Schifferstadt
Malteser: Rettungswache in Schifferstadt erweitert Notfallversorgung
Kaum haben sich die Vier vor dem Rettungswagen versammelt, gerade ist das Foto für die Zeitung gemacht, da melden sich die Piepser. Notfallsanitäterin Hanna Just und Rettungssanitäterin Irina Blanchot, die an diesem Tag im Dienst sind, schwingen sich in den Wagen, Blaulicht und Martinshorn an, und los geht es Richtung B9 und Waldsee. Es dürfte der 1061. Einsatz gewesen sein, den der Wagen mit dem Malteser-Kreuz auf der Karosserie in dem knappen halben Jahr fährt, seit der Hilfsdienst in Schifferstadt stationiert ist. Dabei sind die Sanitäter „nur“ zwölf Stunden täglich unterwegs.
„Der Bedarf ist eindeutig da“, sagt Tobias Schmid, der Leiter des Rettungsdienstes Rheinhessen-Pfalz der Organisation. In „sportlichem Tempo“, sagt die Leiterin der neuen Rettungswache, Laura Medori, ist diese eingerichtet worden. Manches ist noch provisorisch in den Räumen in der Waldseer Straße 110, denen man von außen gar nicht so sehr ihre Funktion ansieht. Der große Pluspunkt, findet die 29-Jährige: „Es ist hier ein super Miteinander, wir sind ein ganz tolles junges Team und bauen das zusammen auf.“
Ehrenamtliche schon vor Ort
Wie kam es zur zusätzlichen Rettungswache in Schifferstadt? Das Deutsche Rote Kreuz (DRK), für die Rettungsdienste im Rhein-Pfalz-Kreis und Speyer unterwegs und auch mit einer Wache in Schifferstadt vertreten, habe Personalprobleme gehabt, erläutert Tobias Schmid. Die Kreisverwaltung des Rhein-Pfalz-Kreises habe als zuständige Behörde dann bei den anderen Hilfsdiensten angefragt, ob sie mitwirken können. Und nun sind Malteser – die bisher in der Stadt Ludwigshafen Rettungsdienste fahren –, Johanniter und der Arbeiter Samariter Bund (ASB) mit im Boot, zunächst beauftragt für zwei Jahre.
Da die Malteser mit ihren Ehrenamtlichen bereits in Schifferstadt „stationiert“ sind, habe sich der Standort für eine Rettungswache hier angeboten, sagt Schmid. Zumal die Wache in Ludwigshafen inzwischen an der Kapazitätsgrenze sei. Die Verkehrsanbindung sei durch die nahe B9 recht gut. Nun sind die ehrenamtlichen Malteser des eingetragenen Vereins im ersten Obergeschoss des Gebäudes an der Waldseer Straße zu finden, die Hauptamtlichen der gemeinnützigen GmbH mit ihrer Wache im Erdgeschoss. Ein Rettungswagen steht hier, der von Ludwigshafen verlegt worden ist. Ein neuer Wagen sei bestellt und werde wohl im Februar den Rettungskräften zur Verfügung stehen, sagt der 40-Jährige. Dazu der Wagen der Ehrenamtlichen, auf den im Notfall zurückgegriffen werden könne.
Die geforderte 24-stündige Einsatzbereitschaft im Notdienst teilen sich die Malteser und die Johanniter Unfallhilfe, die im ehemaligen Stiftungskrankenhaus in Speyer ebenfalls eine neue Wache eingerichtet hat. Das heißt, in jeweils Zwölf-Stunden-Schichten fahren die Malteser von Schifferstadt aus etwa Tagdienst und die Johanniter von Speyer aus Nachtdienst. Alle zwei Wochen wird gewechselt. Eingesetzt werden sie von der Rettungsleitstelle in Ludwigshafen.
Acht hauptamtliche Notfall- und Rettungssanitäter sind nun in Schifferstadt im Einsatz, vier Frauen und vier Männer, Altersspanne 25 bis 40 Jahre, darunter ein Auszubildender, zählt Laura Medori vor. Fünf der Kräfte sind neu zu den Maltesern gestoßen. Sie selbst, ursprünglich aus Reutlingen stammend, hat 2015 beim Malteser Hilfsdienst in Ludwigshafen zunächst die Ausbildung zur Rettungs-, dann zur Notfallsanitäterin absolviert, sich fortgebildet zur Einsatzsachbearbeiterin und ein dreijähriges Trainee-Programm für zukünftige Führungskräfte absolviert. Jetzt leitet die 29-Jährige die neue Wache.
Know-how und Technik
Gut ausgebildete Kräfte und gut ausgestattete Fahrzeuge – unverzichtbar, betont Schmid. Heute könnten die Sanitäter etwa ein EKG oder eine Unfallschadenslage schon ans angepeilte Krankenhaus versenden, bevor der Patient überhaupt eingetroffen ist. Dafür brauche es eben entsprechendes Know-how und Technik.
Und gute Nerven der Kräfte. Immer wieder ist von Übergriffen auf Helfer die Rede. Auch Laura Medori hat da einschlägige Erfahrungen gemacht. Erst kürzlich wurde sie von einem Patienten in psychischem Ausnahmezustand getreten und mit Wasser überschüttet. Wie verarbeitet man das? „Viel miteinander reden im Team“, sagt sie. Im Rettungsdienst habe man eine gute Vertrauensbasis. In der Ausbildung werde man auch in Deeskalation geschult.
Bis zum Jahr 2025 wird der Malteser Hilfsdienst nun die Notfallversorgung im Umland von Schifferstadt aus verstärken. Ob es dann bei dieser Aufteilung und bei dem Standort bleibe, werde sich zeigen, sagt Tobias Schmid. „Ich bin aber sehr optimistisch, dass wir den neuen Wagen nicht verkaufen müssen“, sagt er mit einem Augenzwinkern.