die vier Allgemeinmediziner und der Kinderarzt, die am Wochenende Dienst tun, sehr engagiert seien und dass das System der Zentralen mit Anbindung an die Krankenhäuser Vorteile habe. „Ich beobachte aber leider auch, dass die KV dabei ist, das System personell auszudünnen.“ Geibel plädiert dafür, Ärzte in der Ausbildung in die Bereitschaftsdienste aufzunehmen. „Denn dabei können sie sehr viel lernen und überdies die Teams verstärken.“ (ww)