Rhein-Pfalz Kreis Herzschmerzen – oder: „Bolovi srca“?
Schifferstadt. Das Buch „tip doc emergency – Kommunikationshilfe für den Rettungsdienst“ kann Leben retten. 56 Stück davon hat das Deutsche Rote Kreuz Vorderpfalz gestern Morgen in Schifferstadt erhalten. Sie liegen in den Einsatzfahrzeugen und machen es den Rettern einfacher, mit ausländischen Patienten zu sprechen.
„Dolori al petto? Kalp agrilari? Bolovi srca?“ Diese kurzen Fragen auf Italienisch, Türkisch und Serbisch bedeuten alle das Gleiche: „Herzschmerzen?“ Rettungskräfte in der Vorderpfalz beherrschen diese Frage ab sofort in neun Sprachen – hinzu kommen Französisch, Englisch, Russisch, Arabisch, Spanisch und Deutsch. Und sollten die Patienten die Helfer dann immer noch nicht verstehen, müssen sie nur auf entsprechende Bilder zeigen, die verschiedene Symptome veranschaulichen. Der Paritätische Wohlfahrtsverband Rheinland-Pfalz/Saarland hat 56 Exemplare des Büchleins „tip doc emergency – Kommunikationshilfe für den Rettungsdienst“ in Kooperation mit der Lottostiftung und dem rheinland-pfälzischen Integrationsministerium für das DRK Vorderpfalz angeschafft. Die Din-A6-Ringbücher seien eine sehr sinnvolle Ergänzung der Ausstattung in den Rettungsfahrzeugen, Krankenwagen und Notarzt-Einsatzfahrzeugen, findet Rettungsdienstleister Stephan Theis. „Bisher haben wir uns in solchen Situationen mit Händen und Füßen verständigt“, sagt er. Theis wird selbst als Rettungsassistent gelegentlich zu Einsätzen gerufen. Mit Englisch und einfachsten Begriffen wie „aua“ sei es zwar oft noch gut möglich, etwas über die Beschwerden des Patienten zu erfahren. „Es ist aber sehr schwierig, die Maßnahmen zu erläutern.“ Deswegen beschränkt sich das Büchlein nicht auf Krankheitssymptome und Verletzungen, sondern stellt auch Dokumente, Behandlungen und den Transport dar. Die Zeichnungen sind so klar verständlich, dass auch Kinder mit ihrer Hilfe Auskunft darüber geben können, wo genau es wehtut oder was passiert ist. So gibt es zum Beispiel Bilder, die einen Sturz auf den Kopf zeigen oder dass der Patient blau angelaufen ist. Kerstin Köllner, im Rhein-Pfalz-Kreis für die Flüchtlingssozialarbeit zuständig, hat das Buch im Zuge ihrer Arbeit im Internet entdeckt und die Anschaffung angeregt. Alle Beteiligten betonen jedoch, dass nicht nur der Flüchtlingszustrom ein solches Hilfsmittel nötig macht. „Es kommt immer mal wieder vor, dass es Verständigungsprobleme gibt“, sagt Anna Meinhardt, Geschäftsführerin des DRK Vorderpfalz. „Gerade im Notfall ist das sehr schwierig.“ Um mit den Flüchtlingen aus Syrien besser kommunizieren zu können, sind die Begriffe und Fragen im „tip doc“ auf Arabisch aufgeführt und um eine phonetische Aussprachehilfe ergänzt. Auch für das Russische gibt es eine phonetische Hilfestellung. 900 Euro hat die Anschaffung der Bücher gekostet. Hinzu kommen noch Kosten für Schulungen, in denen die Rettungsdienst-Mitarbeiter den Umgang mit dem sogenannten Rettungsmitteln lernen sollen. Dieses Jahr sind bereits zwei Schulungen geplant, weitere sollen im kommenden Jahr folgen. Zunächst sind die Rettungsassistenten und Sanitäter an der Reihe. „Aber wir werden auch Notärzte ansprechen“, sagt Meinhardt. Das Gebiet des Rettungsdienstes Vorderpfalz reicht von Grünstadt über Ludwigshafen bis Speyer sowie im Westen bis Lambrecht. 56 Fahrzeuge sind in diesem Gebiet im Einsatz. In einem zweiten Schritt sollen auch die Notaufnahmen der Krankenhäuser mit den Büchern ausgestattet werden, sagt Köllner. Doch warte man noch auf die nächste Auflage, in der die Erklärungen dann sogar in 20 Sprachen aufgeführt sein werden. Kreis-Beigeordneter Martin Haller (SPD) kündigte an, für die Kreisverwaltung einige Exemplare anschaffen zu wollen. (sud)