Rhein-Pfalz Kreis
Heßheim soll Fotovoltaikanlage auf belasteter Fläche bekommen
Am Dorfrand von Heßheim will die Greenvest Solar GmbH aus Starnberg einen Solarpark bauen. Die dafür vorgesehenen Grundstücke liegen zwischen Autobahn und Umgehungsstraße.
Weil sie die Ziele der Energiewende unterstützen und das Klima schützen möchten, wollen die Heßheimer Politiker mit einem Bebauungsplan die Installation einer Freiland-Fotovoltaikanlage ermöglichen. Der Bauausschuss zumindest hat das dem Gemeinderat, der morgen, Dienstag, tagt, empfohlen. Die Kosten dafür trage der Investor. In den Unterlagen zur Sitzung heißt es, es gehe um ein Hektar Land, auf dem Strom in der Menge des Jahresbedarfs von 239 Drei-Personen-Haushalten erzeugt werden soll. Zur Auswahl stehen im Moment zwei Flächen. Welche es am Ende sein wird, müssen übergeordnete Behörden entscheiden. Die Flächen befinden sich zwischen der Autobahn und der Umgehungsstraße, und eine Solaranlage darauf sowie die Einspeisung des damit erzeugten Stroms ist nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz förderfähig. Solarparks an Autobahnen oder Eisenbahntrassen gelten als sinnvoll, weil die Grundstücke dort ohnehin belastet sind. Man gehe davon aus, dass Feldfrüchte durch den nahen Autoverkehr mit Schadstoffen belastet seien, sagt Matthias Bäcker, Geschäftsführer der Starnberger Greenvest Solar GmbH. „Hier ist die Belastung durch die nahe Umgehungsstraße sogar doppelt gegeben.“
Im Außenbereich darf nicht gebaut werden
Der geplanten Nutzung stehen zwei Punkte entgegen, die durch die Aufstellung eines Bebauungsplans ausgeräumt werden sollen: Beide Flächen liegen im Außenbereich und werden landwirtschaftlich genutzt, und sie sind im Raumordnungsplan als regionale Grünzüge dargestellt. Zudem ist das näher am Autobahnkreuz liegende Areal als Überschwemmungsgebiet bei einem hundertjährlichen Hochwasser ausgewiesen. In Grünzügen darf generell nicht gesiedelt, also gebaut werden. Eine Freiland-Fotovoltaikanlage werde jedoch von der Landesplanungsbehörde nicht als Teil einer Siedlungstätigkeit angesehen, meint das mit der Planung betraute Büro Piske. Was das Überschwemmungsgebiet betrifft, so sind laut Auskunft der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd Ausnahmegenehmigungen möglich, sofern kein Retentionsraum verloren geht und der Abfluss nicht behindert wird.
Matthias Bäcker ist seit 20 Jahren in der Branche
„Ähnlich wie der Solarpark an der Heßheimer Kläranlage“, sagt Investor Matthias Bäcker, um die Dimensionen der geplanten Anlage zu beschreiben. Der Unternehmer mit Heßheimer Wurzeln ist nach eigenen Angaben seit mehr als 20 Jahren in der Fotovoltaikbranche tätig und hat in dieser Zeit über 100 Anlagen konzipiert und realisiert. Zusammen mit einem Partner in der Greenvest Solar GmbH kamen in den vergangenen zehn Jahren mehr als 30 Solarparks hinzu. In der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim hat das Unternehmen neben dem 2008 in Betrieb genommenen Solarpark an der Kläranlage auch auf einem Feuerwehrgerätehaus und auf der Heßheimer Grundschule Anlagen installiert. Die Technik sei mittlerweile fortgeschritten, betont Matthias Bäcker. „Auf einer Fläche von einem Hektar hat man heute die Ausbeute wie früher auf einem dreimal so großen Areal.“ Mit der geplanten Anlage sollen jährlich rund 765.000 Kilowattstunden Strom erzeugt werden. Und es würden laut Bäcker rund 470 Tonnen klimaschädliche CO2-Emissionen jährlich eingespart. Wegen notwendiger Zufahrten und Nebenanlagen müssten rund 200 Quadratmeter Boden versiegelt werden, heißt es in der Projektbeschreibung des Planungsbüros. Das Gelände werde umzäunt, zwischen Boden und Zaun bleibe ein Durchgang für Tiere wie Hase oder Rebhuhn. Den Randbereich säumten später Sträucher und Hecken, und auch die Anlage selbst werde auf einer „mehrjährigen Blühwiese“ stehen. Die Greenvest Solar GmbH wird rund 650.000 Euro in die Anlage investieren, schätzt Matthias Bäcker.
Ortsgemeinde könnte profitieren
Umgesetzt werden sollen die Pläne möglichst schon im nächsten Jahr. Ortsbürgermeister Holger Korn (SPD) sagte auf Anfrage, dass sich damit die Quote von 136 Prozent klimaunschädlich erzeugten Stroms in der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim weiter erhöhen werde. Dieser Prozentsatz bedeutet, dass zurzeit in der VG ein Drittel mehr Strom erzeugt wird, als Bedarf vorhanden ist. Aber auch finanziell kann es sich für die Ortsgemeinde lohnen. Laut Dirk Fahrnbach von der Finanzabteilung der VG gibt es seit etwa vier Jahren den sogenannten Zerlegungsanteil: Wenn ein Unternehmen Betriebsstätten in anderen Kommunen unterhalte, werde nicht mehr die gesamte Steuer auf den Gewerbeertrag der Firma an deren Hauptsitz abgeführt, sondern alle Standorte bekämen einen Anteil. Der orientiere sich an der Energieproduktion unter Berücksichtigung verschiedener Kostenfaktoren wie etwa Arbeitslohn. Mit anderen Worten: Die Ortsgemeinde könnte von dem Solarpark profitieren, obwohl der Betreiber kein Heßheimer Unternehmen ist. Termin Sitzung des Ortsgemeinderats mit Einwohnerfragestunde am Dienstag, 21. Mai, 19 Uhr, im Bürgerhaus. Weitere Themen sind der Jahresabschluss 2014 der Ortsgemeinde, der Bebauungsplan Großniedesheimer Straße und die Erweiterung der Kindertagesstätte.