Rhein-Pfalz Kreis Hilfe für Glaubensbrüder im Irak

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Dudenhofen. Vom Aussterben bedrohte Tierarten schützt man. „Aber wenn man diesen Menschen nicht hilft, dann wird eine alte Kultur aussterben“, sagt Kerim aus Dudenhofen. Er ist Jeside. Die Mitglieder dieser religiösen Gruppe werden im Irak vertrieben, vergewaltigt und getötet. Kerim will den Jesiden helfen – und die deutsche Öffentlichkeit auf ihr Leid aufmerksam machen. Morgen spricht er in Dudenhofen.

Der 43-jährige Kerim, der als 17-Jähriger mit seiner Familie aus dem Südosten der Türkei ausgewandert ist, weil er und die Geschwister als kurdische Jesiden für sich keine Zukunft sahen, hat in den vergangenen Wochen E-Mails an Politiker, Gewerkschafter, Kirchenvertreter und ans Rote Kreuz geschrieben: „Ich will, dass die Menschen aus erster Hand erfahren, was diese Verbrecherbande vorhat.“ Diese „Verbrecherbande“, die Terrororganisation Islamischer Staat (IS, vorher: Isis) hat Anfang August das Gebiet um die von Jesiden bewohnte irakische Stadt Sindschar überfallen, Menschen ermordet, Mädchen vergewaltigt und entführt. „Die Isis hat Mädchen mitgenommen, die bieten sie in arabischen Ländern reichen Männern zum Verkauf an. Junge Männer haben sie exekutiert“, berichtet Kerim. Die Menschen flüchteten sich in das umliegende Sindschar-Gebirge. Viele starben dort, Kinder sind erblindet, weil die Sonne so stark war, sagt Kerim. Über einen von PKK-Kämpfern gesicherten Korridor gelangten sie an die türkisch-irakische Grenze und ins syrische Kurdengebiet, berichtet Kerim. Und dort leben sie jetzt in Lagern, Hilfe bekämen sie vor allem von Einheimischen, nicht von der internationalen Gemeinschaft. RHEINPFALZ-Korrespondent Karim El-Gawhary hat jüngst eines der Lager im nordirakischen Kurdengebiet an der Grenze zur Türkei besucht: Er berichtet, dass zu den fast 200.000 Einwohnern der Stadt Zakho in den vergangenen Wochen mindestens 150.000 Flüchtlinge gekommen seien. Den Menschen in den Flüchtlingslagern wollen die in Deutschland lebenden Jesiden helfen, sagt Kerim, der dem Zentralrat der Jesiden in Deutschland angehört: „Wir fixieren unsere ganze Kraft auf die Lager an der türkisch-irakischen Grenze und im syrischen Kurdengebiet.“ Von seinen Zentralratskollegen, die hingereist sind, weiß er um deren Lage: „Meine Kollegen, die vor Ort sind, haben berichtet, dass das, was man hier in der Presse liest, die Spitze des Eisbergs ist. Was tatsächlich passiert, ist unvorstellbar. Es ist ein Genozid. Nicht aus politischen Gründen, sondern es hat mit dem Glauben zu tun.“ Die Islamisten halten die Jesiden für Gottlose, Ungläubige. Die Gruppe Islamischer Staat hatte im Juni Teile von fünf Provinzen im Nordirak in ihre Gewalt gebracht. Gemeinsam mit den von ihr in Syrien kontrollierten Gebieten erklärte die Miliz sie zum islamischen „Kalifat“ und errichtete ein Terrorregime. Amnesty International spricht von „systematischen ethnischen Säuberungen“. Nach Angaben der Vereinten Nationen befinden sich im Irak 1,6 Millionen Menschen auf der Flucht. Eigentlich, sagt Kerim, hätte auch er ins Flüchtlingsgebiet fahren sollen. „Aber meine Kollegen haben gesagt, es wäre sinnvoller, hier Spendengelder bei den Mitgliedern zu sammeln.“ Das Geld werde auf ein Konto in der Türkei weiterüberwiesen, von dort heben es Mitglieder des Jesidischen Zentralrats ab und übergeben es an Abgeordnete der türkischen Partei BDP, die die Interessen der kurdischen Minderheit vertritt. Sie kümmern sich um die Verteilung vor Ort. „Das ist ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt Kerim. „Deshalb unser Appell an die internationale Gemeinschaft, dass sie die Menschen in den Lagern unterstützt. Sie fühlen sich nicht sicher.“ Viele der geflohenen Menschen wollten nicht in der Autonomen Region Kurdistan im Norden des Irak Zuflucht suchen, weil sie sich dort von den Regierenden im Stich gelassen und ausgeliefert fühlten, hätten die Kollegen ihm berichtet. Kerim sagt, er sei eigentlich Pazifist, ein friedfertiger Mensch. Dass die Bundesrepublik jetzt Waffen an die kurdischen Verbände im Nordirak liefern will, begrüßt er: „Diese Verbrecher kennen nur das Gegenmittel. In einigen Fällen wie diesen gibt es keine andere Wahl.“ Sein Wunsch: Dass die Gegend „von den Verbrechern befreit“ wird, Dass sie, auch mit finanzieller Hilfe der internationalen Gemeinschaft, wieder aufgebaut wird und dass die Menschen eine Chance haben, sich zu entwickeln. „Wir wollen, dass unsere Menschen dorthin zurückgehen. Sonst hat die Isis ihr Ziel erreicht.“ (snr/afp)

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