Rhein-Pfalz-Kreis
Herbstempfang des Kreises: Ein Treffen unter Freunden
Es war ein Herbstempfang unter anderen Vorzeichen. Im vergangenen Jahr war der Empfang wegen der Corona-Pandemie ausgefallen. Und in diesem Jahr wurde recht kurzfristig und immer mit Blick auf Inzidenzzahlen und neue Verordnungen geplant. Vielleicht mit ein Grund dafür, dass nur gut ein Drittel der geladenen Gäste am Freitagabend ins Mutterstadter Palatinum gekommen waren und wohl auch nicht so viele Bürger wie sonst. Die rund 200, die da waren, hatten auf jeden Fall viel zu lachen und zu beklatschen.
50 Jahre Kreismusikschule und 30 Jahre Partnerschaft des Rhein-Pfalz-Kreises mit dem Saalekreis in Sachsen-Anhalt, was eigentlich schon 2020 zu begehen gewesen wäre: Die Jubiläen gaben den Rahmen vor. Eine etwa 15-köpfige Delegation um Landrat Hartmut Handschak (parteilos) war nach Mutterstadt gekommen, darunter Schüler der Kreismusikschule, die ebenso wie die hiesigen Musikschüler für die musikalischen Beiträge sorgten. Zu Gast war auch Krzyztof Wysdak, Beigeordneter des Partnerlandkreises Oppeln (Polen).
Dank in Pandemie-Zeiten
„Wir versuchen, zurück zur Normalität zu finden“, sagte Landrat Clemens Körner (CDU) auf der mit frischem Gemüse dekorierten Bühne, und sinnierte über die „Zeit der Stille, wenn man nur daheim mit der Frau am Fernseher sitzt und am Wochenende höchstens ein Ehepaar einlädt“. Er habe eineinhalb Jahre lang nicht mehr den guten Anzug getragen, verriet Körner und flachste über seine „Corona-Pfunde“. Für den Einsatz der Mitarbeiter der Kreisverwaltung gelte es zu danken, sagte der Landrat, ebenso wie allen im Gesundheits- und Pflegebereich oder in Sozialeinrichtungen.
„Es ist schlimm, dass der gesellschaftliche Zusammenhalt Risse bekommen hat“, sagte Körner, und beklagte zunehmende Respektlosigkeit im Umgang miteinander. „Ich hoffe, dass die Pandemie nicht mehr uns beherrscht, sondern dass wir lernen, damit umzugehen.“
Auch der filmische Rückblick war geprägt von den Anstrengungen zur Bekämpfung der Pandemie mit Impfzentrum und Impfbus. Beim Blick in die Zukunft verwies Körner unter anderem auf die Suche nach einem Standort für das neue Kreishaus, die geplante Einrichtung einer Berufsbildenden Schule in Böhl-Iggelheim und den Breitbandausbau. Und die Flutkatastrophe im Ahrtal habe gezeigt, dass man sich im Katastrophenschutz neu aufstellen müsse.
Die Landräte Ernst Bartholomé (CDU) und Knut Bichoel (CDU) haben 1990 die Partnerschaftsurkunde zwischen dem damaligen Landkreis Ludwigshafen und dem damaligen Saalkreis unterzeichnet. Bichoel war nach Mutterstadt gekommen, Bartholomé musste aus gesundheitlichen Gründen absagen. Die beiden stehen immer noch in Kontakt, erzählte der frühere Landrat. Ein Zeichen für die „tolle gelebte Partnerschaft“, die alle Redner betonten. Hier heißt es inzwischen bekanntermaßen Rhein-Pfalz-Kreis, und aus dem Saalkreis ist durch Fusion mit dem Kreis Merseburg-Querfurt der Saalekreis entstanden. „Die haben fusioniert, wir Gott sei Dank nicht – obwohl: Ist jemand aus Dürkheim da?“, fragte Körner unter dem Gelächter der Zuhörer. Und verriet: „Ich hab’ meinem Kollegen Ihlenfeld versprochen, dass ich nix mehr dazu sage.“
Sein Amtskollege Hartmut Handschak bestätigte: „Da haben sich zwei Landkreise damals gesucht und für gut befunden.“ Es gebe viele Gemeinsamkeiten: Beide seien „Kragenkreise“ um eine Stadt – Ludwigshafen und Halle –, hätten Verbindungen durch BASF und Leuna-Werke, und es gebe Weinbau, „und inzwischen schmeckt der bei uns auch gut“. Den „Clemens-Körner-Wein“ hatte er mitgebracht, er selbst wurde im Gegenzug zum Weinpaten für den Landratswingert ernannt.
Von Praxis zu Freundschaft
Sei die Verbindung anfangs durch praktische Dinge geprägt gewesen – die Hilfe der Pfälzer beim Neuaufbau der Verwaltung – so stünden nun Aktivitäten zum Beispiel bei Schulen und im Kulturbereich im Mittelpunkt, sagte Handschak und schlug den Bogen zum zweiten Jubiläum. Am 1. Mai 1971 nahm die Kreismusikschule mit 500 Schülern ihren Betrieb auf. Heute sind es rund 2000 Schüler, davon rund 500 in Kooperationen mit Schulen, Bläserklassen und Kitas. 53 Lehrkräfte unterrichten an 49 Unterrichtsstätten, berichtete Körner.
Für eine Premiere sorgten Musikschulleiter Christoph Utz und seine Saalekreis-Kollegin Gisela Webel: Sie musizierten erstmals zusammen, Utz am Flügel, Webel mit der Gitarre: „und das ohne gemeinsame Probe“, wie Utz versicherte. „Ich bin froh, dass wir wenigstens etwas feiern können, wenn auch nicht mit großem gemeinsamen Orchester wie geplant“, sagte er.
Dritter wichtiger Programmpunkt: Uwe Speichermann, langjähriger Kreisfeuerwehrinspekteur, wurde von Clemens Körner zum Ehren-Kreisfeuerwehrinspekteur ernannt. Sein Nach-Nachfolger Rainer Schädlich, dessen Titel inzwischen Brand- und Katastrophenschutzinspekteur lautet, hielt die Laudatio auf den engagierten Speichermann, der nach über 40 Jahren aus dem aktiven Dienst ausgeschieden ist. Uwe Speichermann verwies darauf, dass die Arbeit immer eine Mannschaftsleistung sei und das Verdienst aller Feuerwehrleute.