Hessheim RHEINPFALZ Plus Artikel Heßheim: Bürger protestieren gegen geplante Bebauung von Parkgelände

Der ehemalige Friedhof mit Blick auf den Kindergarten. Ein Teil des Parks sollte nach Ansicht des Gemeinderats für einen Kita-An
Der ehemalige Friedhof mit Blick auf den Kindergarten. Ein Teil des Parks sollte nach Ansicht des Gemeinderats für einen Kita-Anbau geopfert werden.

In Heßheim wehren sich Bürger gegen die geplante Erweiterung des Gemeindekindergartens in der Friedhofstraße. Sie wollen nicht, das dafür ein großer Teil des Parks entlang der Goethestraße geopfert wird und schlagen vor, dass die Ortsgemeinde besser an anderer Stelle einen zweiten Kindergarten baut.

Die kommunale Kindertagesstätte mit Hort hat sechs Gruppen und soll um vier weitere vergrößert werden. Denn Heßheim hat in den vergangenen Jahren die Grundlagen für viel neuen Wohnraum geschaffen. Das vermutlich letzte Neubaugebiet im Südwesten ist gerade in Planung. Außerdem zwingt das neue Kitagesetz die Ortsgemeinde zum Handeln. An mehr Kinderbetreuungsplätzen führt kein Weg vorbei.

„Wir haben überall gefragt, aber es hat sich kein Träger für einen zweiten Kindergarten gefunden“, sagt Ortsbürgermeister Holger Korn (SPD). Also müsse die Gemeinde der Träger sein. Der Gemeinderat habe daraufhin einstimmig beschlossen, den bestehenden Standort zu erweitern statt eine neue Kita zu bauen. „Auf die gegebene Infrastruktur aufzubauen kommt günstiger“, sagt Korn. „Und personell wird das dann später einfacher.“ Für bessere Vorschläge sei man offen, „aber die müssen finanzierbar sein“.

Vier Wochen lang lagen die Pläne aus

Für die Erweiterung wurde eigens ein Bebauungsplanverfahren in die Wege geleitet. Weil die Kreisverwaltung es sonst nicht genehmigen würde, aber auch, „weil die Planung dann öffentlich und transparent ist und man alle Belange gleich bedenken kann“, erklärt Yvonne Staiger von der Verbandsgemeinde Lambsheim-Heßheim. Vom 9. Dezember bis 20. Januar lag der Bebauungsplanentwurf des Büros Piske in der Verwaltung aus, danach gingen laut Staiger etwa ein Dutzend Stellungnahmen ein.

Darunter ist der Kommentar von sieben Parteien aus der Nachbarschaft der Kita. Zu ihnen gehört Andrea Meßmer. Ihren Angaben zufolge unterstützen rund 140 weitere Heßheimer mit ihren Unterschriften den Protest, der sich vor allem gegen die Bebauung der Grünanlage in der Goethestraße wendet. Der Park war früher ein Friedhof und ist laut Piske als Naturdenkmal gekennzeichnet. Davon würden 1400 Quadratmeter benötigt, um an das Kitagebäude anbauen und Spielgelegenheiten schaffen zu können.

Anwohner: Park ist wichtig fürs Klima

Der Park mit seinen 31 Bäumen sei wichtig für das Klima im Ortskern, erst recht nachdem mit dem Baugebiet Anna-Seghers-Straße eine frühere Frischluftschneise verschwunden sei, heißt es im Widerspruch der Anwohner. 13 Bäume müssen für das Kita-Projekt gefällt werden, für neun davon muss die Gemeinde Ersatz beschaffen. Der Park biete Lebensraum für etliche Tierarten und einen Ort, an dem die Dorfgemeinschaft bei Festen immer mal wieder zusammenkomme, argumentieren die Bürger. Und dass auf einem stillgelegten Friedhof gebaut werden soll und das Kriegerdenkmal versetzt werden muss, finden sie ebenfalls nicht gut.

Anders als das Büro Piske, das keine Probleme mit Lärm oder Verkehr erwartet, wenn die Kita auf zehn Gruppen vergrößert ist, halten die Nachbarn die Erschließung über die angrenzenden Wohnstraßen für fragwürdig. Schon jetzt bei sechs Gruppen gebe es ein recht hohes Verkehrsaufkommen zu Hol- und Bringzeiten der Einrichtung. Sie weisen darauf hin, dass auch die benachbarte Grundschule erweitert werden soll. „Die betroffenen Straßen (…) werden kollabieren“, heißt es im schriftlichen Widerspruch.

Knackpunkte sind Arten- und Denkmalschutz

Wie geht es nun weiter? Alle eingegangenen Stellungnahmen werden vom Planungsbüro beurteilt und zunächst dem Bauausschuss, danach dem Gemeinderat zur sogenannten Abwägung vorgestellt. Die beiden Gremien sollen entscheiden, wie sie mit den Anregungen verfahren wollen. „Dann wird noch Zeit benötigt, um Gutachten einzuholen“, erläutert Yvonne Staiger von der Bauabteilung. Im Bebauungsplanentwurf klingt bereits an, dass ein artenschutzrechtliches Gutachten benötigt wird.

Als weitere Knackpunkte könnten sich noch Boden- und Grabungsschutz sowie der Denkmalschutz erweisen. Nicht nur die Versetzung des Kriegerdenkmals bedarf einer Genehmigung, sondern es muss auch geprüft werden, ob sich der Neubau mit der katholischen Kirche in der Friedhofstraße und dem Pfarrhof in der Kirchenstraße verträgt. Beides sind laut Piske Baudenkmäler und genießen möglicherweise Umfeldschutz.

Auf jeden Fall werde die Öffentlichkeit ein weiteres Mal beteiligt, bevor der Bebauungsplan als Satzung beschlossen werden könnte, versichert Staiger.

x