Rhein-Pfalz Kreis RHEINPFALZ Plus Artikel Heßheims Politiker diskutieren über Wiedereinstieg in offene Jugendarbeit

In Heßheim stellt sich die Frage: Soll ein Jugendtreff mit Spielangeboten wie Tischfußball eingerichtet werden?  Foto: DPA
In Heßheim stellt sich die Frage: Soll ein Jugendtreff mit Spielangeboten wie Tischfußball eingerichtet werden?

Brauchen Teenager in Heßheim einen Raum, in dem sie sich treffen und mit einem Sozialarbeiter über Probleme austauschen können? Darüber diskutieren die Ortspolitiker gerade. Ein möglicher Neuanfang in der offenen Jugendarbeit könnte eine WLAN-Ecke in der Gemeindebücherei sein.

Es ist Freitagnachmittag. Sabine Feickert unterhält sich im Beindersheimer Jugendtreff mit einem 16-Jährigen. Auf einer selbst gezimmerten Empore laden Polstermöbel zum Ausruhen ein. Ebenerdig kann Airhockey, Kicker, Tischtennis und Billard gespielt werden. Die Betreuerin ist überzeugt: „Kinder und Jugendliche haben keinen Mangel an Freizeitangeboten, ganz im Gegenteil.“ Sie bräuchten vielmehr feste Ansprechpartner. Personen, denen man den Liebeskummer anvertraut, die zuhören, wenn man Probleme wälzt, wenn es in Schule oder Familie knirscht. In Beindersheim und den anderen Dörfern, die ihre Jugendarbeit auf die Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim übertragen haben, kennen die Nutzer die Treffpunkte und Jugendpfleger teilweise von klein auf. In Heßheim gibt es dieses Angebot seit sieben Jahren nicht mehr. „Was man nicht kennt, vermisst man nicht“, sagt Sabine Feickert.

Vor Jahren sei man mit der Personalsituation unzufrieden gewesen, sagen die Politiker

Die Entscheidung, es anders zu machen als die anderen Ortsgemeinden und sich aus der zentralen Jugendarbeit der Verbandsgemeinde auszuklinken, trugen alle Heßheimer Gemeinderatsfraktionen 2012 unter Ortsbürgermeister Karl Neunreither (SPD) mit. Heute sprechen sich CDU und FWG wieder für einen Jugendraum mit professioneller sozialpädagogischer Betreuung aus. „Damals gab es Personalprobleme, und die Öffnungszeiten des betreuten Jugendraums waren für Heßheim schlecht“, erinnert sich Silke Fink (CDU). Freitags eine Stunde um 15 Uhr, sagt der Erste Beigeordnete Klaus Nowak (SPD). „Das haben wir abgelehnt, das rentierte sich nicht.“ Der Versuch, den Raum im Bürgerhaus von einer Jugendgruppe in Eigenregie betreiben zu lassen, klappte aber auf Dauer auch nicht.

Inzwischen scheine es in den anderen fünf Dörfern sehr gut zu laufen, meint Fink. Sie bezieht sich auf einen RHEINPFALZ-Artikel vom Januar. Er sei der Grund gewesen, das Thema wieder aufzugreifen. Die Christdemokraten und Freien Wähler möchten, dass Heßheim sich wieder der von drei Fachleuten ausgeübten Jugendpflege in der Verbandsgemeinde anschließt.

Die Verwaltung startete im Amtsblatt eine Umfrage, um zu sehen, ob unter den Heßheimer überhaupt der Wunsch nach einem Jugendraum besteht. „Null Rückmeldungen von Jugendlichen“ sagt der für Soziales zuständige Beigeordnete Nowak. Nur von drei Eltern sei er angesprochen worden, ergänzt Ortsbürgermeister Holger Korn (SPD). Die Befragung im Amtsblatt hält Silke Fink jedoch nicht für den richtigen Weg: „Jugendliche lesen kein Amtsblatt“, sagt sie. Für Kinder sei das Angebot in Heßheim gut, aber über das Hortalter hinaus gebe es für Jugendliche nichts mehr, wo sie sich im Winter treffen und vielleicht mal Kicker spielen oder feiern könnten.

Der Bürgermeister schlägt vor, erst einmal eine WLAN-Lounge in der Bücherei einzurichten

Klaus Nowak weist auf die Aufsichtspflicht hin und sieht für einen Jugendraum in Heßheim derzeit wenig Bedarf. Die jungen Leute gingen ins Sporttraining oder würden mit Fahrrad, Bus oder Moped meist Richtung Frankenthal zu Schul- und Arbeitskollegen fahren. Ortsbürgermeister Korn sagt: „Es gibt die Idee, das Programm der Gemeindebücherei auszuweiten und dort eine WLAN-Lounge einzurichten.“ Wenn das gut angenommen werde und sich der Wunsch nach einem richtigen Jugendraum mit zusätzlichen Freizeitmöglichkeiten herausbilde, könne man ihn im Rathaus der Ortsgemeinde einrichten. Aber „das muss langsam wachsen“, so Korn. Jugendliche meldeten ihre Ansprüche durchaus an, meint Korn mit Verweis auf den Beachvolleyballplatz im Generationenpark. Den Sand dafür hätten sie selbst mit Rechen auf dem Spielfeld verteilt.

Der Bürgermeister würde es zunächst gern mit freiem WLAN in der Gemeindebücherei probieren. Foto: dpa
Der Bürgermeister würde es zunächst gern mit freiem WLAN in der Gemeindebücherei probieren.
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