Rhein-Pfalz Kreis „Hingehen, singen, Spaß haben“
Ich singe überall, auch wenn man das nicht immer hört. Ich singe sogar im Kopf, stelle mir Melodien vor. Laut gesungen wird aber nur im Chor. Was glauben Sie, wie vielen Menschen das auch so geht? Ich glaube, das sind viel mehr als es zugeben. Die sagen zwar oft, sie können nicht singen, dabei singen sie wie eine Wachtel. Unbeobachtet singen bestimmt viele Menschen, aber sie wollen sich nicht outen, weil sie Scheu davor haben. Und diese Scheu möchte der Männergesangverein Concordia Waldsee den Menschen jetzt nehmen und lädt alle zum Rudel-Singen, Verzeihung, natürlich zum Roodle-Singen ein. Was ist das? Ganz einfach: Es gibt eine Roodle-Band, die macht die Musik. Der passende Text wird auf Großleinwand geworfen und das Publikum singt mit. Gesteuert wird das singende Publikum vom Bandleader. Ist das so etwas wie spontane Fischer-Chöre auf dem Dorf? Kann man so sagen, aber ohne Volkslieder. Wir singen alles quer Beet, Englisch und Deutsch, von Anita über 1000 Mal berührt bis Summer of 69. Songs aus den 60er-, 70er- und 80er-Jahren, dazu aktuelle Lieder. Insgesamt sind es 40 Lieder, die in vier Blöcken mit Pausen dazwischen gesungen werden. Das wird vielleicht beim ersten Lied ein bisschen holprig sein, weil die Menschen ja in der Regel nur den Refrain kennen, aber dann klappt es schon. Es wird ja kein chorisches Singen erwartet. Welche Rolle haben die Concordianer? Singen die einfach im Roodle mit? Die stehen unters Volk gemischt, erkennbar an einem Concordia Roodle-Hemd, jeder Sänger bringt seine Freunde und Bekannten mit. Wenn es den Leuten gefällt, dann rücken die Sänger sicher in den Hintergrund. Wer soll zum Roodle-Singen kommen? Alle. Von 16 bis 97. Da ist wirklich für jeden was dabei. Inzwischen hört man immer vom Rudelsingen. Warum heißt das in Waldsee Roodle-Singen. Ist das wieder so eine typische Concordia-Besonderheit? Ich habe mit David Rauterberg gesprochen. Er hat sich den Begriff „Rudelsingen“ schützen lassen. Er hat in Deutschland diverse Kooperationspartner, die regelmäßig Rudelsingen anbieten. Mir hat er die Nutzung dieses Begriffs verboten. Ich war dann erst mal beleidigt, hab zwei Nächte nicht geschlafen und dann hatte ich morgens früh um vier den Einfall: Nicht Rudel, sondern Roodle, so wie google. Das Wort gibt es nicht. Wir haben uns jetzt unsererseits den Begriff Roodle schützen lassen. Warum ist Rudel- oder wie Sie es nennen Roodle-Singen so beliebt? Was ist das Erfolgsrezept. Weil es ungezwungen ist, nicht nach dem deutschen Ordnungsprinzip abläuft. Man muss keiner Organisation angehören. Du gehst hin, singst, es macht Spaß und du gehst wieder heim. Man hat keine Verpflichtungen. Nun läuft ja bei Veranstaltungen der Concordia nichts einfach nur so. „Mega“ ist da ja längst out, es muss mindestens „Giga“ sein. Ohne extravagante Deko und Lichtshow ging in der Vergangenheit gar nichts. Was erwartet die Besucher also beim Roodle-Singen noch außer Singen? Es muss schon ein gewisses Niveau haben, aber für Concordia-Maßstäbe wird es eher spartanisch. Wir werden Roodle-Palmen bauen, die Bühne optisch etwas verändern. Es wird schon bunt, so wie die Lieder auch. Aber es ist kein solches Event wie die Halloween-Party. Roodle-Singen soll schon Party-Charakter haben, die Leute sollen Spaß haben, sich unterhalten. Aber wenn gesungen wird, wird gesungen. Roodle-Singen ist eine Stehveranstaltung mit Stehtischen. Keine Bänke, vielleicht für die Fußkranken ein paar außen. Die Veranstaltung endet um Mitternacht. Improvisieren am Abend können wir nicht, wegen der Liedtexte ist alles durchgetaktet. Und wenn es beim Publikum ankommt? Dann machen wir es regelmäßig.