Schifferstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Helfer auf zwei Rädern: Motorradstaffel der Malteser gegründet

Voll ausgerüstet vor der Wache der Malteser in Schifferstadt: Frederic Leonhardt (rechts) und Andreas Danner sind ehrenamtlich a
Voll ausgerüstet vor der Wache der Malteser in Schifferstadt: Frederic Leonhardt (rechts) und Andreas Danner sind ehrenamtlich als Helfer auf zwei Rädern unterwegs.

Die typische Signalfarbe, die Aufschrift „Malteser“, ein Blaulicht – doch es ist kein Rettungswagen, mit dem der Helfer unterwegs ist. Sondern ein stattliches Motorrad. Der Malteser Hilfsdienst hat eine Motorradstaffel für die Diözese Speyer gegründet. Für schnelle Hilfe auf zwei Rädern und vielfältige Aufgaben, auch von Schifferstadt aus.

Den Anstoß für diese Motorradstaffel hat eine Katastrophe gegeben: die Flut im Ahrtal. Zerstörte Straßen, überschwemmte Wege, Unmengen von Schlamm – für die zur Hilfe eilenden Rettungskräfte gab es oft kaum ein Durchkommen. Auch Frederic Leonhardt aus Schifferstadt war mit anderen Maltesern im Einsatz. „Wir sind mit dem Rettungswagen immer mal wieder im Schlamm stecken geblieben. Einmal musste uns die Bundespolizei herausziehen“, erinnert er sich. Und dort hat der passionierte Motorradfahrer erstmals auch davon gehört, dass Helfer auf Motorrädern unterwegs waren, es eine Motorradstaffel gebe.

„Ein Kollege aus der Nordpfalz war mit seinem Motorrad vor Ort und hatte ganz andere Möglichkeiten, wichtige Materialien wie Medikamente oder Babynahrung von A nach B zu bringen“, sagt auch Malteser-Helfer Andreas Danner aus Rülzheim. Die Idee war dann bei den Ehrenamtlichen im Hinterkopf und ist offiziell seit Februar Realität – eine Motorradstaffel für die Pfalz. Denn beim Malteser Hilfsdienst in Speyer war die Idee auf offene Ohren gestoßen.

Zurzeit vier Motorräder

Der 29-jährige Leonhardt, hauptamtlich beim Deutschen Roten Kreuz in Schifferstadt als Rettungssanitäter und angehender Notfallsanitäter beschäftigt, ist der Leiter der ehrenamtlichen Truppe von Helfern auf zwei Rädern aus Schifferstadt, Rülzheim, Weilerbach und der Nordpfalz, Danner einer seiner Stellvertreter. Über vier Maschinen verfügt die Staffel. Etwa zehn Fahrer sind es derzeit. Die dezentrale Stationierung der Motorräder ist sinnvoll, sagt Leonhardt. „Das ist ja ein Riesengebiet.“ Das „Schifferstadter“ Motorrad steht in einem Container bei der neuen Malteser -Wache in der Waldseer Straße.

Die Beschaffung der BMW-Maschinen erfolgte zentral über die Malteser der Diözese. Eine kostspielige Angelegenheit, sagt Leonhardt, wenn auch die „Schifferstadter Maschine“ ein Glückskauf über Kontakte war, ein für die Polizei konzipiertes Vorführfahrzeug, das Leonhardt und Danner selbst in Halle abholten. 18.000 bis 25.000 Euro seien für ein solches Mottorad zu rechnen, sagt der Schifferstadter.

Bei einem Unfall in Böhl-Iggelheim war Frederic Leonhardt vor wenigen Tagen zufällig vor Ort und konnte helfen.
Bei einem Unfall in Böhl-Iggelheim war Frederic Leonhardt vor wenigen Tagen zufällig vor Ort und konnte helfen.

Hinzu kommen die Folierung, die Beladung mit medizinischem und technischem Material wie Absperrungen, und allein die Ausstattung mit dem Funksystem koste nochmals 4500 Euro, rechnet er vor. „Und da ist der Helfer noch nicht ausgestattet“ – mit einem Helm mit Funkausstattung beispielsweise. Finanziert werde das Ganze über Spenden.

Der erste offizielle Einsatz für die neue Staffel war die sanitätsdienstliche Begleitung einer Großdemonstration in Kaiserslautern Ende Januar, wo die „Motorrad-Malteser“ die Polizei bei der Absicherung unterstützten. Nur eine von vielen möglichen Aufgaben, die die Malteser nun nach und nach ausloten.

So sind sie beispielsweise nach Angaben des Hilfsdienstes in Zusammenarbeit mit der Polizei derzeit jedes Wochenende auf beliebten Biker-Strecken in der Pfalz in Sachen Präventionsarbeit unterwegs. Im Vordergrund dabei: über die Gefahren durch mangelnde Sicherheitskleidung oder überhöhte Geschwindigkeit hinzuweisen. Das geschieht auch durch Vorträge, etwa in Fahrschulen. Denn wenn es wärmer werde, seien sie wieder unterwegs, die „Hotpants-Fahrer“, sagt Leonhardt.

Lücken schließen

Nico Mück, Notfallsanitäter und Staffelmitglied aus Weilerbach, habe bei einer solchen Präventionsfahrt bei Johanniskreuz kürzlich laut dem Malteser Hilfsdienst bei einem schweren Motorrad-Unfall vermutlich lebensrettende Erste Hilfe geleistet, bis der Rettungswagen vor Ort war.

Schnelligkeit, Flexibilität und Geländegängigkeit seien Vorteile der Zweiräder, betont Frederic Leonhardt. Für Erstversorgung und Meldertätigkeiten etwa, Einsatz als Erkundungsfahrzeug vor einem Konvoi im Katastrophenfall, auf Autobahnen als Stauwächter unterwegs sein, bei Unfällen die Rettungsgasse „freiräumen“, wo nötig, oder Rettungspersonal bei engen Gassen oder schwer zugänglichem Gelände zum Patienten bringen. Aber auch bei Lauf- oder Radsportveranstaltungen seien die Helfer auf Motorrädern. Man führe oder plane Gespräche mit den Leitstellen, der Kreisverwaltung und den Gemeinden für die künftige Zusammenarbeit. „Denn wir brauchen Auftraggeber.“ Wichtig ist dem Staffelleiter, dass sie nicht in Konkurrenz zu anderen Diensten treten, sondern „Lücken schließen“ wollen.

Frederic Leonhardt mit dem bei den Schifferstadter Maltesern stationierten Motorrad.
Frederic Leonhardt mit dem bei den Schifferstadter Maltesern stationierten Motorrad.

„Wir haben jetzt schon Anfragen für Aufgaben, an die wir vorher noch gar nicht gedacht haben“, sagt Frederic Leonhardt, als er neben der imposanten Maschine vor der Wache steht. Überhaupt sei die Resonanz in den wenigen Wochen des Bestehens der Staffel sehr positiv. Auch was mögliche weitere Helfer angehe. Und wie zum Beweis kommt beim Ende des Gesprächs ein Schifferstadter mit Sanitäts- und Motorraderfahrung hinzu, der gerne mitmachen würde.

x